Covid-19-Pandemie

Über 2000 Infektionen bei Tönnies – Chef weist Schuld von sich

Vor wenigen Wochen ging von dem Fleischunternehmen Tönnies ein Corona-Massenausbruch aus, der Auswirkungen bis weit über die Grenzen des Kreises Gütersloh hinaus hatte. Nun weist Clemens Tönnies die Schuld von sich.

Update: 31. Juli. Der massenweise Corona-Ausbruch im Kreis Gütersloh schlug hohe Wellen. Bei dem Fleischfabrikanten Tönnies aus Rheda-Wiedenbrück infizierten sich über 2000 Menschen im Zusammenhang mit dem Schlachtbetrieb mit dem Coronavirus. Es folgten Reiseverbote für Bewohner des Kreises und ein zweiwöchiger Lockdown.

Doch laut Clemens Tönnies sei das alles nicht die Schuld des Unternehmens. Laut Radio Gütersloh sieht sich der Milliardär als ehrbarer Kaufmann und die Schuld für den Corona-Ausbruch läge nicht bei dem Fleischbetrieb. Vielmehr habe es sich um einen Unfall gehandelt, für den man die Verantwortung übernommen habe. Für den Corona-Ausbruch an sich sei man jedoch nicht verantwortlich. Auch an den Unterkünften der Mitarbeiter habe es nicht gelegen.

Kreis Gütersloh: Tönnies-Arbeiter zu Unrecht in Quarantäne?

Update: 30. Juli. Einige Tönnies-Angestellte im Kreis Gütersloh sind möglicherweise zu Unrecht in Quarantäne gesteckt worden. Viele Betroffene haben offenbar Musterschreiben des Kreises erhalten, berichtete das ARD-Magazin „Monitor“ am gestrigen Mittwochabend (29. Juli). Von positiven Corona-Tests und von Krankheitssymptomen sei in den Schreiben die Rede, die laut ARD-Recherchen oft nicht richtig gewesen seien. In weiteren Briefen sei den Tönnies-Mitarbeitern mitgeteilt worden, dass sie wegen Kontakten zu Infizierten in Quarantäne bleiben müssen. Dabei galten diese angeschriebenen Tönnies-Mitarbeiter als schon genesen und nicht mehr infektiös. Betroffen waren vor allem Menschen in Rietberg und Rheda-Wiedenbrück. Auch von falschen Vordrucken ist die Rede. Die Kreisverwaltung und die Städte beschuldigen sich gegenseitig.

Kreis Gütersloh: 20 Personen bei Tönnies positiv auf das Coronavirus getestet

Erstmeldung: 24. Juli. Erneut ist das Coronavirus Thema bei Tönnies. Wie nun bekannt wurde, sollen in dem Schlachtbetrieb erneut etwa 20 Personen positiv auf das Virus getestet worden sein. Die Zahl 20 wurde im Nachhinein seitens des Kreises jedoch relativiert. Die genaue Zahl werde innerhalb des Krisenstabs des Kreises Gütersloh ermittelt. Dieser tagt aufgrund der Lage bei Tönnies am heutigen Freitag (24. Juli) um 11 Uhr. Erst seit Kurzem wird bei Tönnies wieder geschlachtet.

FirmaTönnies Holding
ZentraleRheda-Wiedenbrück
Mitarbeiterzahl9007 (2018)
RechtsformApS & Co. KG
Gründung1971
TochterunternehmenZur-Mühlen-Gruppe (unter anderem)

Kreis Gütersloh: Infiziertenmanagement läuft

Momentan ermitteln Mitarbeiter des Gesundheitsamtes Gütersloh, wo und wie sich die Tönnies-Mitarbeiter angesteckt haben. Auch die Einhaltung der Quarantäne-Auflagen zum Coronavirus werden kontrolliert. Tönnies selbst äußerte sich in einer aktuellen Pressemitteilung positiv zum momentanen Testvorgehen.

Aus der Meldung geht hervor, dass in den vergangenen Tagen bei Tönnies 7.300 Tests durchgeführt wurden. Davon fielen 30 positiv aus. 22 davon seien jedoch bereits zuvor positiv auf das Coronavirus getestet worden, demnach „altpositiv“. Die weiteren acht Fälle werden nun von den Behörden geprüft.

Gütersloh: Möglicher „Superspreader" bei Tönnies gefunden

Mittlerweile gibt es auch neue Erkenntnisse zum ersten Massenausbruch des Coronavirus bei Tönnies im Kreis Gütersloh. Demnach geht man mittlerweile davon aus, dass das Coronavirus aus dem Schlachtbetrieb Westfleisch im Kreis Coesfeld* durch Kontakt der Mitarbeiter herübergeschwappt ist. (*msl24.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes)

Kreis Gütersloh: Clemens Tönnies hat in den letzten Wochen wenig zu lachen.

Ein Mitarbeiter soll das Coronavirus dann bei Tönnies im Kreis Gütersloh in der Rinderzerlegung verbreitet haben. Experten sehen in diesem Mann einen sogenannten „Superspreader“. Er soll das Virus in einem Umkreis von bis zu acht Metern weitergetragen haben. Dies liegt vor allem an der Temperatur von 10 Grad in dieser Abteilung und an der konstanten Umwälzung der Luft.

Tönnies im Kreis Gütersloh seit Wochen in der Kritik

Der Schlachtbetrieb geriet in den letzten Tagen mehrfach in die Kritik. Zunächst musste Tönnies eingestehen, dass bei einem seiner Zulieferer unhaltbare Zustände in der Schweinemast herrschten. Zusätzlich wurde der Betrieb mit einem Hygieneskandal in Dissen in Verbindung gebracht. Tönnies lagerte Produkte in einem dortigen Kühlhaus, welches wegen immensen Rattenbefalls geschlossen werden musste.

Jüngst deckte eine RTL-Reportage auf, unter welchen Bedingungen die Mitarbeiter bei Tönnies leiden. Eine Frau brach vor der Kamera in Tränen aus. In Bielefeld hingegen gibt es gute Nachrichten aus der Corona-Krise: Erstmals seit Beginn der Statistik befindet sich kein Corona-Patient mehr im Krankenhaus.

Am Dienstag (28. Juli) kam es in der Region Ostwestfalen-Lippe erneut zu einem folgenschweren Unglück: In Harsewinkel starb ein 18-jähriger Motorradfahrer aus Gütersloh bei einem Unfall, nachdem er gegen einen Zahn geprallt war und schwere Kopfverletzungen erlitten hatte. 

Rubriklistenbild: © Guido Kirchner / dpa

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