Kampf um Arbeiter im Kreis Gütersloh

„Kein besonders freundlicher Akt“: Amazon wirbt Tönnies-Mitarbeiter ab

Im Kreis Gütersloh kommt es derzeit zum Kampf um Arbeitskräfte zwischen zwei Platzhirschen der Region. Amazon versucht für sein Logistikzentrum in Oelde Arbeiter von Tönnies abspenstig zu machen.

  • Tönnies ist der größte Arbeitgeber im Kreis Gütersloh.
  • Mitte Juni eröffnete Amazon ein neues Logistikzentrum in Oelde.
  • Dies war der Startschuss für einen Wettbewerb um Arbeitskräfte.

Gütersloh – „Du suchst einen neuen Job? Bewirb dich bei uns!“ – so steht es auf den Flyern, die seit Juli in vielen Briefkästen im Kreis Gütersloh liegen. Der Absender: Der amerikanische Online-Riese Amazon. Dieser eröffnete Mitte Juni ein neues Logistikzentrum in Oelde (Kreis Warendorf), wo bereits knapp 1000 Mitarbeiter beschäftigt sind. Doch es sollen mehr werden.

Weitere 500 Arbeitskräfte sucht Amazon für den Versand. Und um diese zu bekommen, werden alle Register gezogen: Plakate, Radio und Website werben bereits für den neuen Arbeitsplatz. Dazu kommen die Flyer. Das Problem: Keine 20 Minuten entfernt hat Tönnies, der größte Arbeitgeber der Region, seinen Standort in Rheda-Wiedenbrück (Kreis Gütersloh). Klar, dass es hier zu Interessenskonflikten kommt.

FirmaTönnies Holding
ZentraleRheda-Wiedenbrück
Mitarbeiterzahl9007 (2018)
RechtsformApS & Co. KG
Gründung1971
TochterunternehmenZur-Mühlen-Gruppe (unter anderem)

Kreis Gütersloh: Tönnies nicht begeistert von Amazons Vorgehen

Offenbar gab es seitens Amazon in der letzten Zeit „direkte Abwerbeversuche“ am Hauptsitz von Tönnies im Kreis Gütersloh. Unter anderem wurden dort Flugblätter verteilt und konkrete Angebote gemacht. Ein Sprecher betonte gegenüber dem Handelsblatt, dass ein solches Vorgehen „weder für andere Arbeitgeber noch für uns ein besonders freundlicher Akt“ sei.

Amazon will Tönnies Arbeiter abwerben.

Der krisengeplagte Schlachtbetrieb aus dem Kreis Gütersloh steht damit vor einem weiteren Problem. In den vergangenen Monaten war Tönnies nach einem Massenausbruch des Coronavirus schwer in die Kritik von Bürgern und Politik geraten. Daraufhin stand der Fleischfabrikant unter besonderer Beobachtung. Daraus resultierte eine grundlegende Änderung der Arbeitsstrukturen bei Tönnies*. Werkverträge in der Fleischindustrie sollen verboten werden. Tönnies muss sich also fortan selbst um die Einstellung seiner Arbeiter kümmern.

Kampf um Arbeiter im Kreis Gütersloh: Tönnies gegen Amazon

Die bisherige Methodik war für Tönnies bequem: Subunternehmer stellten Arbeiter aus Osteuropa an und vermittelten sie weiter in den Kreis Gütersloh. Mit dem neuen Verbot ist das nicht mehr so einfach. Und Tönnies sieht sich plötzlich auf dem Arbeitsmarkt starken Konkurrenten wie Amazon gegenüber.

Clemens Tönnies selbst behauptete in einem Interview mit dem WB, dass das System der Werkverträge nicht allein in seinem Unternehmen bestände. Im Falle einer Änderung befürchte er „eine nicht unerhebliche Abwanderung [...] von Mitarbeitern, die das System des Werkvertragsarbeiters weitermachen wollen. Ich sehe die Leute dann bei Amazon, der Meyer-Werft oder anderen Branchen.Amazon hingegen lässt verlauten, dass es an dem Standort keine Werkverträge gebe und alle Mitarbeiter direkt angestellt seien.

Auch Amazon ist nicht für besonders gute Arbeitsbedingungen bekannt. Ob es dem Online-Riesen also gelingt, Fleischfabrikant Tönnies aus dem Kreis Gütersloh die Arbeitskräfte in großem Stil streitig zu machen, wird sich zeigen. Aktuell wird überprüft, ob Clemens Tönnies‘ Villa im Kreis Gütersloh Ziel eines Brandanschlags werden sollte. Entsprechende Utensilien wurden nahe dem Haus gefunden. (*Wa.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes)

Rubriklistenbild: © INA FASSBENDER/Bildmontage

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