„Boystown“

Ermittler zerschlagen Kinderporno-Netzwerk: Haupttäter aus OWL

Ein internationaler Erfolg: Die Darknet-Plattform „Boystown“, auf der mit kinderpornografischen Dateien gehandelt wurde, konnte zerschlagen werden. Der Hauptbetreiber kommt aus dem Kreis Paderborn.

Paderborn – Es handelte sich um eine der weltweit größten Handelsplattformen für Kinderpornografie: „Boystown“ soll weltweit rund 400.000 Mitglieder gehabt haben. Nun ist es Ermittlern in einer international agierenden Taskforce gelungen, die Plattform zu zerschlagen und die hauptverantwortlichen Betreiber zu verhaften.

Wie die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) dem ARD-Hauptstadtstudio gegenüber bestätigte, waren die vier Hauptbeschuldigten bereits Mitte April verhaftet worden. Die Ermittlungen, die vom Bundeskriminalamt übernommen wurden, dauern zurzeit noch an.

StadtPaderborn
Einwohner151.633
BundeslandNRW

Online-Marktplatz für Kinderpornografie: Hauptbeschuldigter aus dem Kreis Paderborn

Bei den vier angeklagten Männern handelt es sich um einen 40-Jährigen aus dem Kreis Paderborn, einen 49-Jährigen aus dem Landkreis München, einen 54-jährigen Deutschen mit Sitz in Paraguay und einen 64-Jährigen aus Hamburg. Letzterer war, anders als die anderen drei, kein Betreiber von „Boystown“ jedoch eines der aktivsten Mitglieder auf dem digitalen Marktplatz für Kinderpornografie. Er allein soll laut den Ermittlern etwa 3.500 Darstellungen dort geteilt haben. Gegen den in Paraguay lebenden Betreiber wurde ein internationaler Haftbefehl erlassen, sodass er bald nach Deutschland ausgeliefert werden soll.

Auf „Boystown“ wurden hauptsächlich Missbrauchsdarstellungen an Jungen unterschiedlichen Alters ausgetauscht, darunter auch schwerste Missbrauch von Kleinkindern. Unmittelbar nach der Festnahme wurde die kinderpornografische Plattform von den Ermittlern abgeschaltet. Für den Erfolg war eine auf deutsche Initiative ins Leben gerufene internationale Taskforce verantwortlich, die von Europol begleitet und koordiniert wurde. Beteiligt waren Ermittler aus Schweden, den USA, Australien und Kanada.

Kinderpornografie-Netzwerk aufgeflogen: Ermittler durchsuchten Wohnungen in NRW, München und Hamburg (Symbolbild).

Mann aus Kreis Paderborn betrieb riesige Handelsplattform für Kinderpornografie

„Boystown“ wurde von den drei Männern um den 40-Jährigen aus dem Kreis Paderborn seit mindestens 2019 betrieben und gilt als einer der weltweit größten Handelsplätze. Zum Vergleich: Die Kinderpornografie-Plattform „Elysium“, die 2017 hochgenommen wurde, hatte 111.000 Nutzer und galt damals ebenfalls als eine der größten ihrer Art. Die Betreiber wurden damals zu drei Jahren und zehn Monaten und zehn Jahren und neun Monaten Haft verurteilt.

Die Server für „Boystown“ befanden sich in der Republik Moldau (Moldawien). Die Betreiber sollen den Mitgliedern auf der Plattform Tipps gegeben haben, wie man sicher surfen könne, ohne erwischt zu werden. Auch anderer Stelle in Ostwestfalen* kam kürzlich ein schockierender Fall von Kindesmissbrauch ans Licht: Vor dem Landgericht Bielefeld läuft ein Prozess gegen eine Mutter, die ihre achtjährige Tochter zum Missbrauch angeboten haben soll. (*msl24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA)

Rubriklistenbild: © dpa / Marcel Kusch

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