Nach mehreren Sichtungen

"Wir werden mit dem Wolf leben müssen": Bürgerversammlung gut besucht

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In OWL häufen sich Wolf-Sichtungen.

 Nach Wolf-Sichtungen: Landesregierung erklärt die Senne offiziell zum Wolfsgebiet. Die bringt Vorteile für Tierhalter. 

Kreis Gütersloh/Kreis Höxter/Bielefeld/Schloß Holte-Stukenbrock – Das Landesamt für Natur Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) hat am 3. Juli die Sichtung eines frei lebenden Wolfes in OWL bestätigt. Ein Autofahrer konnte bei Höxter mit seinem Handy Fotos des Tieres machen, welches nun als Wolf identifiziert wurde. Damit ist dies die erste Sichtung eines wilden Exemplars in dieser Region seit 2009.

Infoabend zum Thema "Wolf" gut besucht

Update: 29. Januar. Die Bezirksregierung Detmold lud gestern zu der Infoveranstaltung "Wolfsgebiet Senne" in Schloß Holte-Stukenbrock. Mit rund 400 Teilnehmern war der Infoabend gut besucht. Viele Halter von Schafen oder anderen Tieren konnten ihre Bedenken und Ängste äußern. Anwesende Experten des Umweltministeriums informierten über Hilfeleistungen und Möglichkeiten. Besonders blieb folgender Satz von Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl hängen: "Wir werden mit dem Wolf leben müssen."

Bezirksregierung Detmold lädt zu Infoveranstaltung

Update: 28. Januar. Damit alle Fragen der Bürger beantwortet werden können, lädt die Bezirksregierung Detmold zu einer Infoveranstaltung:

  • Wann? 28. Januar, 17 Uhr
  • Wo? Aula des Gymnasiums Schloß Holte-Stukenbrock, Holter Straße 155
Anwesend sind unter anderem Vertreter des Landesumweltministeriums, der Bezirksregierungen Münster und Detmold sowie der NRW-Landwirtschaftskammer:
  • Dr. Matthias Kaiser, Fachbereich 24 Artenschutz des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes NRW 
  • Christian Stang, Referat III-4 Artenschutz des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW 
  • Lutz Kunz, Leiter der Abteilung Umwelt der Bezirksregierung Detmold 
  • Britta Kraus, Dezernat 51 Natur- und Landschaftsschutz der Bezirksregierung Münster 
  • Brigitte Bremer und Christoph Gurny, Dezernat 51 Natur- und Landschaftsschutz der Bezirksregierung Detmold 
  • Wiebke Mohrmann, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen

Senne in OWL ist nun Wolfsgebiet

Nach mehreren Sichtungen von mindestens zwei Wölfen im Bereich der Senne ergreift die Landesregierung NRW nun Maßnahmen. Ein etwa 900 km² großes Areal in den Regionen Lippe, Höxter, Paderborn, Gütersloh und Bielefeld wurde offiziell zu Wolfsgebiet erklärt. 

Dies bringt Vorteile mit sich: 

Tierhalter und Landwirte mit Nutztieren können durch diese Maßnahme Fördergelder erhalten, um ihre Tiere zu schützen. So können zum Beispiel Hütehunde oder Elektrozäune beantragt werden. Zusätzlich erhalten Besitzer, deren Tiere von einem Wolf gerissen wurden, Entschädigungen vom Land NRW.

Das Wolfsgebiet Senne in OWL.

Update aus OWL: Es war tatsächlich ein Wolf

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz konnte anhand von Speichelproben nachweisen, dass auf dem Truppenübungsplatz in Senne tatsächlich eine Wölfin drei Schafe verletzt beziehungsweise getötet hat. Nach den Untersuchungen sei ein Irrtum ausgeschlossen, heißt es. Der Vorfall ereignete sich bereits im September. Die Wölfin wurde erstmals im Juli dort gesichtet. 

Vermehrte Wolf-Sichtungen in OWL

Am 8. Juli wurde ein weiteres Tier gesichtet. Ein Mitglied des Bundesforstbetriebs Rhein-Weser entdeckte auf dem Truppenübungsplatz in Senne einen Wolf und fotografierte ihn. Das LANUV hat dies bestätigt.

Mittlerweile (Stand 4. Oktober) konnte eine weitere Sichtung in OWL in der Gemeinde Schloß Holte-Stukenbrock im Kreis Gütersloh bestätigt werden. Ein Foto, welches am 23. September mit einer Wildkamera aufgenommen wurde, konnte mittlerweile ausgewertet werden. Das Ergebnis: Es handelt sich eindeutig um einen Wolf.

Kurz nach dem Bild-Nachweis in Schloß Holte-Stukenbrock wurden am 26. September in der Nähe zwei Schafe verletzt. In Bad Lippspringe wurde nur einen Tag später ein totes Schaf gefunden. Durch genetische Untersuchungen der Speichelproben hat das LANUV nun (Stand 6. November) bestätigt, dass es sich in beiden Fällen in OWL um den Angriff eines Wolfs handelte. Ob es sich in beiden oder einem der Fälle um das Tier handelt, das zuvor fotografiert wurde, wird noch geprüft.

In diesen Bereichen in OWL gab es bereits Sichtungen.

Der Wolf war ausgerottet – auch in OWL

Mittlerweile ist die Jagd auf Wölfe in OWL und ganz Deutschland verboten. Aus gutem Grund:

Der Wolf wurde im 19. Jahrhundert in nahezu allen Regionen vor allem durch menschliche Bejagung stark dezimiert, in West- und Mitteleuropa fast vollständig ausgerottet. Seit Ende des 20. Jahrhunderts steht der Wolf unter internationalem Schutz und die Bestände erholen sich teilweise“, sagt Dr. Matthias Kaiser, Leiter der beim LANUV angesiedelten Arbeitsgruppe "Wolf in NRW".

Letzter Wolf in NRW 1835 erlegt

Bevor der Wolf unter Schutz gestellt wurde, wurde er bis zur Ausrottung gejagt. Die letzte dokumentierte Erlegung im Gebiet des heutigen Nordrhein-Westfalen fand 1835 in Ascheberg-Herbern statt. Im Rheinland sogar bereits Ende des 18. Jahrhunderts.

Was tue ich, wenn ich einen Wolf sehe?

Zunächst einmal: Keine Panik. Aus den letzten Jahrzehnten sind keine Angriffe von gesunden, frei lebenden Tieren auf Menschen dokumentiert – weder in OWL noch anderswo. Die Tiere sind sehr scheu. Sollte es dennoch zu einer Begegnung kommen, sollte folgendes beachtet werden:

  • Nicht versuchen, die Tiere anzufassen oder zu füttern
  • Nicht weglaufen, sondern stehen bleiben
  • Langsam zurückziehen, wenn man den Abstand vergrößern will
  • Man kann einen Wolf vertreiben, indem man ihn laut anspricht, in die Hände klatscht und mit den Armen winkt
  • Meldungen über Sichtungen nimmt das LANUV unter der 02361/305-0 entgegen. Außerhalb der Geschäftszeiten und an den Wochenenden unter der 0201/714488.

Wer sich gerne ein Bild von einem echten Wolf machen möchte, sollte einmal im Tierpark Olderdissen, wo das Rudel gerade Nachwuchs bekommen hat, oder einem anderen Tierpark in OWL vorbeischauen. Dort gibt es unter anderem süße Geparden-Babys zu sehen

Da die scheuen Tiere unter Naturschutz stehen, sollte man sie lieber in Ruhe lassen. Andernfalls drohen hohe Geldstrafen.

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