Fahrtest mit dem T-Modell

Neue E-Klasse von Mercedes-Benz streift Opa-Image ab - knackiger Riese

Mercedes E-Klasse T-Modell blau
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Mit seinen 330-Diesel-PS baut der Motor stramme 700 Newtonmeter Drehmoment auf. Da sprintet sogar so ein Schwergewicht wie die E-Klasse wie eine Gazelle

Fünf Meter Auto mit Stern auf der Haube - wie gut ist die neue E-Klasse von Mercedes-Benz? Zu lang, zu schwer, zu behäbig – so schlägt sich der Kombi, das T-Modell, im Alltag.

  • Früher als fahrbare Hutablage verspottet, zeigt die neue E-Klasse von Mercedes*-Benz ihr wahres Gesicht.
  • Die Spaßformel: 330 Diesel PS + 700 Nm Drehmoment = 5,3 Sekunden von 0 auf 100.
  • Aber muss das sein? Daimler verlangt 53 Euro Aufpreis für zwei zusätzliche USB-Buchsen!

Sie ist der Klassiker der Daimler-Flotte Benz: Die E-Klasse ist zwar ein Auto fürs gesetzte Publikum, aber hat gigantische Verkaufszahlen. Allein 2019 wurden 350.000 Fahrzeuge verkauft. Das ist schon ziemlich stattlich für ein Modell der gehobenen Mittelklasse, das in der „nackten“ Version als Limousine bei knapp 50.000 Euro und als T-Modell ab 53.000 Euro startet. Unser Testauto, ein E 400d T-Modell mit Allradantrieb, dürfte allerdings annähernd das Doppelte gekostet haben, schließlich war es ausgestattet wie ein Luxus-Döner. Mit allem und scharf. 

Karosserie streckt sich endlos in die Länge

Seit rund einem halben Jahr ist die neue E-Klasse auf dem Markt und macht dabei eine ziemlich gute Figur, zumindest vom Design her. Sportlich steht der E 400d auf der Straße. Und streift das alte Image als fahrbare Hutablage endgültig ab. Das T-Modell, wie bei den Stuttgarter Autobauern die Kombis genannt wird, streckt sich schier endlos in die Länge, pure Eleganz, kaum ein Anflug von Behäbigkeit.

330 PS hat der 400d an Bord, genug Leistungsreserve für den Überholvorgang auf der Landstraße.

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Digital-Technik wie aus einem Science-Fiction

Auch das Interieur ist weit davon entfernt zopfig oder altmodisch zu sein. Vor allem beim digitalen Cockpit (erweiterbar auf 12,3 Zoll) liegt man mittlerweile schon fast auf S-Klasse-Niveau. Die Grafik ist modisch, wer will kann sich aber auch die guten alten Rundinstrumente, natürlich nur digital, auf den Bildschirm holen. Selbst AR-Technik ist an Bord. AR heißt Augmented Reality, und bedeutet „die erweiterte Wirklichkeit“. Ein Paradebeispiel dafür ist eine Navigationsanwendung. Nun gibt es keinen Zweifel mehr, in welche Straße man wirklich abbiegen muss. Das zentrale Display zeigt das von der Frontkamera aufgenommene Live-Bild von der Umgebung, kleine blaue Pfeile huschen über den Asphalt und zeigen, wo man genau abbiegen soll.

Edel und modern sieht das Innenleben der E-Klasse aus. Besonders beliebt ist sie in China, fast jedes zwei Fahrzeug wird dort verkauft.

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Computer-Assi liest das Horoskop vor

Digital aufgerüstet hat Mercedes auch beim Sprachassistenten des MBUX-Systems. Tadellos und auf Anhieb versteht die Dame, was man will. Für manche Kunden dürfte es gewöhnungsbedürftig sein, dass das Auto einen neuerdings duz: „Du hast Dein Ziel erreicht“, schallt es jetzt aus dem Lautsprecher. Dafür aber kann der Computer-Assi auch mehr. Wer spontan in die Berge fahren will, kann sich zum Beispiel den Schneebericht vorlesen lassen. Und bei Langeweile auf langen Urlaubs-Fahrten hilft das eigene Horoskop oder das der Mitfahrer. Was die Sterne einem sagen, wird einem von der sympathischen Stimme vorgelesen.

Limousine, Pack- und Lastesel

Überhaupt ist die E-Klasse für lange Trips gut geeignet. Das fängt beim Stauraum an, der bei 640 Litern liegt, umgeklappt passen sogar 1.820 Liter rein. Und hört bei Zuladung und Anhängelast auf. Knapp 700 Kilo Gewicht dürfen ins Auto hinein, die Anhängelast beträgt 2,1 Tonnen. Schon an diesen Daten sieht man, die E-Klasse ist Limousine, Pack- und Lastesel gleichzeitig. Das bewährt sich auch im Alltag beim großen Wochenend-Einkauf, oder im Möbelhaus: Einfach die Rückbank elektrisch umklappen (geht jetzt auch im Verhältnis 40:20:40), schon tut sich eine fahrbare Lagerhalle mit einer Länge von zwei Metern auf.

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Wenn es sein muss, hart wie ein Brett

Dafür, dass das T-Modell knapp über zwei Tonnen wiegt, kreuzt es leichtfüßig durch die Stadt und lädt sogar zur Kurvenhatz auf dem Land ein. Schon das normale Fahrgestell mit Schraubenfeder vorne und Luftfedern hinten ist ziemlich bequem. Wer besonderen Wert auf Komfort legt, sollte noch mal rund 1.700 Euro drauflegen – für die Dreikammer-Luftfederung mit dem für jedes Rad individuell einstellbaren Dämpfersystem. Geschmeidig und sanft gleitet man damit wie auf einem fliegenden Teppich dahin. Aber das Fahrwerk kann auch anders: Im Sport-Modus wird aus der flauschigen Matratze ein hartes Brett.

Giftiger Diesel mit fettem Drehmoment

Der Sechszylinder-Motor mit seinen 330 PS hat ebenfalls zwei Gesichter. Gutmütig, mit der für Mercedes Dieselmotoren so typischen Laufruhe, oder giftig, wenn das stramme Drehmoment von 700 Newtonmetern (Nm) in Schwung kommt. Da staunt der Ampel-Nachbar, wenn aus der fahrbaren Hutablage dann eine kleine Rakete wird. In 5,3 Sekunden geht es von 0 auf Tempo 100. Noch nicht lange her, dass solche Werte reinen Sportwagen vorbehalten waren.

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Der Sternwerfer kostet noch mal extra

Das flotte Papamobil verlangt bei der Anschaffung jedoch nach einem prallen Kontostand. Den Sechszylinder-Diesel mit Allradantrieb gibt es ab 70.200 Euro. Aber erst rund 25.000 Euro später hat man seinen Traum-Benz mit Multibeam-LED-Scheinwerfern (1547 Euro) oder Business-Paket mit AR (3213 Euro) zusammengestellt. Da fallen solche Details wie die Projektion des Sterns auf den Gehsteig eher nicht ins Gewicht. Der optische Gag darf einem schon knapp 150 Euro wert sein. Dass zwei USB-Buchsen im Fond des Autos mit 53,55 Euro zu Buche schlagen, ist von der Summe her kein Thema. Allerdings schon ein wenig kleinlich für eine Luxusmarke wie Mercedes. 

Und so lautet unser Fazit

Einen schickeren Lastesel wird man auf dem Markt nicht finden. Da kann höchstens noch die Konkurrenz von Audi, der A6 Avant, mithalten, oder der V90 von Volvo. Gut gefallen hat uns das Handling des Kombis. Von wegen zu lang, zu schwer, zu behäbig – das T-Modell fährt sich wie ein Kompaktwagen, nur besser. Die E-Klasse kostet zwar viel Geld, dafür bekommt man aber auch viel Auto. Fünf Meter mit Stern.

Ohne Stern auf der Motorhaube geht nichts. Wer das so haben will, wie mid-Autor Rudolf Bögel, der muss die Ausstattungslinie Exclusive wählen.

Technische Daten Mercedes E 400d 4matic T-Modell:

  • Länge / Breite / Höhe: 4,95 / 2,07 / 1,47 Meter
  • Motor: 3,0 Liter-Sechszylinder-Diesel
  • Hubraum: 2.975 ccm
  • max.Leistung: 243 kW/330 (PS)
  • max.Drehmoment: 700 Nm  
  • 9-Gang-Automatik, Allradantrieb
  • 0-100 km/h: 5,3 Sekunden
  • Spitze: 250 km/h
  • Normverbrauch: 6,3 l – 6,6 /100 km
  • CO2-Emission: 166 - 174 g/km
  • Preis: ab 70.200

(Rudolf Bögel )*tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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