Impfplan in NRW

Vorzeitig geimpft: Kritik an Polizeidirektor in Gütersloh

Dieses Kapitel der Coronapandemie bietet viele Reibungspunkte: Impfstrategie, Impfplan, Impstoffbeschaffung. Und nun die sogenannten „Impfvordrängler“, die außerplanmäßig eine Corona-Impfung erhalten. So geschehen auch kürzlich bei der Polizei in Gütersloh (NRW).

Gütersloh – Die Berichte über Politiker oder Geschäftsführer, die sich bereits gegen das Coronavirus* impfen lassen, obwohl sie nach dem aktuellen Impfplan noch nicht an der Reihe sind, häufen sich. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat solche Vorgehen bereits kritisiert*.

Auch wenn Jens Spahn mittlerweile eine mögliche Änderung des Impfplans angekündigt hat*, so gibt es doch eine festgelegte Reihenfolge, wer geimpft werden darf. Selbst wenn am Ende des Tages im Impfzentrum noch Dosen übrig sind, sollte das Protokoll eingehalten werden, so der Minister. Doch das ist oft leichter gesagt, als getan. In Gütersloh wurde solch eine Situation nun für einen Polizeidirektor unangenehm. Darüber berichtete zuerst das WB.

StadtGütersloh
Einwohner100.861
BundeslandNRW

Gütersloh (NRW): Vorgehen bei übrigegebliebenen Impfdosen

In den Impfzentren von OWL* bleiben fast täglich Impfdosen übrig – auch in Gütersloh. Meist liegt es daran, dass vergebene Termine aus unterschiedlichsten Gründen nicht wahrgenommen werden können. Für diese Fälle gibt es Regeln, die so auch in der Impfverordnung NRW zu finden sind. So dürfen übriggebliebene Impfdosen nur an Personen der gleichen Priorisierungsgruppe gehen. Aktuell ist dies die Gruppe der über 80-Jährigen (Gruppe 1).

Doch dieses Protokoll kann im Alltag der Impfzentren nicht immer eingehalten werden, wie der Ärztliche Leiter des Impfzentrums Gütersloh* bestätigt: „Wir kämpfen mit Händen und Füßen dafür, aber es funktioniert nicht immer.“ Zwar gibt es eine Ersatz-Liste mit über 80-jährigen Personen aus der Impfgruppe 1, doch auch diese sind nicht immer verfügbar. Bevor die Impfdosen also verfallen, sollten sie lieber an Mitglieder der Gruppe 2 gehen. Dazu gehören nicht nur Personen über 70, sondern auch einige Polizisten. Vor allem solche, die viele Personenkontakte haben (Streifenpolizisten, Hundertschaften u.ä.).

In vielen Impfzentren bleiben am Ende des Tages Dosen übrig. So auch im westfälischen Gütersloh (Symbolbild).

Polizeidirektor aus Gütersloh lässt sich impfen

Diese Rangliste einzuhalten, bemüht man sich auch bei der Polizei Gütersloh. Eine Sprecherin der Behörde sagt dazu: „Klar war, dass die operativen Kräfte mit Bürgerkontakten Vorrang haben sollten. Wir haben einen Koordinator in der Leitstelle bestimmt, der nach dem Anruf des Impfzentrums über die Entsendung von Polizisten entscheidet, denn natürlich darf die Einsatzbereitschaft nicht massiv eingeschränkt werden. Zumal ein Impftermin mit An- und Abfahrt 90 Minuten dauern kann.“

Der hätte die Impfung auf jeden Fall eher gebraucht als unser Chef.

Beamter der Polizei Gütersloh

Nach Angaben der Polizei Gütersloh sein man so auch vorgegangen, als das Impfangebot am Donnerstag (11. Februar) einging. Trotz der Reihenfolge blieben zwei Impfdosen übrig, die dann einem Polizeidirektor und einem weiteren Mitarbeiter verabreicht wurden. Kritik kommt nun aus den eigenen Reihen, denn ein Polizist mit Vorerkrankung aus dem nicht-operativen Bereich sei außen vor gelassen worden. „Der hätte die Impfung auf jeden Fall eher gebraucht als unser Chef“, sagte ein Beamter gegenüber dem WB.

Polizeichef Gütersloh und Gewerkschaft verteidigen Vorgehen bei Corona-Impfung

Der Polizeichef des Kreises Gütersloh, Christoph Ingenohl, sagte zu der Kritik am Impfvorgehen innerhalb der Behörde, dass es keine „umfassende Gerechtigkeit“ im Hinblick auf die Vergabe der Impftermine geben könne. Dennoch ist die Polizei Gütersloh aktuell die einzige in OWL, die bereits Impfungen erhalten hat. Andere Präsidien wie die in Bielefeld* oder Paderborn* gaben an, sich an die Reihenfolge halten zu wollen.

Die Gewerkschaft der Polizei begrüßt die Impfungen in Gütersloh* und bleibt diplomatisch. Patrick Schlüter, GdP-Vizevorsitzender in Ostwestfalen-Lippe: „Die Kollegen im Streifendienst sind genauso gefährdet wie Rettungssanitäter, die ja schon geimpft werden. Wir haben es mit Corona-Leugnern zu tun, wir werden bespuckt – da gönne ich jedem Kollegen die Impfung.“ (*Owl24.de und msl24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes.)

Rubriklistenbild: © Andrew Medichini/dpa

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