Schlachtbetrieb eingestellt

Coronavirus bricht bei Tönnies aus: Lockdown in Gütersloh durchgesetzt

Im Kreis Gütersloh breitet sich das Coronavirus aus. Über 1500 Infizierte gibt es. Armin Laschet verhängte den Lockdown für die Region.

  • Beim Tönnies-Konzern in Rheda-Wiedenbrück sind über 1500 Fleischarbeiter mit dem Coronavirus infiziert. 
  • NRW-Ministerpräsident Armin Laschet hat den Lockdown verhängt.
  • Mobile Test-Teams haben weitere Infektionen festgestellt.

Update: 25. Juni, 12.07 Uhr. Im Kreis Gütersloh werden die Menschen massenhaft auf das Coronavirus getestet. Einige Proben wurden bereits ausgewertet. Die meisten Ergebnisse sind bislang überwiegend unauffällig. Einen bestätigten Fall, der nichts mit dem Fleischkonzern Tönnies zu tun haben soll, wurde jedoch bestätigt, berichtet der WDR. 

Anfang Juli gelang einem Expertenteam in Ostwestfalen-Lippe nun bei der Bekämpfung des Erregers SARS-CoV-2 ein Erfolg: In Bielefeld (NRW) haben Forscher der Universität einen neuen Corona-Schnelltest entwickelt, der bereits nach 16 Minuten ein Ergebnis bringen soll. Eine Einrichtung in der Stadt musste außerdem am Mittwoch (8. Juli) wegen Covid-19 geschlossen werden: In Bielefeld-Brackwede wurde in der Kita Brock ein Kind positiv auf das Coronavirus getestet und 77 Betroffene mussten sich in Quarantäne begeben.

Fleischkonzern

Tönnies

Zentrale 

Rheda-Wiedenbrück im Kreis Gütersloh

Mitarbeiterzahl

9007 (2018)

Gründung

1971

Die Coronavirus-Situation in den Krisengebieten könnte sich nun weiter verschärfen: In Gütersloh und Beckum (NRW) sind mehrere Tönnies-Arbeiter offenbar aus der Quarantäne verschwunden und nun wird eine weitere Ausbreitung des Coronavirus befürchtet. Nachdem Coronavirus-Ausbruch in zwei Landkreisen in NRW sorgt nun ein TV-Star mit einer TV-Aktion für Aufregung: Comedian Oliver Pocher hat sich für seine RTL-Show "Pocher - gefährlich ehrlich!" in Gütersloh als Clemens Tönnies ausgegeben und den Fleischkonzern auf die Schippe genommen. 

Update: 23. Juni, 11.00 Uhr. Nun ist es offiziell: NRW-Ministerpräsident Armin Laschet hat für den Kreis Gütersloh den Lockdown verhängt. Diese Maßnahme soll dazu dienen, sich genug Zeit zu verschaffen, um flächendeckende Tests durchzuführen. Der Lockdown soll vorerst bis zum 30. Juni gelten.

Dieser lokale Lockdown sei eine Neuheit in Deutschland und man müsse diese besondere Situation nun gemeinsam durchstehen. So gelten die Maßnahmen nur innerhalb der Region. Für Menschen, die aus dem Kreis Gütersloh kommen, sich aber außerhalb dessen befinden, gelten die Maßnahmen also nicht (Beispiel: Urlaub). Bei dem Thema appellierte Laschet an Urlaubs-Anbieter, Bewohner des Kreises nicht unter Generalverdacht zu stellen. Denn einige Vermieter hatten wegen der Corona-Gefahr bereits Urlaube von Menschen aus dem Kreis Gütersloh storniert.

Wegen des Corona-Massenausbruchs bei Tönnies, musste die NRW-Landesregierung die Reißleine ziehen: Nachdem der Lockdown für den Kreis Gütersloh verkündet wurde und der Krisenstabsleiter Thomas Kuhlbusch zusammengebrochen war, spitzt sich die Lage in dem Risikogebiet weiter zu. Eine Übersicht aller neuen Maßnahmen im Kreis Gütersloh hat der WDR zusammengestellt.

Kreis Gütersloh: Über 1500 Infektionen bei Tönnies

Update: 23. Juni, 8.30 Uhr. Die Situation spitzt sich zu: Die bestätigten Fälle von Coronavirus-Infektionen bei Mitarbeitern von Tönnies in Rheda-Wiedenbrück stiegen jüngst auf über 1500 an. Doch noch immer zögern die Verantwortlichen den Lockdown heraus. Während der Landrat des Kreises Gütersloh, Sven-Georg Adenauer (CDU) in einer Pressekonferenz am Montag (22. Juni) sagte, dass es nach Lockdown "rieche", sind andere zurückhaltender.

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann merkte an, dass es aufgrund der tausenden Tönnies-Mitarbeiter, die unter Quarantäne gesetzt wurden, im Kreis Gütersloh bereits zu einer Art Lockdown gekommen sei. Die Wiedereinführung der Kontaktbeschränkungen sei möglich, so starke Restriktionen wie im März werde es aber nicht geben.

Am heutigen Dienstag (23. Juni) wird sich der NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) gegen 10.30 Uhr in einer Pressekonferenz zur Corona-Lage in NRW und besonders im Kreis Gütersloh äußern. Karl Lauterbach von der SPD hat eine klare Meinung zum Vorgehen in der Tönnies-Krise und kritisiert die Verantwortlichen scharf: 

Derweil 

Coronavirus-Ausbruch bei Tönnies im Kreis Gütersloh: Laschet gegen Lockdown

Update: 22. Juni, 8.30 Uhr. Die Lage im Kreis Gütersloh verschärft sich. Mittlerweile sind die Corona-Tests der Tönnies-Mitarbeiter abgeschlossen. 6139 Tests wurden durchgeführt, davon liegen bereits 5899 Ergebnisse vor:

  • Positiv: 1331 (22,6 Prozent)
  • Negativ: 4568 (77,4 Prozent)

Es hat sich gezeigt, dass die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Tönnies-Mitarbeiter im Bereich Fleisch-Zerlegung deutlich höher ist als in übrigen Abteilungen des Betriebes. 

Derweil sieht NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) noch keinen Grund für einen regionalen Lockdown. Seine Entscheidung begründet er damit, dass das Virus von den Tönnies-Mitarbeitern noch nicht auf die Bevölkerung des Kreises Gütersloh übergesprungen sei. Laschet machte jedoch deutlich, dass er einen Lockdown nicht ausschließe.

Im gesamten Kreis Gütersloh stehen nun gratis Coronavirus-Tests für die Bürger zur Verfügung. Bezahlt werden diese von Tönnies selbst. Der Schlachtbetrieb steht momentan still. Dies soll noch für mindestens zwei Wochen so bleiben. Derweil wurden auch in Bielefeld gemeldete Tönnies-Mitarbeiter unter Quarantäne gesetzt. Doch nicht alle scheinen sich daran zu halten.

Coronavirus im Kreis Gütersloh: Infektionswelle bei Fleischverarbeiter Tönnies in Rheda-Wiedenbrück.

Wie die WN berichtet, bot Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe dem Kreis Gütersloh derweil Hilfe an: "Die Stadt Münster hat bereits Infektions-Scouts entsandt und ist in Gesprächen, um auch intensivmedizinische Versorgungskapazitäten und Testkapazitäten anbieten zu können", sagte Lewe am Wochenende und ergänzt: "Wenn wir helfen können, steht Münster bereit." Infektions-Scouts helfen dabei, Kontaktpersonen von Coronavirus-Infizierten zu ermitteln und zu informieren. Dadurch lassen sich Infektionsketten nachvollziehen und die Ausbreitung verlangsamen.

Coronavirus im Raum Gütersloh: Anzeige gegen Tönnies

Rheda-Wiedenbrück/Bielefeld – Ab dem heutigen Freitag (19. Juni) sollen auch die letzten Bänder bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück stillgelegt werden. Nachdem bei dem Unternehmen das Coronavirus ausgebrochen war, musste der Kreis Gütersloh handeln. Sämtliche Schulen und Kitas sind wieder geschlossen worden. Die Bielefelder Grünen-Politikerin und Bundestagsabgeordnete Britta Haßelmann erstatte nun Anzeige gegen den Konzernchef Clemens Tönnies (64).  

Coronavirus in Rheda-Wiedenbrück (NRW): Druck auf Clemens Tönnies nimmt zu 

In dem Schlachtbetrieb in Rheda-Wiedenbrück ist die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Tönnies-Mitarbeiter weiter gestiegen. Inzwischen sind mindestens 730 Personen an Covid-19 erkrankt.  1.106 Tests wurden nach Angaben des Betriebs bislang durchgeführt. Der Druck auf den Konzernchef wächst. Zuletzt hatte der Neffe von Clemens Tönnies seinen Rücktritt gefordert und auch die Eltern und Kinder im Kreis Gütersloh sind wütend auf den 64-Jährigen. Cartoonist Ralph Ruthe verfasste einen Instagrampost zu den Ereignissen. 

Die Folgen des Corona-Massenausbruchs bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück scheinen bislang noch gar nicht absehbar zu sein. Nicht nur in Gütersloh, sondern auch in anderen NRW-Städten sind die Auswirkungen nun spürbar. In Bielefeld sind fünf Bewohner einer kleineren Sammelunterkunft positiv auf das Virus getestet worden. Es handelt sich größtenteils ebenfalls um Tönnies-Angestellte. Die Tochter eines Arbeiters, die das Westfalen Kolleg besucht, erkrankte ebenfalls. Die Mitschüler können sich nun testen lassen. Alle Personen befinden sich in Quarantäne. Auch in Hamm wurden mehrere Schulklassen in Quarantäne geschickt. 

Bundestagsabgeordnete Britta Haßelmann aus Bielefeld stellt Strafanzeige gegen Clemens Tönnies 

Clemens Tönnies ist bislang nicht positiv auf das Coronavirus getestet worden. Dem Gesellschafter des größten Schlachtbetriebs in Deutschland bleibt die Quarantäne somit zunächst erspart, teilte Konzernsprecher André Vielstädte am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mit. Über 5.000 Tests stehen offenbar noch aus. 

Die Bundestagsabgeordnete Britta Haßelmann aus Bielefeld hat nach eigenen Angaben nun Strafanzeige wegen Körperverletzung gegen Clemens Tönnies gestellt. Das teilte die Grünen-Politikerin via Twitter mit. "Das Ausmaß der infizierten Beschäftigten und der große Ausbruch erklären sich nur durch eine massive Nicht-Einhaltung von Arbeitsschutzstandards", hieß es. Nachdem sich bei der Firma Tönnies in Rheda-Wiedenbrück zahlreiche Angestellte mit dem Erreger infiziert haben, steht der Kreis Gütersloh vor einer großen Herausforderung. Die Bundeswehr unterstützt nun bei den anstehenden Coronavirus-Tests. 

Am vergangenen Wochenende (27./28. Juni) wurden zwei Personen aus einem Corona-Hotspot überlelst beleidigt und bedroht: Eine Mutter und ihre Tochter aus Gütersloh wurden in ihrem Wagen mit GT-Kennzeichen in Münster angefeindet und mussten von der Polizei sicher aus der Stadt gebracht werden.

Die Skandal-Aufnahmen bei Deutschlands größten Fleischkonzern werfen weiterhin fragen auf: Die Urheberin des Tönnies-Videos im Kreis Gütersloh wurde gekündigt, doch die Frau wehrt sich nun gegen ihre Entlassung und zieht vor das Arbeitsgericht in Bielefeld.

Das Verschwinden eines 35-jährigen Mannes sorgt in der Stadt seit Sonntag (5. Juli) ebenfalls für Aufmerksamkeit: Nachdem der vermisste Marco R. aus Gütersloh spurlos verschwand, starte seine Schwester einen Suchaufruf bei Facebook, der tausendfach geteilt wurde.

Ein Freizeitpark in NRW hat sich eine nie da gewesene Rabatt-Aktion überlegt: Das Safariland Stukenbrock in Schloß Holte-Stukenbrock (Kreis Gütersloh) bedankt sich bei den Corona-Helfern mit einer großzügigen Aktion und lädt einige Berufsgruppen kostenlos in den Wildlife-Zoo ein.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/David Inderlied

Kommentare