Polizei vor Ort

Missbrauchsfall Lügde: Weitere Hütte auf Campingplatz wird abgerissen

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Auf dem Campingplatz in Lügde wurden bei Abrissarbeiten weitere Datenträger und ein Schuppen entdeckt.

Missbrauch in Lügde: Nachdem die Behausung des Hauptverdächtigen bereits abgerissen wurde, wird nun auch die Behausung des zweiten Beschuldigten dem Erdboden gleich gemacht.

  • Schwerer Missbrauch auf einem Campingplatz in Lügde
  • Mehr als 1.000 Einzeltaten festgestellt 
  • 40 Opfer (Zahl könnte noch steigen) 
  • Kinder waren zwischen 4 und 13 Jahre alt 
  • 3 Millionen Bilder und mehr als 96.000 Videos mit kinderpornografischem Material sichergestellt 
  • Drei Verdächtige festgenommen
  • ++Newsticker zum Missbrauchsfall Lügde aktualisieren++

    Update: 18. April. Lügde – Heute soll auf dem Campingplatz auch die Behausung des zweiten Beschuldigten in dem Missbrauchsfall abgerissen werden. Die Angehörigen gaben bereits ihr Einverständnis. Im Gegensatz zum Abriss der Hütte von Andreas V., sind diesmal Polizeibeamte vor Ort. Von der Polizei Bielefeld hieß es, die Beamten seien anwesend, um Gefahren abzuwehren und "Gegenstände des Angeklagten nicht in falsche Hände geraten zu lassen".

    Auch die Hütte des zweiten Angeklagten gilt seit dem 27. März nicht mehr als Tatort und darf deswegen abgerissen werden. Die Ermittlungen wurden hier also abgeschlossen.

    Missbrauchsfall Lügde: Weitere Datenträger und ein Schuppen entdeckt

    Update: 16. April. Lügde – Im Laufe der Abrissarbeiten wurden nun weitere Entdeckungen gemacht. Der Abrissunternehmer informierte die Polizei Lippe über folgende Datenträger, die gefunden wurden:

    • 11 VHS-Kassetten
    • 1 CD
    • 1 Mini-CD

    Zusätzlich wurde die Polizei in Lügde auf einen Geräteschuppen aufmerksam gemacht, der dem Angeklagten gehört. Auch dieser sollte abgerissen werden. Die Polizei gibt an, nicht gewusst zu haben, dass dieser Schuppen Andreas V. gehörte. Der Betreiber des Campingplatzes behauptet jedoch, die ermittelnden Beamten schon frühzeitig darüber informiert zu haben.

    Beide Funde in Lügde stellten sich bis jetzt als nicht relevant für die Ermittlungen heraus. Auf den Datenträgern seien lediglich Unterhaltungssendungen zu sehen, im Schuppen, der augenscheinlich schon lange nicht mehr genutzt wurde, wurden nur Werkzeuge und Metallschrott gefunden. 

    Missbrauchsfall Lügde: Weitere Datenträger auf Campingplatz entdeckt

    Update: 12. April. Lügde – Seit drei Tagen beschäftigt sich ein Abrissunternehmen damit, die Hütte auf dem Campingplatz in Lügde dem Erdboden gleich zu machen. Bei den Arbeiten wurden nun weitere Datenträger gefunden:

    • Drei CDs
    • Zwei Disketten

    Ob sich auf den Datenträgern kinderpornographisches Material befindet, wird nun ermittelt. Nach Angaben des Abrissunternehmers sind die Datenträger aus Lügde mit Hand beschriftet. Unter anderem mit "Video XXXXX". Vier der Träger wurden in dem Wohnwagen gefunden, eine CD lag in einem Hohlraum zwischen zwei Bodenplatten.

    Missbrauchsfall Lügde: Hütte auf Campingplatz soll abgerissen werden

    Update: 10. April. Lügde – Der Betreiber des Campingplatzes, auf dem nach jetzigem Stand 40 Kinder missbraucht wurden, will die Behausung des Hauptverdächtigen Andreas V. abreissen. Im Zuge der Ermittlungen wurde die Hütte mehrfach durchsucht. Nun, da die Ermittlungen vor Ort abgeschlossen sind, wurde der Tatort freigegeben. 

    Mit einem Bagger soll die Hütte in Lügde in den nächsten Tagen dem Erdboden gleich gemacht werden.

    Missbrauchsfall Lügde: Zahl der Opfer wieder gestiegen

    Update: 4. April. Lügde – Soeben wurden im Innenausschuss im NRW-Landtag neue Zahlen veröffentlicht. In dem Missbrauchsfall geht man demnach jetzt von 40 Opfern aus. Insgesamt wird gegen acht Tatverdächtige ermittelt, wobei es insgesamt 717 Ermittlungsspuren gibt. Dies gab Innenminister Reul bekannt.

    Lügde: "Machen einen super Job" – Innenminister spricht mit Polizei in Lippe

    Update: 28. März. Lügde – Heute besuchte NRW-Innenminister Herbert Reul die Polizei im Kreis Lippe. Mit seinen öffentlichen Aussagen über die Ermittlungsfehler im Fall Lügde zog Reul den Unmut der Beamten auf sich, die sich seitdem unter Generalverdacht gestellt sehen. Reul sprach immer wieder von Polizeiversagen und spöttelte: "Meine Oma hätte gemerkt, dass da was nicht stimmt"

    Die Töne nach dem heutigen Treffen klingen um einiges versöhnlicher. Reul wörtlich: "Ich war wirklich stark beschäftigt und angestrengt über die Fehler, die einzelne Polizisten in Lippe gemacht haben. Aber eines ist klar: Alle anderen, also der große Teil der Polizisten, die hier in Lippe arbeiten, machen einen super Job. Jeden Tag und jede Nacht."

    Das Treffen fand im Detmolder Kreishaus statt. Es nahmen 350 Polizisten teil. Was genau besprochen wurde, darüber wolle man keine Angaben machen: "Das bleibt unter uns." Jedoch sagte der Innenminister, er habe tolle Polizistinnen und Polizisten erlebt, auf die die nordrhein-westfälische Regierung stolz sein könne. Einem Generalverdacht gegenüber der Polizei wegen des Skandals in Lügde wollte Reul also entgegenwirken.

    Auch Axel Lehmann, Landrat des Kreises Lippe, zog ein positives Fazit: "Diese Veranstaltung war notwendig und gegenseitiges Verständnis gebracht."

    Missbrauch in Lügde: Landrat entschuldigt sich für Fehler des Jugendamtes

    Erstmeldung: 19. März. Lügde – Pressekonferenz in Hameln: Wie die Detmolder Staatsanwaltschaft angibt, dauern die Ermittlungen gegen das Jugendamt noch an. Bisher hatte sich das Jugendamt noch nicht zu dem Fall äußern können, heißt es, da die Akten über den Fall Lügde bei der Staatsanwaltschaft lagen. Doch nun sind die Akten zurück und Tjark Bartels, Landrat des Kreises Hameln-Pyrmont, muss Fehler eingestehen.

    Bartels gibt zu, dass die Hinweise, die dem Kinderschutzbund bereits 2016 gegeben wurden, auch dem Jugendamt bekannt waren. Die Unterlagen zeigen daneben jedoch noch weitere Meldungen. So äußerte die damalige Kindergarten-Psychologin der Pflegetochter bereits einen Verdacht auf Pädophilie des Mannes aus Lügde..

    Eine Mitarbeiterin, die nachträglich einen Eintrag aus der Akte löschte, wurde entlassen. Die Frau wollte dadurch frühe Hinweise auf die pädophilen Neigungen von Andreas V. vertuschen. Der Landkreis gab an, von der Löschung nichts gewusst zu haben und erst durch die Ermittlungen in Lügde darauf aufmerksam geworden zu sein.

    Am Ende entschuldigte sich Landrat Bartels bei den Opfern aus Lügde dafür, dass das Jugendamt den Hinweisen nicht ausreichend nachgegangen sei. " Wir entschuldigen uns ausdrücklich bei denjenigen, die dadurch Leid erlitten haben."

    Missbrauch in Lügde: Der Fall zusammengefasst

    Auf einer Pressekonferenz am 30. Januar legten Polizei und Staatsanwaltschaft erste Informationen dar. Es wurde bekannt gegeben, dass sie eine Ermittlungskommission mit dem Namen "Camping" eingerichtet haben. In einem Zeitraum von 10 Jahren (2008 bis 2018) soll es zu den Übergriffen in Lügde gekommen sein. Mindestens 23 Kinder sollen sexuell missbraucht worden sein. Außerdem ermitteln die Beamten wegen der Herstellung und Verbreitung kinderpornografischen Materials:

    • Mehr als 1.000 Einzeltaten festgestellt 
    • 34 Opfer (Zahl könnte noch steigen) 
    • Kinder waren zwischen 4 bis 13 Jahre alt 
    • 3 Millionen Bilder und mehr als 96.000 Videos mit kinderpornografischem Material sichergestellt 
    • Drei Verdächtige festgenommen

    Besonders brisant ist die Tatsache, dass dem Hauptverdächtigen Andreas V. aus Lügde (56) eine Pflegetochter zugesprochen wurde, obwohl es bereits 2016 Hinweise auf pädophile Praktiken bei dem Mann gab. Auch an seiner Pflegetochter soll er sich vergangen haben. Durch das Mädchen stellte V. auch Kontakt zu späteren Opfern her. Sowohl der Polizei als auch dem zuständigen Jugendamt wird nun schweres Behördenversagen vorgeworfen. Wer wusste von den Taten? Warum wurde nichts unternommen?

    Der Missbrauch in Lügde hat erschreckende Ausmaße angenommen.

    Im Laufe der Ermittlungen wurden immer weitere Skandale und Versäumnisse innerhalb der Polizei Lippe öffentlich. Besonders schlimm: Ein Koffer mit Beweismaterial (155 CDs) verschwand spurlos. Das Jugendamt Hameln muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass in diesem Fall aus Lügde nachträglich Akten manipuliert wurden. Innenminister Reul sagte dazu: "Das ist Behördenversagen an allen Ecken und Kanten". Zwischenzeitlich wurde auch gegen Polizei und Jugendamt ermittelt.

    Lesen Sie auch: Unweit von Lügde wurde ein kleines Mädchen von einem Mann gepackt. Der Unbekannte wollte das Kind mitnehmen.

    Aufgrund der vielen empörenden Ungereimtheiten innerhalb der ermittelnden Behörden, kam es auch zu umfassenden personellen Konsequenzen. So enthob Innenminister Reul bereits den Chef der Kriminalpolizei und den Direktor der Polizei Lippe von ihren Aufgaben. Die Ermittlungen dauern noch an und konzentrieren sich vor allem auf die Sichtung der enormen Menge an Beweismaterial aus Lügde. Diese führt nicht nur dazu, dass die Anzahl der bekannten Opfer stetig steigt, sondern auch dazu, dass bereits drei Polizeibeamte dienstunfähig wurden.

    >Eine detaillierte Darstellung aller Ereignisse in dem schockierenden Fall finden sie in unserem Newsticker zum Missbrauch in Lügde.<

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