Film kostet wohl fünfstelligen Betrag

AfD verhöhnt Greta Thunberg in Video - auch die Grünen bekommen es ab

Ihre aktuelle Medienoffensive nutzt die AfD dafür, Greta Thunberg und die Klimabewegung zu verhöhnen. Das lässt sich die Partei auch einiges kosten.

  • Die AfD startete im September 2019 eine mediale Offensive.
  • Im aktuellen Langfilm werden vor allem Greta Thunberg und die Klimabewegung verhöhnt
  • Offenbar ließ sich die AfD die Produktion des Videos einen fünfstelligen Betrag kosten. 

Berlin - „Land im Klimawahn - Greta, Kobolde und viel Ideologie!“ - diesen Titel trägt die neueste mediale Offensive der AfD. Und die ersten 35 Minuten des Langfilms, der noch in dieser Woche online gehen soll, halten, was die Zeile verspricht. Zwar macht die Anfangsszene einen durchaus idyllischen Eindruck: Üppige grüne Landschaften, Flussufer und ein See mit Segelbooten werden eingeblendet, ein für den Zuschauer unsichtbarer Kommentator beschreibt die Umbegung.

AfD-Video verspottet Greta Thunberg: „Ökozöpfchen“, die für die Zukunft baumeln

„Wir lassen die Blicke durch unsere schöne Heimat schweifen und erfreuen uns an Bergen, Wäldern und Seen. Kurz gesagt: an unserer Umwelt“, sagt die Stimme. Doch unmittelbar nach diesem Einstieg mutiert das AfD-Video zu einer Parodie auf Greta Thunberg*, die nicht nur ihre Person, sondern auch die Klimadiskussion an sich ins Lächerliche zieht. Es gebe „kleine und große Klimajünger, die unser Land in den Klimawahn treiben“ heißt es in dem Video, während sich eine von hinten gefilmte Person mit geflochtenen Zöpfen durch einen Wald bewegt. 

Der unsichtbare Sprecher setzt seine Ausführungen fort: „So denkt halb Deutschland, dass Gott am Anfang die Grünen erschuf und bei der AfD kein Hahn nach Umweltschutz kräht - oder kräht da doch einer?“ Die im AfD-Video zu sehende „Kräta“ sei zwar etwas in die Jahre gekommen und für ihr Handeln voll verantwortlich, aber ihre lustigen Ökozöpfchen würden immer noch für die Zukunft baumeln, heißt es weiter. 

Greta Thunberg von AfD-Video verspottet - auch die Grünen werden verhöhnt

Und damit ist der Spott über die 17-jährige Klimaaktivistin, die unter anderem mit einer Rede beim UN-Klimagipfel in New York für Aufsehen sorgte*, noch lange nicht zu Ende. „Unsere Greta hat bereits die Wale gerettet, den sauren Regen gesüßt (...) und mit Omas FCKW-freien Häkelnadeln das Ozonloch gestopft“, höhnt die Stimme aus dem Off. Häme und Spott ist Greta Thunberg ja mittlerweile gewohnt, und nun äußerte sich auch Jogi Löw zu der 17-Jährigen. Seine Meinung könnte manche überraschen.

Danach bekommen die Grünen erneut ihr Fett weg. Unter anderem geht es um einen Bundestagsantrag, in dem die Grünen fordern, zivilgesellschaftliche Ernährungsräte zur Entwicklung regionaler Ernährungsstrategien aufzubauen. Unmittelbar danach spricht im Film AfD-Fraktionschefin Alice Weidel über eine eine „Räterepublik“. 

Die hätte „schon im Betonkommunismus nicht funktioniert“. Im Anschluss ist der frühere chinesische Diktator und Massenmörder Mao Tse-tung zu sehen. Die Rede ist von dessen großem „Sprung nach vorn“, der Millionen Menschen das Leben kostete. Aus dem Film geht allerdings nicht hervor, wo genau die Verbindung zwischen diesem Massenmord und der Grünen-Forderung nach Ernährungsräten liegt. 

AfD-Video verspottet Greta Thunberg - und es sind weitere Langfilme geplant

Das Video, bei dem es offensichtlich darum geht, Greta Thunberg, die Grünen und die Klimabewegung durch den Kakao zu ziehen, ist einer von insgesamt drei Filmen der ersten Staffel einer medialen Offensive, mit der die AfD Aufmerksamkeit erregen will. Gestartet ist sie im September vergangenen Jahres. Das erste Video, „Dieselmord im Ökowahn“, handelte von Autos und Luftschadstoffen, im dritten Werk soll es um die Bundeswehr gehen, schreibt welt.de. Ob in dieses Video auch wieder ein „Wahn“ integriert wird, ist bislang nicht bekannt. Und damit sind die Filmproduktionen der AfD wohl noch nicht gezählt - für Frühjahr soll eine zweite Staffel mit neuerlich drei Langfilmen geplant sein. 

Den aktuellen Klimawahn-Film hat die rechtsradikale Partei laut dem Bericht von welt.de für einen fünfstelligen Betrag produzieren lassen. Zwar prüft der Bundesrechnungshof, ob diese Mittel für zulässige Informationen der Wählerschaft oder für unzulässige Werbung auf Kosten der Steuerzahler aufgewandt wurden. Grundsätzlich ist es den Bundestagsfraktionen aber nicht untersagt, mit solchem Aufwand Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben. Ob dieses Geld gut investiert ist, sei dahingestellt. 

Ermittlungen gegen Gauland (AfD) und Schulze (Grüne) eingeleitet

Mit einem privaten Steuerdelikt muss sich dieser Tage übrigens der AfD-Fraktionsvorsitzende Alexander Gauland herumschlagen. Und gegen die Grünen-Politikerin Katharina Schulze wird derzeit ebenfalls ermittelt. Der Grund: Sie zeigte bei einer Demonstration der rechtsextremen NPD den Mittelfinger.

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