Schutz-Maßnahmen

Drastische Corona-Lage: Kreis Gütersloh erlässt Ausgangssperre – die Regeln im Überblick

Um die Coronavirus-Lage in den Griff zu bekommen, erlässt der Kreis Gütersloh eine nächtliche Ausgangssperre und weitere, strengere Regeln.

Kreis Gütersloh – Noch immer stecken sich in Deutschland viele Menschen mit dem Coronavirus* an. Der 7-Tages-Inzidenzwert ist auch im Kreis Gütersloh dauerhaft hoch und liegt weiterhin über 200 (Stand am Montag: 205,8). Zum Schutz vor Neuinfektionen hat der Kreis deswegen zu weiteren Maßnahmen gegriffen, die auch eine Ausgangssperre umfassen.

„Nachdem die Inzidenzen zuletzt dauerhaft über 200 [...] lagen, erlässt der Kreis Gütersloh eine Allgemeinverfügung in Abstimmung mit den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern der 13 Kommunen“, gab der Kreis in einer Meldung am Sonntag bekannt. Ab Montag (28. Dezember) um 12 Uhr sollen sie bereits in Kraft treten. Eine Ausnahme gibt es auch nicht zum Jahreswechsel: Auch an Silvester 2020 im Kreis Gütersloh gilt die Ausgangssperre.

Kreis:Gütersloh
Fläche:969,2 Quadratkilometer
Einwohner:364.938 (Stand: 31. Dezember 2019)
Sehenswürdigkeiten:Safariland Stukenbrock, Schloss Rheda, MEHR
Bundesland:NRW

Corona-Lage im Kreis Gütersloh: Ausgangssperren ab Montag - was jetzt gilt

Die Allgemeinverfügung umfasst eine nächtliche Ausgangssperre für den gesamten Kreis Gütersloh. Sie gilt in der Zeit von 22 Uhr bis 5 Uhr am Folgetag. In dieser Zeit dürfen Einwohner ihre Wohnung oder ihr Haus „nur aus gewichtigen Gründen verlassen“. Die Corona-Maßnahme soll verhindern, dass sich Bürger im privaten Raum zu „geselligen Runden“ zusammenfinden.

„Uns blieb keine andere Wahl mehr, um die Bevölkerung zu schützen. Die Zahlen sind bis Weihnachten stark gestiegen, sodass wir handeln mussten.“

Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU)

Auch in anderen Kreisen in OWL wurden bereits Ausgangssperren erlassen. Doch auch an Silvester wird im Kreis Gütersloh keine Ausnahme von der Ausgangssperre gemacht: Am 31. Dezember gelten dieselben Zeiten für die Beschränkungen. Aus folgenden Gründe dürfen sich Einwohner nachts außerhalb des eigenen Wohnraumes bewegen:

  • unaufschiebbare Inanspruchnahme medizinischer oder veterinärmedizinischer Versorgungsleistungen
  • Ausübung beruflicher oder dienstlicher Tätigkeiten
  • Wahrnehmung des Sorge- und Umgangsrechts
  • unaufschiebbare Betreuung unterstützungsbedürftiger Personen und Minderjähriger
  • Begleitung Sterbender
  • Handlungen zur Versorgung von Tieren oder ähnliche gewichtige und unabweisbare Gründe.

Kreis Gütersloh (NRW): Weitere Corona-Regeln erlassen

Neben der nächtlichen Ausgangssperre umfasst die Allgemeinverfügung weitere, strengere Maßnahmen für den gesamten Kreis Gütersloh. Zu den bereits erlassenen Coronavirus-Regeln in NRW lesen Sie auf owl24.de mehr. Folgendes tritt nun im Kreis Gütersloh zusätzlich ab dem 28. Dezember (mittags) in Kraft und gilt vorerst bis zum 10. Januar:

  • Private Zusammenkünfte werden beschränkt auf die Personenzahl, die bisher auch für den öffentlichen Raum gilt. Das heißt, es dürfen sich maximal zwei Hausstände mit maximal fünf Personen treffen. Kinder bis 14 Jahren werden nicht gezählt.
  • Tragen von FFP2-Masken oder KN95-Masken in Einrichtungen: Innerhalb von Senioreneinrichtungen – stationär oder teilstationär -, sowie in Einrichtungen für Behinderte und vergleichbaren Einrichtungen sowie Asylbewerberheimen, Obdachlosenunterkünften und ähnlichen Einrichtungen ist dauerhaft eine FFP2-Maske oder KN95-Maske zu tragen. Bei Tätigkeiten, die isoliert von anderen Personen erfolgen, kann die Maske abgelegt werden. Auch in den Arbeitspausen besteht die Maskentragepflicht soweit Kontakt zu anderen Personen besteht. Grundsätzlich sind gestaffelte Pausenzeiten anzustreben.
  • Tragen von Alltagsmasken: In betrieblichem Zusammenhang ist in geschlossenen Räumen ist grundsätzlich eine Alltagsmaske zu tragen, wenn der Abstand von zwei Metern nicht eingehalten werden kann. Ausnahme: Wenn es sich um Personen handelt, die demselben Haushalt angehören. Es kann in den genannten Räumlichkeiten auf das Tragen einer Alltagsmaske verzichtet werden, wenn sichergestellt ist, dass ein dauerhafter Abstand von 2 Metern zwischen den Personen besteht und eine Stoßlüftung der Räumlichkeiten im Zeitabstand von 20 Minuten mit einer Dauer von 5 Minuten vorgenommen wird.
  • Fahrgemeinschaften: In Fahrgemeinschaften müssen FFP2- oder KN95-Masken getragen werden, wenn es sich um Personen aus verschiedenen Haushalten handelt. Ausnahmen gelten lediglich für die Fahrenden, die eine Brille tragen, Personen, die aus medizinischen Gründen keine Maske tragen können und für Kinder bis 14 Jahre. Alle Kinder ab dem Schuleintritt müssen in Fahrgemeinschaften Alltagsmasken tragen.
  • Kirchen und Religionsgemeinschaften: An die Kirchen und Religionsgemeinschaften im Kreis Gütersloh wird appelliert, bis zum 10. Januar 2021 keine Gottesdienste und ähnliche religiöse Zusammenkünfte in Präsenz durchzuführen. Sollten Kirchen oder Religionsgemeinschaften dennoch Gottesdienste oder andere religiöse Zusammenkünfte in Präsenz durchführen, reduzieren sie ihre in Bezug auf das Erfordernis der Abstandswahrung unter Corona-Bedingungen bereits verringerten Teilnahme-Kapazitäten der für Gottesdienste und andere religiöse Zusammenkünfte genutzten Räumlichkeiten nochmals um 30 Prozent. Gottesdienste und ähnliche Zusammenkünfte zur Religionsausübung in geschlossenen Räumen sind auf eine Dauer von höchstens 45 Minuten beschränkt. Für Gottesdienste oder ähnliche religiöse Zusammenkünfte in geschlossenen Räumen stellen die Kirchen und Religionsgemeinschaften zudem konkrete Lüftungskonzepte auf, die eine dauerhafte oder mindestens regelmäßige Durchlüftung mit kurzen Lüftungsintervallen sicherstellen.
  • Nächtliche Ausgangssperre: siehe oben.
Die nächtliche Ausgangssperre wird von der Polizei kontrolliert.

Vor wenigen Tagen wurde auch im Kreis Herford eine Ausgangssperre erlassen. Die Maßnahme ist im Rahmen der Corona-Schutzverordnung des Landes NRW möglich. Sie erlaubt im Einvernehmen mit dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales erweiterte Maßnahmen bei einer Inzidenz ab 200. Auch in anderen Kommungen in NRW wurden bereits Ausgangssperren erlassen.

Der Inzidenzwert im Kreis Gütersloh war zwar über die Feiertage leicht gesunken. Dies dürfe nicht über die ernste Lage hinwegtäuschen, denn über Weihnachten sei wenig getestet worden, berichtet Adenauer weiter. „Wir sind uns bewusst, dass wir in Grundrechte eingreifen. Das ist aber derzeit nicht vermeidbar.“

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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