Coronavirus

10 Millionen Euro Schaden nach Corona-Ausbruch: Muss Clemens Tönnies zahlen?

Kosten in Höhe von fast zehn Millionen Euro hat der Corona-Ausbruch bei Tönnies allein im Kreis Gütersloh (NRW) verursacht. Wird der Fleischkonzern dafür aufkommen?

Rheda-Wiedenbrück/Gütersloh – Der Schaden nach dem Coronavirus-Ausbruch bei Tönnies ist riesig. Der Kreis Gütersloh in Nordrhein-Westfalen möchte sich einen Teil des Geldes erstatten lassen. Der Fleischkonzern unter der Führung von Clemens Tönnies hatte aber bereits angekündigt, freiwillig für die Kosten aufkommen zu wollen.

FleischkonzernTönnies
ZentraleRheda-Wiedenbrück im Kreis Gütersloh in NRW
Gründung1971

Gütersloh: Über 1.000 Tönnies-Mitarbeiter im Sommer mit Coronavirus infiziert

Die Coronavirus-Infektionszahlen bei Deutschlands größtem Schlachtbetrieb Tönnies aus Rheda-Wiedenbrück waren im Sommer beachtlich hoch. Innerhalb kürzester Zeit hatten sich in dem Unternehmen über 1.000 Angestellte mit dem Erreger SARS-CoV-2 angesteckt. Daraufhin setzten NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) und Landrat Sven Georg Adenauer (CDU) den Lockdown im Kreis Gütersloh durch. Etwa 100.000 Menschen in der Region ließen sich auf Covid-19 testen. 

Dass die Coronakrise Millionen kosten werde, wurde danach schnell deutlich. Inzwischen sollen es rund zehn Millionen Euro sein. Zuletzt waren die Corona-Infektionszahlen im Kreis Gütersloh (NRW) auf über 70 gestiegen, wie die Kreisverwaltung in einer Pressemitteilung verkündet hatte. Laut Robert Koch-Institut (RKI) betrugen die Covid-19-Fälle der vergangenen 7 Tage/100.000 Einwohner am gestrigen Donnerstag (1. Oktober) 11,8.  

Coronavirus-Ausbruch im Kreis Gütersloh (NRW) – Clemens Tönnies äußerte sich vor laufenden Kameras zu der Kostenerstattung

"Wir sind die Ursache dieses Themas, und wir stehen in voller Verantwortung. Ich als Unternehmer und das Unternehmen insgesamt", hatte Konzernchef Clemens Tönnies, nach dem Coronavirus*-Ausbruch in dem Tönnies-Schlachtbetrieb in Rheda-Wiedenbrück vor laufenden Kameras gesagt. Der Landrat des Kreises Gütersloh Sven-Georg Adenauer (CDU) ging damals davon aus, dass das Unternehmen für den entstandenen Schaden aufkommen werde. Eine Rechnung an den Unternehmer soll er nach WDR-Informationen aber noch nicht verschickt haben.

"Die Prüfung, ob Kosten vorrangig von Dritten zu tragen sind, ist noch nicht abgeschlossen", soll in einer Verwaltungsvorlage gestanden haben, berichtet der WDR. Um 9,6 Millionen Euro soll es nur im Kreis Gütersloh gehen. Darin enthalten seien Kosten für Tests, Mehrkosten für Personal und Mindereinnahmen bei Gebühren und Steuern. Experten glauben jedoch, dass der Kreis auf den Kosten sitzen bleiben wird und Tönnies nicht zahlen wird.

Kreis Gütersloh: Wird Tönnies zahlen? Stadt Verl (NRW) hat bereits Rechnung verschickt

Rechtsanwalt Volker Küpperbusch äußerte sich dazu gegenüber dem WDR. „Aus der globalen Aussage ‚ja, wir beteiligen uns an den Kosten könne man sicherlich nicht herleiten, dass Tönnies damit meinte, man werde alles, was irgendwie an Kosten entsteht, ungeprüft übernehmen“, so der Experte für Schadensersatz. Landrat Adenauer werde den Sachverhalt mit Clemens Tönnies besprechen, berichten mehrere Medien.

Die Stadt Verl im Kreis Gütersloh hat hingegen schon Rechnungen für Quarantänemaßnahmen an Tönnies verschickt. Einen Teil davon habe Deutschlands größter Schlachtbetrieb bereits übernommen. Rund 100.000 Euro stehen demnach noch aus. Bürgermeister Michael Esken sagte dem WDR: "Politisch kann man das bewerten als schuldhaftes Verhalten. Ob es dann auch ein juristisch schuldhaftes Verhalten ist, das haben Gerichte zu prüfen. Meine juristischen Grundkenntnisse an dieser Stelle sagen, es ist relativ schwierig, jeden einzelnen Euro, jeden einzelnen Cent durchzusetzen." Der Fleischkonzern werde weitere Kosten übernehmen, sagte ein Sprecher des Unternehmens am Donnerstag. In welcher Höhe sei jedoch weiterhin unklar.

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