Coronavirus in NRW

"Wir sind keine Versuchskaninchen!" – Abiturient mit scharfer Kritik an Schulöffnungen

Die Schulen in NRW sollen trotz des Coronavirus wieder schrittweise öffnen. Eine umstrittene Maßnahme. Nun macht ein Fachabiturient aus Rheda-Wiedenbrück seinem Unmut Luft.

  • Ab dem 20. April werden die Schulen in NRW schrittweise wieder geöffnet.
  • Diese Entscheidung trifft in der momentanen Corona-Krise nicht bei allen auf Verständnis.
  • Ein Abiturient (19) aus Rheda-Wiedenbrück im Kreis Gütersloh äußert nun harsche Kritik an der Maßnahme.

NRW/Rheda-Wiedenbrück – Möglichst schnell zurück zur Normalität oder lieber abwarten? Diese Frage wird momentan in ganz Deutschland diskutiert. Grund sind die von Bund und Ländern beschlossenen Lockerungen in der Wirtschaft und im Schulwesen

Ist der Zeitpunkt dafür richtig oder ist es noch zu früh? Werden die Lockerungen eine erneute Infektionswelle mit dem Coronavirus auslösen? Viele sind dieser Meinung. Dazu gehören unter anderem Politiker, Schulleiter, Eltern – doch auch die Schüler selbst. So auch Daniel (19) aus Rheda-Wiedenbrück, der owl24.de seine Sicht der Dinge geschildert hat.  

Rheda-Wiedenbrück: Abiturient kritisiert Öffnungen der Schulen in der Corona-Krise

Daniel geht aktuell in die 12. Klasse einer Berufsschule in Rheda-Wiedenbrück und steht vor dem Fachabitur. Ab Donnerstag (23. April) haben angehende Prüflinge in NRW die Möglichkeit, freiwillig wieder in die Schule zu gehen, um sich vorzubereiten (Nach welchem Muster die Schulen in NRW wieder geöffnet werden, haben wir für Sie zusammengefasst). 

Diese Freiwilligkeit sieht Daniel kritisch: "Freiwillige Prüfungsvorbereitung bedeutet: Gehst du das Risiko ein oder nicht? Und diese Entscheidungslast auf die Schüler zu übertragen ist schon sehr bedenklich und nicht verantwortbar." Für Daniel selbst gilt übrigens keine Freiwilligkeit. Laut Beschluss des Schulministeriums NRW ist die Teilnahme am Unterricht für Berufsschüler ab dem 23. April verpflichtend. Der Schüler fühlt sich dementsprechend in der momentanen Debatte wie ein Versuchskaninchen: 

"Wir sind keine Versuchskaninchen, sondern Menschen. Ich meine, wer garantiert, dass die Hygiene-Maßnahmen ausreichen? Was passiert, wenn ich mich oder andere Schülerinnen und Schüler infiziere, was ist dann? Wer verantwortet das? Viele Fragen bleiben unbeantwortet und verunsichern uns Schülerinnen und Schüler, aber ich denke auch die Lehrer, enorm." Eine Sorge, die auch die Schulleitungsvereinigung NRW teilt:

Bildung in der Corona-Krise: Schüler aus Rheda-Wiedenbrück fühlt sich nicht ernst genommen

Die schrittweise Rückkehr zur Normalität in Zeiten des Coronavirus ist ein Streitthema, welches uns noch länger begleiten wird. Einerseits sollte man darauf Wert legen, so schnell wie möglich zum Alltag zurückzukehren, damit die Menschen dieser nervenzehrenden Situation nicht unnötig lange ausgesetzt sind. Auf der anderen Seite wären überstürzte Handlungen ein hohes Risiko. Daniel hat große Angst, mit dem Schulbesuch die Eltern, Großeltern und andere Risikopatienten in Gefahr zu bringen. 

Mit dieser Angst fühlt sich der 19-Jährige aus Rheda-Wiedenbrück jedoch alleingelassen: "Es ist bemerkenswert wie die Schüler zusammenhalten, protestieren und eine andere Entscheidung fordern. Es sollte von der Regierung ernst genommen werden, dass wir Angst um uns, unsere Eltern und unsere Großeltern haben, die vielleicht Teil einer Risikogruppe sein könnten. Aber nach jetzigem Stand scheint es niemanden von oben zu stören, wie nah es uns geht und wie wichtig uns die Themen Gesundheit und Sicherheit sind."

Daniel hat einen klaren Appell an das Bildungsministerium NRW: "Kein Abitur und keine Prüfungen vor die Gesundheit stellen", und ist sich sicher: "Wie es auch immer weiter geht, diesen Abschlussjahrgang 2020 wird keiner so schnell vergessen."

Der Kreis Gütersloh, in dem Daniel zur Berufsschule geht, ist besonders schwer vom Coronavirus geplagt. Bis heute sind in der Region bereits 16 Personen im Zusammenhang mit Covid-19 verstorben. Über die aktuellen Corona-Fallzahlen in der Region OWL haben wir eine Übersicht zusammengestellt.

Im Kreis Gütersloh hat das Freibad in Verl unter strengen Corona-Regeln wieder geöffnet aber Besucher müssen mit Einschränkungen rechnen.

Im Kreis Gütersloh spitzt sich die Lage zu: Nachdem bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück 730 Angestellte postiv auf das Coronavirus getestet wurden, stellte die Bundestagsabgeordnete Britta Haßelmann aus Bielefeld Strafanzeige gegen Clemens Tönnies und sein Neffe fordert sogar seinen Rücktritt.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

Kommentare