Tillman's in Rheda-Wiedenbrück

Nach Corona-Skandal: Tönnies-Tochter nimmt Betrieb wieder auf

Ein kritischer Schritt im Kreis Gütersloh: Nach dem Corona-Skandal bei Tönnies darf nun die erste Tochterfirma des Metzgereibetriebes wieder öffnen.

  • Im Metzgereibetrieb Tönnies kam es vor Wochen zu einem massenhaften Corona-Ausbruch.
  • Das Werk musste geschlossen werden.
  • Nun darf der erste Teilbetrieb im Kreis Gütersloh wieder aufgenommen werden. 

Update: 16. Juli. Seit dem heutigen Donnerstag dürfen die Mitarbeiter von Deutschlands größtem Schlachtunternehmen wieder arbeiten: Im Kreis Gütersloh hat der Fleischkonzern Tönnies aus Rheda-Wiedenbrück (NRW) seinen Betrieb wieder aufgenommen und Landrat Sven Georg Andenauer geriet in die Kritik, weil er nach Auffassung der SPD-Mitglieder etwas verschweige. 

Zudem hagelte es kürzlich Kritik von Tierschützern: Ein Video solle Tierquälerei bei einem Tönnies-Zulieferer aus dem Kreis Gütersloh belegen. Das Tierschutzbüro veröffentlichte die Aufnahmen, die zum Teil schwer verletzte Schweine zeigen sollen.

Tochterunternehmen von Tönnies (Kreis Gütersloh) fährt wieder hoch

Erstmeldung: 14. Juli. Gütersloh – Langsam aber sicher nimmt der größte Fleischereibetrieb Deutschlands die Arbeit wieder auf. Vorerst beschränkt sich Tönnies jedoch auf die Tochterfirma "Tillman's Convenience". 

Theo Mettenborg, Bürgermeister von Rheda-Wiedenbrück, hat in Abstimmung mit Land, Bezirksregierung und dem Kreis Gütersloh beschlossen, dass die Schließungsverfügung gegen Tönnies teilweise aufgehoben wird. Neben Tillman's werden auch weitere Teilbereiche wieder öffnen: Die Verwaltung, die DRK-Kita auf dem Werksgelände, die technischen Dienste und das Logistikzentrum.

Kreis Gütersloh/NRW
Einwohner364.938 
KreisstadtGütersloh
Fläche969,21 km2
LandratSven-Georg Adenauer

Aktuell wird überprüft, ob Clemens Tönnies‘ Villa im Kreis Gütersloh Ziel eines Brandanschlags werden sollte. Entsprechende Utensilien wurden nahe dem Haus gefunden.

Öffnung von Tönnies-Betrieb: Strenge Corona-Auflagen für Mitarbeiter

Die Entscheidung, Tillman's wieder in Betrieb zu nehmen, fiel unter der Voraussetzung, dass sich alle knapp 2000 Mitarbeiter der Tönnies-Tochter im Kreis Gütersloh an strenge Corona-Hygienevorschriften halten müssen. Dazu gehören auch Filter in den Klimaanlagen, die von Experten gefordert und am Montag (13. Juli) verbaut wurden. 

Doch die Liste der Auflagen ist lang. Unter anderem hängen nun zwischen den Arbeitern Vorhänge, um einen Mindestabstand zu gewährleisten. Hinzu kommen unter anderem folgende Maßnahmen: 

  • Zweimal wöchentlich müssen sich alle Arbeiter auf das Coronavirus testen lassen. 
  • Die Wohnorte und die Arbeitswege werden verschärft kontrolliert. 
  • Alle Beschäftigten werden in den Hygienemaßnahmen geschult.
  • Maskenpflicht in allen Gebäuden.
  • Regelmäßige Kontrollen in höherer Frequenz als zuvor.
  • Alle Maßnahmen zur schrittweisen Öffnung bei Tönnies hat die Stadt Rheda-Wiedenbrück (Kreis Gütersloh) zusammengefasst
Nicht nur im Kreis Gütersloh in der Kritik: Clemens Tönnies.

Mittlerweile steht der Schlachtbetrieb vor einem neuen Problem: Amazon will Tönnies die Mitarbeiter streitig machen.

Tönnies nach Corona-Skandal in starker Kritik

Auch, wenn Tönnies den Betrieb nun langsam wieder aufnehmen darf, so hat der massenhafte Corona-Ausbruch in dem Unternehmen Spuren hinterlassen. Geschäftsführer Clemens Tönnies ist etwa nach dem Skandal als Aufsichtsratsvorsitzender beim FC Schalke 04 zurückgetreten. Auch der Lockdown im Kreis Gütersloh, der der Dienstleistungs- und Gastronomiebranche besonders wehtat, hat Groll gegen Tönnies geschürt.

Zusätzlich deckte jüngst eine RTL-Reportage auf, unter welchen Bedingungen die Mitarbeiter bei Tönnies leiden. Eine Frau brach vor der Kamera in Tränen aus.

Der jüngste Plan des Unternehmens, sich die Lohnkosten für die Quarantäne der Mitarbeiter erstatten zu lassen, schürt den Unmut umso mehr. Nicht nur die Bürger des Kreises Gütersloh, auch die Politiker sind sauer auf Tönnies. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) findet gegenüber dem WDR deutliche Worte und versichert, dass "alles so geprüft wird, das möglichst kein Geld fließt. Ich habe keinen Bock, dass ich Herrn Tönnies oder den Subunternehmern irgendwas überweise."

Derweil gehen die Coronazahlen im Land zurück, was auch viele neue Lockerungen nach sich zieht. Dennoch hat sich die Landesregierung NRW entschieden, die Maskenpflicht noch einmal zu verlängern. Kurz darauf gab es weitere Ansteckungen im Kreis: Bei Nobilia in Verl bei Gütersloh wurden neun Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet.

Nun steht der Fleischproduzent aus dem Kreis Gütersloh erneut in der Kritik: Tönnies lagerte offenbar Fleisch in einem von Ratten verseuchten Lagerhaus in Dissen. Derweil kommt es bei Tönnies im Kreis Gütersloh wieder zu vermehrten Coronavirus-Ausbrüchen. Außerdem haben Experten im Betrieb einen Superspreader entdeckt.

Rubriklistenbild: © Guido Kirchner/ dpa

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