Protestaktion in Innenstadt

Coronavirus in Gütersloh: Demo eskaliert! Zwei Polizeibeamte verletzt

In Gütersloh floh ein Mann bei einer Coronavirus-Demo vor der Polizei, zwei Beamte wurden verletzt. Der Einsatz sorgte für Kritik an den Uniformierten. 

  • 50 Menschen nahmen an einer Coronavirus-Demonstration in Gütersloh teil. 
  • Ein 32-Jähriger flüchtete vor der Polizei. 
  • Der Einsatz sorgte bei Passanten für Unverständnis. 

Gütersloh – 50 Menschen haben sich am Samstag (9. Mai) in der Innenstadt zu einer Demonstration versammelt. Die Teilnehmer der Aktion hatten selbstgebastelte Schilder mitgebracht und äußerten sich in Sprechchören gegen die Schutzbestimmungen zum Coronavirus

Coronavirus-Demo in Gütersloh wird von Polizei begleitet

Die Demonstration vor dem Rathaus war nicht bei den Behörden in Gütersloh angemeldet, weshalb die Polizei ein Strafverfahren einleitete. Zu einer ähnlichen Situation kam es kürzlich in NRW: 200 Menschen protestierten in Bocholt gegen die Bestimmungen zum Coronavirus

Die Demonstration gegen die Schutzbestimmungen zum Coronavirus dauerte rund zweieinhalb Stunden. Während dieser Zeit verstießen einzelne Teilnehmer gegen ebendiese Beschränkungen, wie die Polizei Gütersloh berichtet. Vor einigen Monaten hatte eine andere Aktion die Innenstadt lahmgelegt: Eine Bauerndemo mit 100 Traktoren in Gütersloh hatte massive Auswirkungen auf den Verkehr

Gütersloh: 32-Jähriger flieht bei Coronavirus-Demo vor Polizei

Bei der Corona-Demo fiel den Beamten ein 32-Jähriger besonders auf: Als seine Personalien von der Polizei festgestellt werden sollten, ergriff er die Flucht. In der Menschenmenge in der Innenstadt von Gütersloh konnte der Mann zunächst entkommen. 

Später jedoch trafen die Beamten am Kolbeplatz wieder auf ihn. Der Demonstrant warf mit einem Tisch eines Restaurants nach seinen Verfolgern und flüchtete in eine Garagenzufahrt in der Kökerstraße. Als der Mann auf die Aufforderung der Polizei hin sein Versteck nicht verlassen wollte, wendeten sie Gewalt an. Der 32-Jährige wurde bei dem Einsatz in Gütersloh zu Boden gebracht und fixiert. 

In mehreren deutschen Städten wurde gegen die Corona-Verordnungen demonstriert. (Symbolbild)

Nach Coronavirus-Demo: Passanten kritisieren Polizei-Einsatz in Gütersloh

Der Einsatz in der Innenstadt von Gütersloh zog Passanten an. Einige von ihnen äußerten sich verständnislos über die Vorgehensweise der Polizei. Ein Mann wollte dem 32-Jährigen sogar zur Hilfe kommen und musste von anderen Beamten abgehalten werden. Einer der Passanten erstatte eine Anzeige gegen die eingreifenden Polizisten. 

Der 32-Jährige wurde schließlich auf die Wache in Gütersloh gebracht. Gegen ihn wird nun wegen des Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz sowie wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte ermittelt. Zwei der eingesetzten Polizisten wurden bei dem Einsatz verletzt, konnten jedoch im Dienst bleiben. 

Im Kreis Gütersloh sind derzeit 55 Menschen akut mit dem Coronavirus infiziert. Durch die zuletzt beschlossenen Lockerungen können dort nun wieder Spielplätze und Gastronomie-Betriebe öffnen. Im Kreis Gütersloh hat das Freibad in Verl unter strengen Corona-Regeln wieder geöffnet aber Besucher müssen mit Einschränkungen rechnen.

Die Corona-Krise hat sich verschärft: Der Kreis Gütersloh hat inzwischen die zweithöchste Coronavirus-Infektionsrate in Deutschland, nachdem sich mehrere Tönnies-Mitarbeiter mit dem Erreger infiziert hatten und die Zahl der Neuinfektionen stark angestiegen war.

Im Kreis Gütersloh spitzt sich die Lage zu: Nachdem bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück 730 Angestellte positiv auf das Coronavirus getestet wurden, stellte die Bundestagsabgeordnete Britta Haßelmann aus Bielefeld Strafanzeige gegen Clemens Tönnies und sein Neffe fordert sogar seinen Rücktritt.

Wegen des Corona-Massenausbruchs bei Tönnies, musste die NRW-Landesregierung die Reißleine ziehen: Nachdem der Lockdown für den Kreis Gütersloh verkündet wurde und der Krisenstabsleiter Thomas Kuhlbusch zusammengebrochen war, spitzt sich die Lage in dem Risikogebiet weiter zu.

Ein TV-Star hat, nachdem Coronavirus-Ausbruch in zwei Landkreisen in NRW, mit einer Aktion für Aufregung gesorgt: Comedian Oliver Pocher hat sich für seine RTL-Show "Pocher - gefährlich ehrlich!" in Gütersloh als Clemens Tönnies ausgegeben und den Fleischkonzern auf die Schippe genommen.

Die Coronavirus-Situation in den Krisengebieten könnte sich nun weiter verschärfen: In Gütersloh und Beckum (NRW) sind mehrere Tönnies-Arbeiter offenbar aus der Quarantäne verschwunden und nun wird eine weitere Ausbreitung des Coronavirus befürchtet.

Am vergangenen Wochenende (27./28. Juni) wurden zwei Personen aus einem Corona-Hotspot beleidigt und bedroht: Eine Mutter und ihre Tochter aus Gütersloh wurden in ihrem Wagen mit GT-Kennzeichen in Münster angefeindet und mussten von der Polizei sicher aus der Stadt gebracht werden.

Die Skandal-Aufnahmen bei Deutschlands größten Fleischkonzern werfen weiterhin fragen auf: Die Urheberin des Tönnies-Videos im Kreis Gütersloh wurde gekündigt, doch die Frau wehrt sich nun gegen ihre Entlassung und zieht vor das Arbeitsgericht in Bielefeld.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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