Nagerbefall

Tönnies lagerte Fleisch in von Ratten verseuchtem Kühlhaus

Das in Rheda-Wiedenbrück (Kreis Gütersloh) ansässige Schlacht-Unternehmen Tönnies lagerte sein Fleisch offenbar unter anderem in einem von Ratten verseuchten Kühlhaus in Dissen.

  • Der Fleischbetrieb Tönnies gerät immer wieder in die Kritik.
  • Nun wurde in einem Kühlhaus in Dissen (Kreis Osnabrück) ein extremer Rattenbefall aufgedeckt.
  • Auch das Unternehmen aus Rheda-Wiedenbrück (Kreis Gütersloh) hat dort Fleisch gelagert.

Gütersloh/Dissen – Die Negativ-Meldungen rund um den Fleischbetrieb aus Rheda-Wiedenbrück reißen nicht ab. Nachdem Tierschützer jüngst aufgedeckt hatten, wie ein Tönnies-Zulieferer seine Mastschweine quält, kommt nun die nächste Meldung.

In einem Lagerhaus in Dissen (Niedersachsen) entdeckten Behörden bei einer Routinekontrolle einen extremen Rattenbefall. In dem Kühlhaus verarbeite zwar hauptsächlich die LVD Fleisch GmbH Dissen ihre Produkte, jedoch ist auch Tönnies aus dem Kreis Gütersloh in den Skandal involviert, wie das Haller Kreisblatt schreibt.

FirmaTönnies Holding
ZentraleRheda-Wiedenbrück
Mitarbeiterzahl9007 (2018)
RechtsformApS & Co. KG
Gründung1971
TochterunternehmenZur-Mühlen-Gruppe (unter anderem)

Gütersloh: Auch Tönnies nutzte verseuchtes Lagerhaus

In dem Lagerhaus der Firma „Nagel Transthermos“ fanden sich laut Ausführungen des Verwaltungsgerichts Osnabrück Kotpillen, Fellreste und Anzeichen für Nestbau von Ratten. Die LVD Fleisch GmbH musste daraufhin im Juni ihre Produktion einstellen. Gegenüber dem HK bestätigte Burkhard Riepenhoff, Sprecher des Landkreises Osnabrück, dass dies mit dem Nagerbefall zusammenhänge: „Nach den Erkenntnissen des Veterinärdienstes befanden sich Ratten in erhöhter Anzahl seit Mitte Januar in Bereichen des Kühlhauses.

Der Rattenbefall wurde bereits im Januar bemerkt und gemeldet, woraufhin Maßnahmen zur Bekämpfung eingeleitet wurden, die jedoch offenbar keinen Erfolg brachten. Nun stellte sich heraus, dass offenbar auch Tönnies aus dem Kreis Gütersloh das Lager nutzte. Wenn auch nicht in solchem Umfang wie die LVD Fleisch GmbH.

Rattenverseuchtes Kühlhaus: Tönnies distanziert sich von LVD

Auf Nachfrage des HK bestätigte Tönnies eine Nutzung des Lagerhauses. Diese sei jedoch nur „sporadisch in einem geringen Umfang für beispielsweise die Lagerung von Waren“ der Fall gewesen, wie Tönnies-Sprecher André Vielstädte mitteilt. Nachdem man am 12. Juni durch den Kreis Gütersloh über den Befall informiert wurde, habe man den Zugang zu allen Waren, die im Zusammenhang mit dem Kühlhaus ständen, gesperrt.

Gütersloh/Dissen: Ein Lagerhaus, welches auch Tönnies nutzte, ist von Ratten befallen (Symbolbild)

Vom Landkreis Osnabrück sei die Information über den Rattenbefall erst am 3. Juli an Tönnies herangetragen worden. Derweil distanziert sich der Schlachtbetrieb deutlich vom dort wirkenden Unternehmen LVD Fleisch GmbH: „Wir stehen in keinerlei Geschäftsbeziehung zum Unternehmen LVD Fleisch“, machte Pressesprecher Vielstädte deutlich. Weiter erklärt er: „Alle Anfragen, die seitens der jeweiligen Behörden an uns herangetragen wurden, sind innerhalb kürzester Zeit, zum Großteil noch am selben Tag, bearbeitet worden. Dazu gehört auch die Ermittlung und Zurverfügungstellung der benötigten Angaben zur Rückverfolgbarkeit der Waren.

Tönnies-Fleisch aus von Ratten befallenem Lagerhaus wohl nicht im Handel

Die Frage, ob Fleisch, welches in dem verseuchten Kühlhaus gelagert wurde, auch in den Handel gekommen sei, beantwortet Pressesprecher Vielstädte gegenüber dem HK so: „Die Ware wurde sichergestellt. Die dazugehörigen Informationen sind vollständig an die zuständigen Behörden übergeben worden.“ Dies bestätigt auch Burkhard Riepenhoff, Sprecher des Landkreises Osnabrück und erklärt weiter: „[...] Fleisch der Tönnies-Gruppe und anderer Firmen, das in einem mit dem Fleisch der Firma LVD zusammen genutzten Produktionsraum behandelt wurde und in dem Hinweise auf Ratten festgestellt wurden, haben wir sichergestellt.

Da jedoch auch andere große Firmen ihre Produkte in dem Kühlhaus lagerten, ist es möglich, dass dadurch betroffenes Fleisch in den Handel gekommen ist. Dies herauszufinden ist nun die Aufgabe der Osnabrücker Lebensmittelbehörde. Der Schlachtbetrieb Tönnies im Kreis Gütersloh war bereits vor einigen Wochen in starke Kritik geraten, da es dort einen massenhaften Corona-Ausbruch gab.

Derweil kommt es bei Tönnies im Kreis Gütersloh nun erneut zu vermehrten Coronavirus-Ausbrüchen. Außerdem haben Experten im Betrieb einen Superspreader entdeckt. Jüngst deckte eine RTL-Reportage auf, unter welchen Bedingungen die Mitarbeiter bei Tönnies leiden. Eine Frau brach vor der Kamera in Tränen aus

Rubriklistenbild: © picture alliance / Bernd von Jut / Bernd von Jutrczenka

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