Covid-19-Pandemie

Coronavirus in Gütersloh (NRW): Infektionen bei Tönnies steigen

Bei Tönnies im Kreis Gütersloh wurde der Betrieb nach dem Corona-Massenausbruch eingestellt. Die Kritik an dem Konzernchef Clemens Tönnies wird lauter. Derweil steigen die Infektionszahlen weiter an.

  • Die Coronavirus-Krise im Kreis Gütersloh hat für Eltern und ihre Kinder schwere Folgen. 
  • Wegen der hohen Infektionszahlen bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück wurden Kitas und Schulen geschlossen. 
  • Mitarbeiter des Betriebs scheinen sich nicht an die Quarantäne zu halten. 

Update: 22. Juni, 11.50 Uhr. Die Zahl der Corona-Infektionen bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück (Kreis Gütersloh) ist auf insgesamt 1331 gestiegen. Und die Krise in dem Schlachtbetrieb zieht weite Kreise: In Bielefeld wohnen 168 Tönnies-Mitarbeiter, die ebenfalls von der kollektiven Quarantäne betroffen sind. Doch bei einer Kontrolle durch das Ordnungsamt zeigte sich, dass sich offenbar längst nicht alle an die Auflagen halten.

Stadt

Gütersloh

Bundesland

Nordrhein-Westfalen (NRW)

Fläche

112 km²

Bevölkerung

96.404 (31. Dez. 2010)

Bürgermeister

Henning Schulz (CDU), geboren in Bielefeld

Armin Laschet warnte davor, Menschen aus der Region unter Generalverdacht zu stellen. Es ist bereits vorgekommen, dass Urlaube von Menschen aus dem Kreis Gütersloh von Anbietern storniert wurden.

Nach Corona-Katastrophe: Rücktritt von Clemens Tönnies gefordert

Update: 19. Juni, 9.55 Uhr. Im Kreis Gütersloh spitzt sich die Lage zu. Nachdem bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück 730 Angestellte positiv auf das Coronavirus getestet wurden, stellte die Bundestagsabgeordnete Britta Haßelmann aus Bielefeld Strafanzeige gegen Clemens Tönnies und sein Neffe fordert sogar seinen Rücktritt. 

Update: 13 Uhr. Viele Eltern sind empört über die hohen Neuinfektionszahlen bei der Firma Tönnies. Weil sich in Rheda-Wiedenbrück hunderte Fleischmitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert hatten, können ihre Kinder nun vorerst nicht mehr die Schulen und Kitas im Kreis Gütersloh besuchen. Die Einrichtungen wurden von der Kreisverwaltung vorsorglich geschlossen. 

Die JAEBs OWL haben nun eine Einladung an Herrn Tönnies verfasst. "Sehr geehrter Herr Tönnies, der Verbund JAEBs OWL möchte mit Ihnen über die Auswirkungen der COVID-19-Infektionen in Ihrem fleischverarbeitenden Unternehmen für die Kinder und Familien in OWL sprechen", heißt es zu Beginn des Schreibens, dass auch über die sozialen Netzwerke verbreitet wurde. Die Eltern hoffen so mit Clemens Tönnies ins Gespräch zukommen. Sein Neffe Robert fordert hingegen bereits seinen Rücktritt, wie die Bild am heutigen Donnerstag berichtet

Situation bei Tönnies spitzt sich zu – Merkel äußert sich zu den Coronavirus-Infektionen im Kreis Gütersloh 

Update: 18. Juni, 7.59 Uhr. Der Kreis Gütersloh hat aktuelle Zahlen zu den Neuinfektionen veröffentlicht. Weitere Tests waren positiv. Inzwischen haben sich 657 Tönnies-Fleischarbeiter mit dem Coronavirus infiziert. 983 Befunde liegen bereits vor. Die hohe Zahl an Neuinfektionen hat dazu geführt, dass der Kreis die kritische Marke von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen deutlich überschritten hat. Der Krisenstab handelte daraufhin umgehend. 

7.000 Menschen mussten sich umgehend in Quarantäne begeben. Außerdem wurden sämtliche Kitas und Schulen im Kreis Gütersloh erneut vorsorglich geschlossen., um weitere Coronavirus-Infektionen zu vermeiden. "In den Einrichtungen wird ab dem 18. Juni bis zum 26. Juni, das heißt bis zum Beginn der Sommerferien, kein allgemeiner Unterricht mehr stattfinden", teilte die Kreisverwaltung in einem Schreiben auf ihrer Internetseite mit. Eine Notbetreuung in Kindertageseinrichtungen und Schulen wird eingerichtet. 

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lobte das schnelle Handeln im Kreis Gütersloh. Sie hofft, dass so weitere Coronavirus-Infektionen vermieden werden können. "Einen allgemeinen Lockdown wird es nicht geben", teilten Landrat Sven-Georg Adenauer und NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) mit. Der Betrieb bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück wird nun vorübergehend komplett eingestellt. Allerdings werden in den kommenden zwei Tagen noch Arbeiten im Kühlbereich stattfinden. 

Coronavirus-Ausbruch bei Tönnies: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) begrüßt die Maßnahmen, die im Kreis Gütersloh getroffen wurden. 

Kreis Gütersloh: Massenhafte Coronavirus-Infektionen in Rheda-Wiedenbrück – über 400 Tönnies Mitarbeiter erkrankt 

Update: 17. Juni, 11.53 Uhr. Die Zahl der Neuinfektionen im Kreis Gütersloh ist erneut gestiegen. Bei mindestens 400 Tönnies-Mitarbeiter wurde das Coronavirus nachgewiesen. Sven-Georg Adenauer soll einen Termin in Dortmund abgebrochen und ins Kreishaus zurückgekehrt sein. 

"Ich werde alles tun, um einen Shutdown für den Kreis zu vermeiden", soll der CDU-Politiker gegenüber der NW am heutigen Mittwochmittag gesagt haben. Die Testergebnisse der ersten 500 Angestellten fiel dramatisch aus. Mindestens 400 Tönnies-Mitarbeiter aus Rheda-Wiedenbrück wurden positiv auf das Coronavirus getestet. Der Krisenstab hat sich inzwischen zusammengefunden, um zu beraten, wie es jetzt weitergehen soll. Ein weiterer Shutdown soll weiterhin vermieden werden. 

Coronavirus-Ausbruch bei Tönnies – Lage im Kreis Gütersloh verändert sich schlagartig 

Erstmeldung: 17. Juni. Im Kreisgebiet hat sich die Corona-Krise dramatisch verschärft. In ganz Deutschland hat der Kreis Gütersloh inzwischen die zweithöchste Infektionsrate. Die Ursache wurde bereits gefunden. Beim Fleischkonzern Tönnies in Rheda-Wiedenbrück haben sich mehrere Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert. 

Coronavirus: Lage in Gütersloh spitzt sich zu – Landrat will erneuten Lockdown verhindern 

Nachdem sich bei der Firma Tönnies in Rheda-Wiedenbrück zahlreiche Angestellte mit dem Erreger infiziert haben, steht der Kreis Gütersloh vor einer großen Herausforderung. 822 laborbestätigte Coronavirus-Infektionen gibt es aktuell. Davon gelten 668 Patienten als genesen. Im Vergleich zum Vortag gibt es jedoch mindestens 23 Neuinfektionen. 20 weitere Fleischmitarbeiter sind an Covid-19 erkrankt. 

Einen zweiten Lockdown möchte Landrat Sven-Georg Adenauer möglichst verhindern. Derzeit befinden sich 127 Personen aus dem Raum Gütersloh in häuslicher Quarantäne. Sieben Coronavirus-Patienten müssen in den vier vorhandenen Krankenhäusern stationär behandelt werden. Außerdem sind in der Region bislang 20 Menschen an der Lungenkrankheit Covid-19 verstorben (Stand: 15. Juni), wie die Kreisverwaltung auf Facebook bekannt gab.  

Coronavirus im Kreis Gütersloh: Was tut Tönnies, um das Ansteckungsrisiko zu senken? 

Das Unternehmen Tönnies aus Rheda-Wiedenbrück kündigte an, die Schlachtungen der Tiere zu reduzieren, um das Ansteckungsrisiko in dem Betrieb zu senken. Die Schweinezerlegung sei in erster Linie von der Infektionswelle betroffen. Die Mitarbeiterzahl soll in diesem Bereich halbiert werden. Außerdem kündigte Konzernchef Clemens Tönnies weitere Maßnahmen an, um das Coronavirus einzudämmen. 

Die Abstände zwischen den Mitarbeitern des Fleischkonzerns werden nun vergrößert. Außerdem soll die Belüftung verbessert werden. Der Kreis Gütersloh testet außerdem alle 1.000 Mitarbeiter der Schweine-Zerlegung auf das Coronavirus. Da es sich bei der betroffenen Firma um einen sogenannten "systemrelevanten Betrieb" handelt, kommt eine Schließung aktuell nicht in Betracht. Bereits vor einigen Wochen war der Verdacht aufgekommen, dass sich Tönnies-Angestellte mit dem Virus SARS-CoV-2 infiziert haben könnten, nachdem es bereits bei der Firma Westfleisch im Münsterland zahlreiche Erkrankte gegeben hatte. 

Wegen des Corona-Massenausbruchs bei Tönnies, musste die NRW-Landesregierung die Reißleine ziehen: Nachdem der Lockdown für den Kreis Gütersloh verkündet wurde und der Krisenstabsleiter Thomas Kuhlbusch zusammengebrochen war, spitzt sich die Lage in dem Risikogebiet weiter zu.

Nachdem Coronavirus-Ausbruch in zwei Landkreisen in NRW sorgt am 25. Juni ein TV-Star mit einer TV-Aktion für Aufregung: Comedian Oliver Pocher hat sich für seine RTL-Show "Pocher - gefährlich ehrlich!" in Gütersloh als Clemens Tönnies ausgegeben und den Fleischkonzern auf die Schippe genommen.

Die Coronavirus-Situation in den Krisengebieten könnte sich nun weiter verschärfen: In Gütersloh und Beckum (NRW) sind mehrere Tönnies-Arbeiter offenbar aus der Quarantäne verschwunden und nun wird eine weitere Ausbreitung des Coronavirus befürchtet.

Am vergangenen Wochenende (27./28. Juni) wurden zwei Personen aus einem Corona-Hotspot beleidigt und bedroht: Eine Mutter und ihre Tochter aus Gütersloh wurden in ihrem Wagen mit GT-Kennzeichen in Münster angefeindet und mussten von der Polizei sicher aus der Stadt gebracht werden.

Die Skandal-Aufnahmen bei Deutschlands größten Fleischkonzern werfen weiterhin fragen auf: Die Urheberin des Tönnies-Videos im Kreis Gütersloh wurde gekündigt, doch die Frau wehrt sich nun gegen ihre Entlassung und zieht vor das Arbeitsgericht in Bielefeld.

Rubriklistenbild: © picture alliance/David Inderlied/dpa

Kommentare