Kreis Gütersloh

Heimbewohner trinkt Desinfektionsmittel und stirbt: Ermittlungen gegen Pflegerin

In einem Pflegeheim des DRK in Schloß Holte-Stukenbrock (Kreis Gütersloh) trank ein dementer Bewohner Desinfektionsmittel – nun ist der Mann tot.

Gütersloh – Bereits am 29. Dezember 2020 erhielt die Polizei Gütersloh Informationen über einen 89-jährigen Mann, der in einem Pflegeheim des Deutschen Roten Kreuzes Desinfektionsmittel getrunken hatte und daraufhin schwer erkrankte. Laut Medienberichten hatte sich der an Demenz leidende Senior mit dem Coronavirus infiziert, weshalb in seinem Zimmer eine Flasche mit Desinfektionsmittel stand.

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Kreis Gütersloh: Pflegerin wird nach tödlichem Vorfall fahrlässige Tötung vorgeworfen

Der Heimbewohner wurde, nachdem er deutliche Vergiftungssymptome aufgewiesen hatte, direkt in das St.-Elisabeth-Hospital nach Gütersloh gebracht und kam auf die Intensivstation. Dort verstarb er laut einer gemeinsamen Mitteilung der Staatsanwaltschaft Bielefeld und der Kreispolizeibehörde Gütersloh am Mittwochmorgen (6. Januar) an den Folgen der Vergiftung.

Besonders brisant an dem Fall: Einer 50-jährigen Pflegerin aus dem Heim im Kreis Gütersloh wird nun fahrlässige Tötung vorgeworfen. Sie soll bereits gegen 3.30 Uhr in der Nacht auf den 29. Dezember bei einem Rundgang bemerkt haben, dass der Mann aus der Flasche mit dem Desinfektionsmittel getrunken hatte. Sie reagierte jedoch mutmaßlich falsch und alarmierte nicht den Rettungsdienst. Dies geschah erst Stunden später durch eine Mitarbeiterin der Frühschicht gegen 6 Uhr.

Kreis Gütersloh: Der verstorbene war an Corona erkrankt (Symbolbild).

Nach Todesfall im Kreis Gütersloh: DRK verurteilt Handeln der Pflegerin

Auch die Polizei Gütersloh und die Staatsanwaltschaft Bielefeld bestätigen, dass gegen die Pflegerin ermittelt wird: „[...] ergab sich der Anfangsverdacht eines fahrlässigen Tötungsdelikts durch Unterlassen gegen eine 50-jährige Mitarbeiterin der Einrichtung.“ In den kommenden Tagen soll der Leichnam des 89-jährigen Heimbewohners obduziert werden. Die Ermittlungen dauern weiterhin an.

Das DRK verurteilt das Verhalten der Pflegerin im Kreis Gütersloh, die nach dem Vorfall fristlos entlassen worden war. Dennis Schwoch, Vorstandssprecher des DRK-Kreisverbands, sagte bereits vor dem Tod des 89-Jährigen: „Für dieses folgenschwere Fehlverhalten der Mitarbeiterin fehlt uns jegliches Verständnis. Worte können nicht ausdrücken, wie sehr wir die Situation bedauern. Unsere Gedanken sind jetzt in dieser schweren Zeit bei unserem Bewohner und seinen Angehörigen. Unser größter Wunsch ist, dass der Mann bald gesund wird.“

Im benachbarten Bielefeld geben die aktuellen Corona-Zahlen Grund zur Beunruhigung: Durch einen Melderückstau über die Feiertage könnten die Zahlen noch einmal stark ansteigen.

Rubriklistenbild: © dpa / Aaron Chown

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