Arbeitsgericht verhandelt

Coronavirus in Gütersloh: Frau nach Tönnies-Video vor Gericht

Die Frau, die im Kreis Gütersloh mit ihrem Video die Zustände in der Fleischfabrik Tönnies aufdeckte, wurde vom Kantinenbetreiber gefeuert.

  • In Deutschlands größten Schlachtunternehmen Tönnies in Rheda-Wiedenbrück (NRW) ist das Coronavirus ausgebrochen. 
  • Mithilfe eines Videos wurden die Missstände in der Firma im Kreis Gütersloh aufgedeckt. 
  • Der Urheberin wurde nun gekündigt. 

Gütersloh – Das Arbeitsgericht in Bielefeld beschäftigt sich aktuell mit dem Coronavirus-Ausbruch beim Fleischkonzern Tönnies in Rheda-Wiedenbrück. Eine Arbeiterin, die mit ihrem Video aus einer Kantine die Missstände in dem Betrieb aufdeckte, wurde gekündigt. In der Verhandlung kämpft sie nun um ihren Arbeitsplatz. 

Kreis Gütersloh
Bevölkerung96.404 (Stand 2010)
Höhe75 Meter
Fläche112 Quadratkilometer
BürgermeisterHenning Schulz (CDU), geboren in Bielefeld

Seit Donnerstag (16. Juli) dürfen die Mitarbeiter von Deutschlands größtem Schlachtunternehmen wieder arbeiten: Im Kreis Gütersloh hat der Fleischkonzern Tönnies aus Rheda-Wiedenbrück (NRW) seinen Betrieb wieder aufgenommen und Landrat Sven Georg Andenauer geriet in die Kritik, weil er nach Auffassung der SPD-Mitglieder etwas verschweige. 

Zusätzlich deckte jüngst eine RTL-Reportage auf, unter welchen Bedingungen die Mitarbeiter bei Tönnies leiden. Eine Frau brach vor der Kamera in Tränen aus.

Skandal-Video bei Tönnies im Kreis Gütersloh (NRW) - Urheberin erhält Kündigung

In den vergangenen Tagen und Wochen sorgte der Fleischkonzern Tönnies für viele negative Schlagzeilen. Nachdem sich zahlreiche Menschen mit dem Coronavirus infiziert hatten, verkündete NRW-Ministerpräsident Armin Laschet für den Kreis Gütersloh den Lockdown. Außerdem tauchte ein skandalöses Video aus einer Kantine der Firma in Rheda-Wiedenbrück auf. Die Aufnahmen wurden von einer Frau, dessen Identität offenbar bis heute noch nicht feststeht, gemacht. 

Sie war bei einem Caterer aus Langenberg angestellt und demnach nicht direkt für das Unternehmen Tönnies tätig. Bereits im April wurde sie jedoch von ihrem Arbeitgeber aus dem Kreis Gütersloh gefeuert. Außerdem soll ihr Hausverbot erteilt worden sein, berichtete das WB am gestrigen Mittwoch (1. Juli). In dem Video fallen unter anderem folgende Sätze: "Das ist Tönnies. Wie sollen wir uns hier schützen?" Und in gebrochenem Deutsch: "Tausende Menschen an ein Tische." 

Mittlerweile steht der Schlachtbetrieb vor einem neuen Problem: Amazon will Tönnies die Mitarbeiter streitig machen.

Ermittlungen in Gütersloh: Wann entstand das Skandal-Video bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück? 

Die Frage wann das Skandal-Video bei Tönnies produziert wurde, konnte bislang noch nicht abschließend geklärt werden. Es wird gemunkelt, dass das Bewegtbild vor dem 22. März, also dem Tag als die Coronavirus-Abstandsregeln im Kreis Gütersloh in Kraft traten, aufgenommen wurde. Doch der TV-Sender "SWR" will herausgefunden haben, dass die Aufnahmen erst danach entstanden sind. Weitere Ermittlungen sollen den Sachverhalt aufklären. 

Die Macherin des Videos soll bereits zugegeben haben, die Aufnahmen im Internet veröffentlicht zu haben. Allerdings gab sie auch an, dass die Kommentare nicht von ihr stammen würden. Arbeitnehmer und Arbeitgeber im Kreis Gütersloh erzielten bereits einen ersten Vergleich. Sie einigten sich auf eine fristgerechte Kündigung und eine Abfindung. Doch dieser könnte nun wackeln. Jüngst steht der Fleischproduzent aus dem Kreis Gütersloh erneut in der Kritik: Tönnies lagerte offenbar Fleisch in einem von Ratten verseuchten Lagerhaus in Dissen.

Prozess in Bielefeld: Nach Skandal-Video – Ex-Tönnies-Arbeiterin will Job zurück

Die Urheberin versucht nun vor dem Arbeitsgericht Bielefeld ihre Kündigung rückgängig zu machen. Ihr neuer Anwalt hatte ihr dazu geraten den Vergleich zu widerrufen. Vor dem Arbeitsgericht in Bielefeld wird es deshalb nun zu einem Prozess kommen. Unterdessen wurde die Quarantäne für das Tönnies-Personal im Kreis Gütersloh, dass zum Teil spurlos verschwunden ist, bis zum 17. Juli verlängert. Über 1.000 Personen hatten sich im Zuge des Ausbruchs mit dem Coronavirus infiziert.

Bei Tönnies im Kreis Gütersloh wurden zahlreiche Coronavirus-Tests durchgeführt.

Nach dem Coronavirus-Ausbruch in zwei Landkreisen in NRW sorgte dann auch noch ein Promi mit einem umstrittenen TV-Auftritt für Aufregung: Comedian Oliver Pocher hat sich für seine RTL-Show "Pocher - gefährlich ehrlich!" in Gütersloh als Clemens Tönnies ausgegeben und den Fleischkonzern auf die Schippe genommen.

Das Verschwinden eines 35-jährigen Mannes sorgt in der Stadt seit Sonntag (5. Juli) ebenfalls für Aufmerksamkeit: Nachdem der vermisste Marco R. aus Gütersloh spurlos verschwand, starte seine Schwester einen Suchaufruf bei Facebook, der tausendfach geteilt wurde.

Derweil ist der Lockdown im Kreis Gütersloh beendet. Dies beschloss das Oberverwaltungsgericht in Münster. Anfang Juli gelang einem Expertenteam in Ostwestfalen-Lippe nun bei der Bekämpfung des Erregers SARS-CoV-2 ein Erfolg: In Bielefeld (NRW) haben Forscher der Universität einen neuen Corona-Schnelltest entwickelt, der bereits nach 16 Minuten ein Ergebnis bringen soll. 

Ein Freizeitpark in NRW hat sich eine nie da gewesene Rabatt-Aktion überlegt: Das Safariland Stukenbrock in Schloß Holte-Stukenbrock (Kreis Gütersloh) bedankt sich bei den Corona-Helfern mit einer großzügigen Aktion und lädt einige Berufsgruppen kostenlos in den Wildlife-Zoo ein. Derweil kommt es bei Tönnies im Kreis Gütersloh wieder zu vermehrten Coronavirus-Ausbrüchen. Außerdem haben Experten im Betrieb einen Superspreader entdeckt.

Rubriklistenbild: © dpa

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