Mit Coaching zum Erfolg

Jobwechsel während Corona? Wie Sie mit dem „Vier-Z-Ansatz“ Ihre Karriere-Ziele erreichen

Jobwechsel in der Corona-Krise? Das erfordert oft Mut. Karriere-Coaching kann Bewerbern bei ihrer Karriere-Entscheidung helfen.
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Jobwechsel in der Corona-Krise? Das erfordert oft Mut. Karriere-Coaching kann Bewerbern bei ihrer Karriere-Entscheidung helfen.

Wer beruflich aufsteigen will, kommt um einen Jobwechsel oft nicht herum. Aber während der Corona-Krise scheuen viele das Risiko. Ein Karriere-Coach weiß, worauf es jetzt ankommt.

Eine berufliche Neuorientierung ist in aller Regel auch mit einem Jobwechsel* verbunden. Doch ein neuer Arbeitgeber oder gar ein Wechsel in die Selbstständigkeit bringt in Pandemie-Zeiten auch ein gewisses Risiko mit sich. Auch Berufseinsteiger sind derzeit oft verunsichert, wie sie ihre Karriere in der Krise am besten starten.

Karriere-Coach Peter Kraushaar von ComTeam Consulting berät Wechselwillige bei ihrer Karriere-Planung und weiß, warum gerade in der Corona-Krise ein Coaching sinnvoll sein kann. Lesen Sie hier seine Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Warum ist Karriere-Coaching beim Jobwechsel grundsätzlich so ein wichtiges Themenfeld?

Peter Kraushaar: Beruf und Arbeit sind wichtige Bestandteile in unserem Leben. Der Wechsel in ein neues Arbeitsverhältnis oder in die Selbständigkeit zählt zu den bedeutungsvollsten persönlichen Entscheidungen. Eine berufliche Neuausrichtung vollziehen deutsche ArbeitnehmerInnen durchschnittlich nach 10 Jahren. Ein Jobwechsel ist also eine wichtige, seltene und ungewohnte Angelegenheit. Klar, dass diese bei den meisten BewerberInnen Stress auslöst.

Wo fängt für Sie Karrierecoaching beim Jobwechsel an – und wo hört es auf?

Karrierecoaching beim Jobwechsel beginnt mit der Entscheidung zur Neuorientierung und endet mit Antritt der neuen Position. Dazwischen liegen die Stationen

1.    Zieleplanung und Zukunftsorientierung

2.    Kompetenz- und Persönlichkeitsanalyse

3.    Markt- und Realitätscheck und

4.    Bewerbungstraining.

Ein Missverständnis ist, dass Karriere-Coaching mit Arbeitsvermittlung oder mit Präsentation offener Positionen gleichzusetzen ist.

Das klingt so, als ob der Coach einerseits beratende, andererseits coachende Funktion hat?

Ja, der Coach muss sich bewusst sein, dass er beide Rollen hat. Ich berate zu operativen Bewerbungsfragen wie Anschreiben, Lebenslauf oder virtueller Gesprächsführung. Zu persönlichkeitsentwickelnden Fragestellungen coache ich.

Lesen Sie auch: Karriere-Experte rät: So gehen Sie im Beruf gestärkt aus der Corona-Krise.

Welche Persönlichkeitsmerkmale sind in Zeiten der Krise und Veränderung förderlich, welche eher hinderlich?

Das ist branchen- und positionsabhängig. Ich stelle fest, dass häufig folgende förderliche Eigenschaften nicht stark genug ausgeprägt sind und ein Lernfeld darstellen:

·       Selbständige brauchen Durchsetzungsstärke und Wettbewerbsorientierung anstelle Harmonie- und Beziehungsorientierung.

·       Führungskräfte in KMUs brauchen Entschlossenheit und Entscheidungsfähigkeit anstelle von Dialogorientierung.

·       Führungskräfte großer Organisationen brauchen bereichsübergreifende, vernetzende, analog-digitale Denk- und Verhaltensweisen anstelle Abteilungs- und Silo-Denken.

·       Startup-MitarbeiterInnen brauchen kurzfristig messbare Handlungsfähigkeit anstelle mittelfristige Ergebnisorientierung.

·       Führungskräfte im öffentlichen Sektor brauchen evolutionär-verändernde anstelle traditionell-bewahrende Denk- und Verhaltensweisen.

Sie sind überzeugt, Karrierecoaching in der Pandemie ist eine besondere Herausforderung – woran liegt das?

Ich bin der festen Meinung: Corona wird zum Musterbrecher. Coach und Coachee haben folgende Job-Umfeld-Veränderung zu verstehen und berücksichtigen:

1.    Es gibt Corona-Gewinner und -Verlierer. In Branchen wie Luftfahrt, Touristik, den konsumnahen Branchen wie Gastronomie, Hotel und Veranstaltungen, Sport sowie Wellness müssen abhängig Beschäftigte mit Jobverlust und Selbständige mit erheblichen Auftragsverlusten rechnen, wobei unter den Selbständigen Frauen häufiger betroffen sind als Männer. In anderen Branchen wie Digitalisierung, Onlinehandel, Logistik- und Verpackungsbranche, Gesundheit und Öffentlicher Dienst werden BewerberInnen gesucht.

2.    Durch Entlassungen, Insolvenzen und Kurzarbeit wird die Sehnsucht nach Job-Sicherheit verstärkt. Homeoffice bietet darüber hinaus Raum und Zeit zur Reflektion der beruflichen Sinnfrage. Eine Vielzahl von ArbeitnehmerInnen und Selbständigen hinterfragen momentan: „Welche Tätigkeiten sind gesellschaftsrelevant und wie will ich in Zukunft arbeiten?“

3.    Virtuelle Bewerbungsgespräche und auch Assessment Center werden immer häufiger eingesetzt. Die BewerberInnen müssen sich darauf entsprechend einstellen und vorbereiten.

4.    Viele Unternehmen richten nach Corona die Struktur und die Gestaltung von Arbeit neu aus. BewerberInnen sollten antizipieren können, wie im Post-Corona-Zeitalter gearbeitet wird und sich entsprechend ausbilden.

Was sind jetzt relevante Herausforderungen für Ihre Coachees?

Die Rahmendbedingungen sind schwieriger geworden und Jobsuchende haben „richtig dicke Bretter“ zu bohren. Sie sollten mit Unsicherheiten, Zukunftsängsten und Niederlagen umgehen und sich mit höchstem Engagement und Disziplin in neue Aufgaben einarbeiten können. Die größten Unterschiede wird es für diejenigen geben, die aufgrund von Corona ihren Job verlieren bzw. sich einen neuen Job wünschen und nicht in der Corona Gewinner-Branche zu Hause sind. Viele werden eine Position in der gleichen Branche finden wollen. Der Wettbewerb wird größer. Für Jobs in den Gewinner-Branchen brauchen BewerberInnen sehr häufig zusätzliche Kompetenzen.

Auch interessant: Trendberufe 2021: Studie zeigt, welche Berufe in der Corona-Krise besonders gefragt sind.

Wie sehen für Sie die wichtigsten Coaching-Themen bei einem jetzigen Jobwechsel aus?

Als Coaches beraten wir BewerberInnen intensiv zu drei Check-Stationen:

Check-Station I – Persönliche Positionsbestimmung

Verfügen KandidatInnen über die notwendige persönliche Stärke, gibt es genügend finanziellen Spielraum und unterstützt die Familie einen so herausfordernden Veränderungsprozess? Bedeutend ist auch, ob der Coachee schon häufiger Veränderungen durchlebt hat und auf ausreichende Resilienz aufbauen kann.

Check-Station II – Aufbruch aus der Komfortzone

Wie hoch ist die Attraktivität der sicheren Komfortzone im Vergleich zur möglichen Zukunft?

Folgende Checkfrage ist positiv zu beantworten: Sind die Vorteile der Komfortzone kleiner als die Vorteile der Zukunft inklusive des steinigen Wegs bis zum neuen Job?

Check-Station III – Z-Z-Z-Z Ansatz

Ich habe den hilfreichen Z-Z-Z-Z Ansatz für ein erfolgreiches Karrierecoaching entwickelt:

Ziel glasklar formulieren

Antizipation des Zielbilds. Für BewerberInnen heißt das: Visualisierung des neuen Jobs. Das hilft bei konkreten Beschreibungen, welche Aufgaben ausgeführt und welche Kompetenzen ergänzend eingesetzt werden und mit welchen Akteuren sich Zusammenarbeit und neue Arbeitsweise und Kultur gestalten. Dabei werden auch Gefühle und Stimmungen beschrieben.

Zweck der Tätigkeit vergegenwärtigen

Um wirklich gute Arbeitsergebnisse zu liefern, braucht es intrinsisch Motivation. Nur so entsteht der Flow, in dem wir die Extra-Meile gehen. Die Kernfrage lautet: Lautet der persönliche Wunsch, HIN zu einem neuen Job zu gehen oder WEG von einem Job und sind Sicherheit, Gehalt, Status oder andere externe Faktoren die größere Motivation?

Zuversicht bei Hindernissen und Rückschlägen

Manchmal laufen die Dinge nicht so, wie wir es uns wünschen. Auf dem Weg zum Ziel gibt es unabdingbare Herausforderungen, Hindernisse und Rückschläge. Im Coaching sind diese zu erkunden. Dabei kann es sich um äußere Umstände oder auch persönliche Aspekte wie Emotionen, Überzeugungen oder Angewohnheiten handeln. Angst und Aktionismus sind in all diesen Situationen schlechte Ratgeber.

Ich verdeutliche dem Coachee dann, dass ein kühler Kopf wichtig ist. Es ist entscheidend, bewusst zu bleiben und nicht in die Rolle des verzweifelten Bittstellers zu rutschen. Die Konzentration auf die eigenen Stärken und Erfolge unterstützt diese Haltung.

Zukunft gestalten

Um den Lieblings-Job zu bekommen, braucht es zu guter Letzt einen Plan, wie die Herausforderungen und Hindernisse auf dem Weg zum Ziel zu meistern sind. Die Chance, das Ziel zu erreichen ist nachweislich größer, wenn konkrete Handlungsanweisungen zu den Herausforderungen definiert werden. (as) *Merkur.de ist teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Mehr zum Thema: Experte verrät: So sollten sich Führungskräfte in der Corona-Ausnahmesituation verhalten.

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Vor dem Chef und Kunden ist es wichtig, stets professionell aufzutreten. Doch die falsche Körpersprache bewirkt oft das Gegenteil. © iStock / grinvalds
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Hektische Bewegungen verraten dem Gegenüber, dass Sie nervös sind. Verlangsamen Sie daher bewusst Ihre Bewegungen, wenn Sie aufgeregt sind und sprechen Sie langsamer. © pixabay / Free-Photos
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Genauso nervös wirkt es, wenn Sie mit Ihren Haaren, Schmuck oder Ihrer Kleidung spielen. © pixabay / DanaTentis
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Wer mit dem Finger auf andere zeigt, wirkt schnell aggressiv - und die Geste könnte als Drohgebärde verstanden werden. Benutzen Sie lieber die offene Hand, wenn Sie gestikulieren. © pixabay / Ashish_Choudhary
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Die "Merkel-Raute" ist dank der Bundeskanzlerin inzwischen weltbekannt. Doch Sie können nie wissen, wie diese Geste der Souveränität bei anderen ankommt. Deshalb lieber: Finger weg davon! © Michael Kappeler / dpa
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Diese Geste heißt in der Tauchersprache "OK" - doch in manchen Gegenden beleidigt man Menschen mit diesem Handzeichen als "A...loch". © pixabay / RobinHiggins
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