Irreführende Informationen eindämmen

Twitter verbietet Werbung mit politischen Inhalten - Chef Dorsey mit Seitenhieb gegen Facebook

Twitter stoppt politische Werbung.
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Twitter stoppt politische Werbung.

Twitter verbietet Werbung ab sofort Werbung mit politischen Inhalten. Twitter-Chef Jack Dorsey kritisiert Facebook für die Praxis. Auch Hillary Clinton äußert sich.

San Francisco - Twitter verbreitet weltweit keine politischen Inhalte mehr als Werbung. „Wir glauben, dass Reichweite für politische Botschaften verdient werden muss, statt erkauft zu werden“, schrieb Twitter-Chef Jack Dorsey am Mittwoch bei Twitter. Werbung bei Twitter sind zum Beispiel Tweets, die gegen Bezahlung im Nachrichtenstrom von Nutzern platziert werden können - auch wenn sie dem Account nicht folgen. Die Debatte über politische Werbung kommt in den USA wegen der näherrückenden Präsidentenwahl 2020 immer mehr in Gang.

Facebook will weiterhin politische Werbung zulassen

Twitter geht damit einen anderen Weg als Facebook. In den vergangenen Wochen war Facebook in den USA immer mehr in die Kritik geraten wegen der Entscheidung, Anzeigen mit politischen Inhalten grundsätzlich nicht von den Faktencheck-Partnern des Online-Netzwerks prüfen zu lassen. Außerdem beschloss das Online-Netzwerk, nichts zu unternehmen, wenn Politiker falsche oder irreführende Informationen verbreiten. Facebook-Chef Mark Zuckerberg hält zugleich an der Möglichkeit, politische Werbung zu schalten, ausdrücklich fest - auch wenn sie für Facebook keine große Rolle als Einnahmequelle spiele.

Twitter-Chef kritisiert Facebook

Dorsey kritisierte indirekt die Facebook-Position. Twitter würde sich unglaubwürdig machen, wenn die Firma einerseits sagen würde, man unternehme alles, um die Verbreitung irreführender Informationen einzudämmen - aber zugleich sie gegen Bezahlung verbreiten ließe.

Twitter wollte schon vor der Europawahl die Verbreitung von Falschmeldungen, sogenannten Fake News, eindämmen – schoss dabei aber nach Ansicht einiger Beobachter übers Ziel hinaus. Auch die EU-Kommission forderte von den sozialen Medien ein härteres Vorgehen.

Die ehemalige First Lady und demokratische Präsidentschaftskandidatin von 2016, Hillary Clinton, kommentierte die Entscheidung wohlwollend: „Das ist das Richtige für die amerikanische Demokratie und für die ganze Welt.“ Auch sie spielte den Ball weiter zu Facebook und fragte: „Was sagt ihr Facebook?“

dpa

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