Bad Oeynhausen (Kreis Minden-Lübbecke)

AfD-Fraktionschef ließ seinen 16-jährigen Sohn gegen Corona impfen

Problemquelle Corona-Impfung: In Zeiten, wo der Impfstoff knapp und die Warteliste lang ist, wollen viele nicht länger auf ihre Dosis warten. Auch Politiker drängeln sich in der Impfreihenfolge vor

Bad Oeynhausen – Die Berichte über Politiker und andere hochrangige Personen, die sich entgegen der Impfreihenfolge vorzeitig in den Arm stechen lassen, nehmen zu. Erst kürzlich wurde bekannt, dass sich ein Polizeidirektor in Gütersloh vorzeitig impfen ließ. Die Kritik war groß und kam auch aus den eigenen Reihen.

Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) verurteilte Impfdrängler und mahnte zu systematischem Vorgehen, auch bei der Verimpfung von übrig gebliebenen Dosen. Der FDP-Abgeordnete Ralph Bombis hatte sich ebenfalls vorzeitig impfen lassen, wie kürzlich bekannt wurde. Bombis begründete sein Vorgehen damit, dass er mehrere Pflegeeinrichtungen leite und mit der Impfung die dortigen Bewohner vor dem Coronavirus* schützen wollte. Als dann jedoch ans Licht kam, dass er in diesen Einrichtungen auch seinem persönlichen Umfeld impfen ließ, trat er von allen seinen Ämtern, inklusive des NRW-Landesvorstandes, zurück.

Stadt Bad Oeynhausen
Einwohner48.604
BundeslandNRW

AfD-Abgeordneter aus Bad Oeynhausen lässt sich und Verwandte impfen

Nun also auch Markus Wagner von der Alternative für Deutschland (AfD), seines Zeichens Landtagsabgeordneter aus Bad Oeynhausen im Kreis Minden-Lübbecke (Ostwestfalen*). Recherchen des WDR-Magazins Westpol zufolge hatte sich der Politiker nicht nur vor einiger Zeit bereits selbst impfen lassen. Wie nun bekannt wurde, bekamen auch sein 16-jähriger Sohn sowie die Schwiegermutter des Abgeordneten die begehrte Spritze – und zwar in den Räumlichkeiten von dessen Sozialeinrichtung. Die 81-Jährige ist zwar laut Definition in Gruppe 1 des Impfplans, hätte jedoch im Sinne der Impfordnung einen Termin im Impfzentrum machen müssen. (Hier finden Sie eine Übersicht der Impfzentren in OWL.)

Der jugendliche Sohn, der als Fußballer beim Nachwuchs des FC Bayern München aktiv ist, wäre nach der Impfverordnung in Gruppe 4 und somit erst in einigen Monaten an der Reihe gewesen. Die voreilige Impfung begründet der AfD-Abgeordnete Markus Wagner mit der Arbeit des Jungen in der Eingliederungshilfe für psychisch Kranke im Kreis Minden-Lübbecke. Hier solle sein Sohn in den Familienbetrieb „hineinwachsen“ und helfe deshalb regelmäßig dort aus. „Er hat mit den Bewohnern Spiele gespielt und gebastelt“ und „den Hausmeister unterstützt oder Bewohner mit dem Therapiehund begleitet“, so Wagner.

Ließ sich und seine Familie vorzeitig impfen: AfD-Abgeordneter Markus Wagner.

AfD-Abgeordneter Wagner aus Bad Oeynhausen verteidigt vorzeitige Impfung von Familienmitgliedern

Bereits vor Sohn und Schwiegermutter ließ der AfD-Abgeordnete Markus Wagner bereits sich selbst und seine Frau impfen. Auch dies begründete der 56-Jährige mit seiner Position als geschäftsführender Gesellschafter einer Einrichtung der Eingliederungshilfe für psychisch erkrankte Menschen in Bad Oeynhausen (Kreis Minden-Lübbecke). Dies berechtige ihn zur Impfung. Und da dort jeder mit jedem Kontakt habe, wäre eine Trennung der Impfungen „lebensfremd“.

Wagner betonte zudem, dass aufgrund der Impfungen seiner Familie kein Mitarbeiter oder Bewohner bei der Corona-Impfung* zu kurz gekommen sei. Im Gegenteil hätten sogar noch einige Mitglieder der örtlichen Feuerwehr eine Impfung in seiner Einrichtung erhalten können. Derweil will die große Koalition in Berlin solchen Methoden einen Riegel vorschieben. Deshalb wurde nun ein Bußgeld gegen Impfdrängler in Höhe von 25.000 Euro vorgeschlagen. (*Msl24.de ist ein Angebot von IPPEN MEDIA.)

Rubriklistenbild: © dpa / Bernd Thissen

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