Massenausbruch im Kreis Gütersloh

Corona-Lage in Gütersloh: Scharfe Kritik an Tönnies-Plan – "Unverschämt"

Die Lage im Kreis Gütersloh entspannt sich langsam: Der massenhafte Ausbruch des Coronavirus unter Tönnies-Mitarbeitern scheint unter Kontrolle zu sein. Doch Tönnies wird für einen Plan scharf kritisiert.

  • Unter Mitarbeitern des Schlachthofs Tönnies verbreitete sich das Coronavirus massenhaft.
  • Nun scheinen die Infektionen zurückzugehen.
  • Die Corona-Zahlen im Kreis Gütersloh bessern sich.

Kreis Gütersloh/Rheda-Wiedenbrück – Die aktuellen Corona-Zahlen lassen hoffen: Die Infektionswelle rund um den Fleischbetrieb Tönnies ebbt langsam ab. Unter den infizierten Mitarbeitern finden sich immer mehr, die von der Krankheit bereits wieder genesen sind. Die positive Entwicklung sorgte bereits dafür, dass der "Lockdown" für den Kreis Gütersloh wieder aufgehoben wurde

Kreis Gütersloh/NRW
Einwohner364.938 
KreisstadtGütersloh
Fläche969,21 km2
LandratSven-Georg Adenauer

Nach Masseninfektion bei Tönnies: Corona-Zahlen im Kreis Gütersloh besser

Am Wochenende sank die Zahl der akuten Infektionsfälle im Kreis Gütersloh deutlich. So galten am Samstag (11. Juli) noch 524 Personen als infiziert. Die nächsten Zahlen vom Sonntag (12. Juli) zeigten bereits ein ganz anderes Bild: Nur noch 265 akute Infektionen. Die momentan besonders interessante Sieben-Tage-Inzidenz (Infektionen pro 100.000 Einwohnern innerhalb einer Woche) sinkt damit auf 26,1. Maßnahmen wie Kontaktverbote und Schließungen werden ab einer Inzidenz von 50/100.000 Einwohnern ergriffen.

Coronavirus: Bei Tönnies im Kreis Gütersloh steht der Betrieb momentan still.

Abseits von Tönnies sind im Kreis Gütersloh in der vergangenen Woche nur 24 Infektionen (4. bis 10. Juli) bekannt geworden. Aufgrund der sinkenden Corona-Zahlen sind in ganz NRW zudem neue, weitreichende Lockerungen geplant. So sollen unter anderem wieder private Veranstaltungen mit bis zu 150 Personen möglich sein. Auf der anderen Seite hat die Landesregierung NRW nun die Maskenpflicht noch einmal verlängert.

Corona-Krise im Kreis Gütersloh: Tönnies in der Kritik

Der Massenausbruch des Coronavirus bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück hat bei dem Fleischfabrikanten im Kreis Gütersloh einen schweren Imageschaden hinterlassen. In Deutschlands größtem Schlachthof herrschten schlechte Bedingungen sowohl für die Tiere als auch für die Menschen, die dort arbeiten. Stimmen, den Betrieb endgültig zu schließen, wurden laut. Nun der nächste Eklat: Clemens Tönnies will sich, ebenso wie mehrere Sub-Unternehmer, die Lohnkosten für die Zeit der Corona-Quarantäne erstatten lassen. 

Das ist grundsätzlich möglich, sorgt im Fall von Tönnies allerdings für Kopfschütteln in der Politik. Laut Berichten des WDR sagte NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) zu dem Antrag: "Ich würde mir anstelle von Herrn Tönnies und seinen Geschäftspartnern sehr genau überlegen, was man den Bürgerinnen und Bürgern in Nordrhein-Westfalen eigentlich noch alles zumuten will." Ralf Stegner, SPD-Fraktionschef von Schleswig-Holstein, findet es von Tönnies "unverschämt, dafür die Steuerzahler heranzuziehen".

Trotz der brisanten Lage nimmt Tönnies langsam den Betrieb wieder auf. Vorerst geht jedoch nur eine Tochterfirma wieder an den Start. Zudem hagelte es kürzlich erneut Kritik von Tierschützern: Ein Video solle Tierquälerei bei einem Tönnies-Zulieferer aus dem Kreis Gütersloh belegen. Das Tierschutzbüro veröffentlichte die Aufnahmen, die zum Teil schwer verletzte Schweine zeigen sollen. Nun steht der Fleischproduzent aus dem Kreis Gütersloh erneut in der Kritik: Tönnies lagerte offenbar Fleisch in einem von Ratten verseuchten Lagerhaus in Dissen.

In Gütersloh kam es jüngst zu einem schrecklichen Unfall. Ein junger Autofahrer starb an seinen Verletzungen. Zudem gab es kurz weitere Ansteckungen im Kreis: Bei Nobilia in Verl bei Gütersloh wurden neun Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet.

Derweil kommt es bei Tönnies im Kreis Gütersloh wieder zu vermehrten Coronavirus-Ausbrüchen. Außerdem haben Experten im Betrieb einen Superspreader entdeckt. Zusätzlich deckte jüngst eine RTL-Reportage auf, unter welchen Bedingungen die Mitarbeiter bei Tönnies leiden. Eine Frau brach vor der Kamera in Tränen aus.

Aktuell wird überprüft, ob Clemens Tönnies‘ Villa im Kreis Gütersloh Ziel eines Brandanschlags werden sollte. Entsprechende Utensilien wurden nahe dem Haus gefunden. Mittlerweile steht der Schlachtbetrieb vor einem neuen Problem: Amazon will Tönnies die Mitarbeiter streitig machen.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/Guido Kirchner

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