US-Wahl

Ex-Außenminister Powell will Biden wählen - er sieht Trump als Gefahr für die Verfassung

Es scheint sich immer deutlicher abzuzeichnen, wer Donald Trumps Herausforderer bei der US-Wahl im November wird: Demokrat Joe Biden hat nun offenbar genug Stimmen für die Kandidatur.

  • US-Demokrat Joe Biden gilt mittlerweile als schärfster Konkurrent von Donald Trump im Rennen um die Präsidentschaft.
  • Nun hat sich Biden laut eigenen Angaben die nötigen Stimmen für die Präsidentschaftskandidatur gesichert.
  • Zuletzt hatte er Trump wiederholt deutlich kritisiert

Update 7. Juni, 21.15 Uhr: Der frühere republikanische US-Außenminister Colin Powell will bei den im November anstehenden Präsidentschaftswahlen für den voraussichtlichen demokratischen Kandidaten Joe Biden stimmen. Er habe US-Präsident Donald Trump schon beim letzten Mal nicht gewählt und werde ihn "in diesem Jahr sicherlich nicht unterstützen", sagte Powell am Sonntag im Fernsehsender CNN. Stattdessen werde er seine Stimme für Trumps Rivalen Biden abgeben.

"Wir haben eine Verfassung, wir müssen die Verfassung respektieren. Und der Präsident hat sich davon abgewandt", kritisierte Powell und sagte, Trump lüge "die ganze Zeit". "Ich hätte dieses Wort niemals für einen der vier Präsidenten, für die ich gearbeitet habe, benutzt", sagte er. Zudem warf er Trump vor, sowohl national wie international zu spalten.

Powell rief die Amerikaner dazu auf, über Trumps Einfluss auf die US-Gesellschaft sowie über die internationale Rolle der USA zu reflektieren. "Denken Sie darüber nach, benutzen Sie Ihren gesunden Menschenverstand und fragen Sie sich: Ist das gut für mein Land?", appellierte er.

Bereits im Jahr 2016 hatte Powell angekündigt, dass er für die damalige demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton stimmen werde, die gegen Trump angetreten war.

Beide Republikaner, aber politisch uneins: Ex-Außenminister Colin Powell und US-Präsident Donald Trump. 

Powell war zunächst Generalstabschef und später Außenminister. Trump reagierte prompt auf die Äußerungen Powells vom Sonntag und verwies auf dessen Auftritt vor dem UN-Sicherheitsrat 2003, wo Powell zur Begründung für einen Einmarsch der USA im Irak vermeintliche Belege für Massenvernichtungswaffen präsentiert hatte, die Bagdad gar nicht besaß.

"Sagte Powell nicht, dass der Irak über 'Massenvernichtungswaffen' verfügt?", schrieb Trump am Sonntag im Kurzbotschaftendienst Twitter. "Sie hatten keine, aber wir zogen in den Krieg".

„Verachtenswert“: Joe Biden attackiert Trumps Umgang mit dem Andenken von George Floyd scharf 

Erstmeldung 7. Juni: Washington - Der Demokrat Joe Biden* hat sich eigenen Angaben zufolge die nötigen Stimmen für die Präsidentschaftskandidatur seiner Partei gesichert. Damit kann es nun als sicher gelten, dass er bei der Wahl am 3. November für die Demokraten gegen den Republikaner Donald Trump* antreten wird. Dieser bemüht sich um eine zweite Amtszeit. In der Nacht zu Samstag erklärte Biden, mit den Erfolgen bei den jüngsten Vorwahlen habe er sich nun mehr als die nötigen 1991 Delegiertenstimmen für die Nominierung der Partei gesichert.

US-Wahl: Biden galt bereits als designierter Kandidat der Demokraten

Als Präsident werde er sich darum bemühen, das Land nach den polarisierenden Jahren unter Trump zu einen, versprach Biden. Er werde die Wirtschaft stärken und für Chancengleichheit kämpfen, sagte der 77-Jährige. Biden war zuletzt unter Präsident Barack Obama Vizepräsident gewesen.

Biden galt nach dem Ausscheiden seiner Mitbewerber* bereits als designierter Kandidat der Demokraten. Nun hat er auch die nötigen Stimmen für die Nominierung - und dürfte bei den noch ausstehenden Vorwahlen sicher noch dazugewinnen.

Die Bundesstaaten Indiana, Maryland, Montana, New Mexico, Pennsylvania, Rhode Island und South Dakota sowie die US-Hauptstadt Washington hatten am Dienstag Vorwahlen abgehalten - mitten in der Corona*-Pandemie und anhaltender Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt im Land. Biden konnte sich dabei erwartungsgemäß überall durchsetzen. Die nächsten Vorwahlen stehen nach bisheriger Planung am 9. Juni in Georgia und West Virginia an.

Biden hat Trump zuletzt infolge des Todes von George Floyd kritisiert

Zuletzt hat Biden seinen Konkurrenten Trump* bei den Protesten infolge des Todes von George Floyd* scharf kritisiert. Der Afroamerikaner Floyd war bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis am 25. Mai getötet worden. Biden sprach den Demonstranten seine Unterstützung aus und sicherte ihnen zu, sich für Polizeireformen und gegen Rassismus zu engagieren. Es brauche „längst fällige konkrete Maßnahmen“, um dem „systematischen Rassismus“ in den USA ein Ende zu bereiten, forderte Biden in einem Gastbeitrag in der Los Angeles Times.

Die Proteste dauern auch knapp zwei Wochen nach dem Tod von George Floyd in den USA - wie hier in Washington - weiter an.

Der Demokrat versprach, als Präsident in seinen ersten 100 Tagen im Amt eine Kommission für Polizeireformen einzusetzen. Zudem solle der Kongress schon jetzt handeln und umstrittene Polizeimethoden wie Würgegriffe bei Festnahmen verbieten. George Floyd dürfe nicht nur einfach ein weiterer Hashtag werden, schrieb Biden auf Twitter. Anstatt wie Trump das Land zu spalten und „Hass“ zu schüren, werde er sich darum bemühen, die Wunden des Rassismus zu heilen.

Ebenfalls auf Twitter schrieb Biden, dass Floyds letzte Worte „I can‘t breathe“* (auf Deutsch: „Ich kann nicht atmen“) in den USA und auf der ganzen Welt widerhallen. „Dass der Präsident andere Worte in seinen Mund legen will, ist verachtenswert“, heißt es in seinem Posting weiter. Auslöser dafür war ein Statement Trumps bei einer Pressekonferenz im Rosengarten des Weißen Hauses. Dort verkündete er einen überraschenden Rückgang der US-Arbeitslosenzahlen und behauptete, dass Floyd sich darüber sicher gefreut hätte.

Trump erntet auch für seinen Umgang mit der Corona-Pandemie Kritik von Biden

Biden kritisiert Trump nicht nur wegen dessen Umgang mit den Protesten, bei denen der Präsident mit dem Einsatz des Militärs drohte*. Er beschuldigt Trump außerdem, in der Corona-Pandemie zu spät reagiert und die Krise damit verschärft zu haben.

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dpa,cia

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