May-Nachfolger und Brexit-Hardliner

Boris Johnson: Karriere, Skandale und Privatleben des Brexit-Premierministers

Boris Johnson hat es geschafft, Premierminister zu werden. In Großbritannien ist er aber auch durch die Skandale bekannt, die seine Karriere begleiten.

  • Boris Johnson wurde 2019 der Premierminister im Vereinigten Königreich.
  • In Großbritannien sind auch seine diverse Skandale schon lange bekannt.
  • Seine Versprechen zu einem schnellen Brexit konnte Johnson am Ende nicht ganz einhalten.

London - Großbritannien kommt nicht zur Ruhe. Seitdem 2016 mehr als 50 Prozent der Bevölkerung für einen Austritt aus der EU gestimmt haben, hangelt sich die Regierung von Problem zu Streit zu Skandal. Schon früh steckte auch Boris Johnson mittendrin, bevor er als Premierminister einen kompromisslosen Brexit durchzusetzen versuchte. Ein zügiger EU-Austritt des Vereinigten Königreichs war sein Plan, zur Not auch ohne ein Abkommen mit der Europäischen Union. Doch auch Johnson musste eine weitere Verzögerung hinnehmen - das Chaos führte zur Ansetzung von Neuwahlen im Dezember 2019.

Die Verhandlungen um den Brexit und die anhaltende Regierungskrise reihen sich ein in die langanhaltende Reihe von Pannen und Skandalen, die Boris Johnsons Karriere begleiten.

Boris Johnson wurde in New York geboren

Alexander Boris de Pfeffel Johnson wurde am 19. Juni 1964 in New York als erstes von vier Kindern englischer Eltern geboren. Er besaß daher die britische und die amerikanische Staatsbürgerschaft, auf die er 2016 jedoch verzichtete wie The Guardian berichtete. Entgegen anfänglicher Berichte schien die Kindheit von Johnson nicht einfach gewesen zu sein. Wie seine Schwester Rachel Johnson der Sunday Times erzählte, wurden die Kinder von einem Kindermädchen aufgezogen, da ihre Mutter Charlotte Johnson unter Depressionen litt. Anfang der 1970er Jahre zog er laut BBC mit seiner Familie nach Brüssel, da sein Vater Stanley Johnson einen Job bei der Europäischen Kommission angenommen hatte. Seine Einstellung war schon als Kind klar: „Der König der Welt“ wollte er werden.

Über einige Ecken ist er sogar adeliger Abstammung und mit den britischen Royals verwandt. Eine 2018 gefundene Mumie soll eine Vorfahrin Johnsons sein. Sein Urgroßvater väterlicherseits ist Ali Kemal, der letzte Innenminister des Osmanischen Reiches. Er sorgte für die Verhaftung von Kemal Atatürk. Später wurde Ali Kemal ermordet. Johnsons Großvater, Osman Ali, floh daraufhin nach Großbritannien und lebte fortan unter dem Namen Wilfred Johnson. 

Boris Johnson arbeitete zunächst als Journalist

Nachdem die Ehe seiner Eltern zerbrach, zog Boris Johnson nach England und besuchte dort die Schule. Er erhielt ein Stipendium für Eton, eine der bekanntesten Schulen in England. Mehrere Royals, darunter auch die Prinzen William und Harry sowie 19 ehemalige Premierminister drückten hier schon die Schulbank - beste Voraussetzungen also für den ambitionierten Johnson. 1983 ging er dann auf das Balliol College in Oxford und studierte Klassische Altertumswissenschaft. Er machte sich bereits einen Namen mit seinem Humor und seiner alt-albernen Art. Einer seiner besten Freunde zu dieser Zeit war Charles Spencer, der jüngere Bruder von Prinzessin Diana

Nach seinem Studium arbeitete Johnson als Journalist. Er schrieb zum Beispiel für The Times, Wolverhampton Express and Star und Daily Telegraph, für den er von 1989 bis 1994 als Korrespondent aus Brüssel berichtete. Er stieg zum Mitherausgeber der Zeitung auf und wurde schließlich Hauptherausgeber des Wochenblatts The Spectator. Ab 1998 trat er zudem immer wieder in verschiedenen Fernsehsendungen auf und erlangte so Bekanntheit in ganz Großbritannien. Beinahe wäre es jedoch gar nicht zu seiner Karriere als Journalist gekommen, da er gleich bei seiner ersten Anstellung als Praktikant gefeuert wurde. Bei der Times hatte er ein Zitat verfälscht. 

Antrittsbesuch vor der Ernennung zum Ministerpräsidenten: Boris Johnson trifft Queen Elizabeth II.

Zwei Scheidungen hat Johnson schon hinter sich

1987 heiratete Johnson das erste Mal. Die Ehe mit Allegra Mostyn-Owen hielt allerdings nur wenige Jahre. 1993 heiratete er Marina Wheeler, die er noch aus Kindheitstagen in Brüssel kannte. Die beiden wurden Eltern von vier Kindern. Nach 25 Jahren Ehe trennte sich Wheeler von Johnson, der während der gemeinsamen Zeit mehrere Affären gehabt haben soll. Das brachte ihm in der britischen Presse den Spitznamen „Bums-Boris“ ein. Derzeit ist Johnson mit der 31-Jährigen Carrie Symonds liiert. 

Seine politische Karriere startete er Ende der 1990er Jahre bei den Tories, der konservativen Partei im Vereinten Königreich. 2001 zog er ins britische Unterhaus ein. 2004 sorgte ein Skandal seiner Zeitung für Zweifel bei den Parteimitgliedern. Anlass war die Berichterstattung des Spectators über die Geiselnahme des Briten Kenneth Bigley, der später von irakischen Terroristen ermordet wurde. Johnson hatte den Artikel zwar nicht selbst geschrieben, zeigte sich als Herausgeber aber dafür verantwortlich. Eine Übersicht über Termine und Infos zur Wahl in Großbritannien finden Sie hier.

Von 2008 bis 2016 war Boris Johnson Bürgermeister von London

So verliefen die ersten Jahre seiner politischen Karriere ähnlich seiner blonden Haarpracht etwas wüst. 2006 musste er sich laut BBC bei der Nation Papua Neu-Guinea entschuldigen, da er in einer Kolumne geschrieben hatte, das Land sei für Kannibalismus und Häuptlingstötung bekannt. 2008 rückte Johnson dann in ein anderes Licht. Er wurde Bürgermeister von London und feierte damit seinen ersten großen politischen Erfolg. Vorher war er bereits Mitglied des Schattenkabinetts. 

Von 2008 bis 2016 war er Bürgermeister von London und vor allem während der Olympischen Spiele 2012 in den Medien vertreten. Zum Beispiel als er sich mit einem blauen Helm von einer Seilrutsche hängen ließ. Zu den wichtigsten Themen seiner Amtszeit zählen Fahrkarten für den öffentlichen Verkehr, Alkoholverbot im öffentlichen Verkehr, Nachtverkehr der U-Bahn am Wochenende, neue Doppeldecker-Buslinie, Fahrradverkehr. Dabei schaffte es der 55-Jährige immer wieder, in der Öffentlichkeit als Tollpatsch dazustehen. So auch 2015 als er in Tokio einen 10-Jährigen umtackelte. Nicht wenige sehen hinter seinen öffentlichen Ausfällen jedoch nur Kalkül. Seine politischen Erfolge sprechen für sich. 

Noch nicht Premierminister: Johnson wird Außenminister

Entgegen ursprünglicher Aussagen kehrte Johnson nach seiner Zeit als Bürgermeister wieder ins Unterhaus zurück. Seit 2016 gilt er als einer der führenden Befürworter des Brexit. Nachdem Premierminister David Cameron seinen Rücktritt erklärt hatte, galt Johnson als einer der Favoriten für dessen Nachfolge. Überraschenderweise kandidierte er allerdings nicht. Theresa May wurde Premierministerin und berief Boris Johnson als Außenminister in ihr erstes Kabinett. Dort wurde ihm erstmal zum Verhängnis, dass er einen Beitrag in The Sun geschrieben hatte, in dem er spekulierte, Barack Obama könnte aufgrund seiner „teilweise kenianischen“ Abstammung das britische Königreich ablehnen. Es folgten zahlreiche weitere Fettnäpfchen, von den Johnson gefühlt keines ausließ. Im Juli 2018 trat er vom Amt des Außenministers zurück. 

Boris Johnson führte als Premierminister harte Brexit-Debatten im Unterhaus.

Johnson zum nächsten Brexit-Premierminister gewählt

Nachdem May ihm Frühjahr 2019 ihrerseits zurücktrat, bewarb sich Johnson erneut als Vorsitzender der Tories und als Premierminister. Er schaffte es tatsächlich, der neue Regierungschef zu werden.

Seine Kandidatur war auch unter Parteifreunden umstritten. Wenige Tage vor der Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses gab es bereits einen Dämpfer für Boris Johnson: Sowohl Finanzminister Philip Hammond als auch Justizminister David Gauke kündigten an, im Falle eines Wahlsiegs von Johnson zurücktreten zu wollen. Beide begründeten dies damit, einen No-Deal-Brexit nicht mittragen zu wollen.

Johnsons politische Leitlinie, zur Not auch auf einen No-Deal-Brexit anzustreben, traf sogar in der eigenen Familie auf Widerspruch. Seine Geschwister sind nämlich strikt gegen einen Austritt aus der EU. Sein jüngerer Bruder Jo trat sogar von seinem Amt als Transportminister zurück.

Rubriklistenbild: © dpa / Henry Nicholls

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