Verbraucher dürfen entscheiden

Abgesagte Reisen: Gutscheinlösung für Pauschalreisen ist fix - so funktioniert sie

Fällt der Urlaub wegen des Coronavirus ins Wasser, winkt entweder Geld zurück oder ein Gutschein.
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Fällt der Urlaub wegen des Coronavirus ins Wasser, winkt entweder Geld zurück oder ein Gutschein.

Urlaube fallen derzeit reihenweise ins Wasser. Verbraucher sollen nicht auf ihren Kosten sitzen bleiben, aber auch Veranstalter sollen geschützt werden.

  • Viele früh gebuchte Pauschalreisen können aufgrund der Corona-Pandemie derzeit nicht stattfinden.
  • Aber keine Sorge: Verbraucher sollen nicht auf ihren Kosten sitzen bleiben.
  • Die Bundesregierung hat eine neue Gutscheinlösung auf den Weg gebracht.

Dortmund - Das Coronavirus* und die ergriffenen Maßnahmen haben zu massiven Einschnitten in unserer Freizeitgestaltung geführt. Konzerte, Theateraufführungen und lang geplante Urlaubsreisen mussten abgesagt werden, wie RUHR24.de* berichtet. Das hat besonders die Verbraucher verunsichert.

Gutscheine für Reisen: Nun doch kein Zwangsgutschein

Zu Beginn der Corona-Pandemie, als die ersten Reisen abgesagt wurden und die Reisewarnung der Bundesregierung immer weiter ausgeweitet wurde, stand eine Zeit lang sogar die Lösung eines Zwangsgutscheins im Raum. Das hat die Verbraucherzentrale scharf kritisiert.

Klaus Müller, der Vorstand des Verbraucherzentrale-Bundesverbands, kritisierte im April, dass die Bundesregierung mit Zwangsgutscheinen für abgesagte Reisen oder Veranstaltungen die "Risiken und Kosten der Corona-Krise voll auf die Verbraucher abwälzen" würde. Doch soweit ist es nicht gekommen. Im Gegenteil: Statt Zwangsgutscheinen hat die Bundesregierung jetzt eine freiwillige Gutscheinlösung für Pauschalreisen beschlossen. 

Rückt der Urlaub in weite Ferne - können Verbraucher nun entscheiden: Gutschein oder Geld zurück?

Gutschein statt Geld - aber freiwillig

Die neue Lösung soll besonders Reiseveranstalter in der aktuellen Krisensituation vor dem Existenzverlust schützen. Die am Donnerstag (2. Juli) beschlossene Gutscheinlösung soll auf freiwilliger Basis laufen, Verbraucher sollen also nicht gezwungen werden können, einen Gutschein für eine ausgefallene Reise zu nutzen.

Folgende Regelungen sind von der Bundesregierung dazu vorgesehen:

  • Reiseveranstalter dürfen Kunden für eine gebuchte Reise, die aufgrund der Corona-Pandemie nicht durchgeführt werden kann, einen Gutschein im Wert des gezahlten Reisepreises anbieten. Voraussetzung ist, dass die Reise vor dem 8 . März gebucht wurde. Außerdem sind die Veranstalter dazu verpflichtet, den Kunden auf das Wahlrecht zwischen Gutschein und sofortiger Erstattung hinzuweisen.
  • Für den Gutschein selbst dürfen keine Kosten anfallen. Ausstellung, Übermittlung und das Einlösen des Gutscheins müssen kostenlos sein.
  • Die Bundesregierung will den Wert der Gutscheine neben einer gesetzlichen Insolvenzabsicherung zusätzlich bis zur vollen Höhe durch eine ergänzende staatliche Absicherung garantieren. So sollen Verbraucher auch im Falle einer Insolvenz des Reiseveranstalters ihr Geld zurückerhalten. Das soll den Gutschein attraktiver machen.
  • Die Gutscheine gelten nur im Hinblick auf die aktuelle Covid-19-Pandemie und werden zeitlich befristet abgesichert. Verbraucher können sie nach Ende der derzeitigen Reisebeschränkungen einlösen.
  • Verbraucher dürfen den Gutschein ablehnen und behalten ihren sofortigen Erstattungsanspruch.
  • Wird der Gutschein nicht bis spätestens Ende 2021 eingelöst, sind Reiseveranstalter verpflichtet den Wert in Höhe des ursprünglichen Reisepreises auszubezahlen.

Gutscheine für abgesagte Pauschalreisen können nachträglich an das neue Gesetz angepasst werden

Um den EU-Richtlinien für Pauschalreisen zu entsprechen, müssen die ausgestellten Gutscheine die Hinweise enthalten, dass sie wegen der Covid-19-Pandemie ausgestellt wurden und wie lange sie gültig sind. Außerdem muss darauf vermerkt werden, dass der Kunde die Auszahlung der geleisteten Vorauszahlung verlangen kann, wenn der Gutschein in der Gültigkeitsdauer nicht eingelöst wird und dass der Gutschein bei Insolvenz gegebenenfalls staatlich abgesichert ist.

Haben Reiseveranstalter bereits vorher Gutscheine ausgestellt, für Reisen, die wegen der Coronavirus-Pandemie nicht stattfinden konnten, sollen sie den Vorgaben des neuen Gesetzes angepasst werden (mehr Service-Artikel auf RUHR24.de*). 

Konzert oder andere Veranstaltung ausgefallen? Veranstalter dürfen Gutscheine ausstellen

Wollen Verbraucher ihr Ticket für ein Konzert oder andere Großveranstaltungen wieder zu Geld machen, wird es hingegen etwas schwieriger. Ein Recht auf Erstattung der Kosten für ausgefallene Veranstaltungen aufgrund des Coronavirus wurde am 20. Mai mit einem Gesetzesentwurf ausgesetzt*. Statt den Ticketpreis zu erstatten, dürfen Veranstalter einen Gutschein ausstellen. 

Auch hier gilt der Stichtag 8. März: Wurde ein Ticket vor diesem Datum gekauft, kann ein Gutschein ausgestellt werden. Wie auch beim (freiwilligen) Pauschalreisegutschein, muss der Gutschein die vollen Kosten erfassen und es dürfen keine Gebühren für Ausstellung oder Übersendung entstehen. Ebenfalls ist der Gutschein bis Ende 2021 gültig, danach kann eine Auszahlung verlangt werden.

Video: Erstattung von Flugtickets: Hartnäckig bleiben!

Sind Verbraucher allerdings in einer brenzligen Situation und können ihre Lebenshaltungskosten (wie beispielsweise die Miete) nicht mehr zahlen, greift eine Härtefallklausel. In diesem Fall kann die Auszahlung des Geldes verlangt werden. 

Mit diesem Gesetz will die Bundesregierung die besonders von der Corona-Krise getroffenen Musik-, Kultur- und Sportveranstalter unterstützen und vor einer drohenden Insolvenz schützen - was wiederum auch die Erstattungsansprüche der Verbraucher schützen soll. 

Zwar begrüßt die Verbraucherzentrale das Angebot eines Gutscheins, um Anbieter und Künstler in der Krise zu unterstützen. Allerdings solle das auf freiwilliger Basis geschehen, "denn auch viele Verbraucher leiden derzeit an den Folgen der Pandemie", wie die Verbraucherzentrale auf ihrer Homepage schreibt. *RUHR24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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