Getränkelieferant aus Münster

Kündigungen nach Flaschenpost-Übernahme? Oetker wehrt sich gegen Vorwürfe

Im vergangenen Herbst kaufte Dr. Oetker das Start-Up „Flaschenpost“ aus Münster. Durch die Übernahme sollen jedoch einige Jobs verloren gehen. Gegen die Vorwürfe wehrte sich nun das Unternehmen aus Bielefeld.

Update: 16. Februar. Die Übernahme von „Flaschenpost“, durch Dr. Oetker schlug im vergangenen Jahr hohe Wellen – vor allem, nachdem bekannt geworden war, dass dadurch das von Oetker geleitete Tochter-Unternehmen „Durstexpress“ verschwinden und durch das Start-Up aus Münster ersetzt werden würde.

Drei Durstexpress-Standorte sollen geschlossen werden, dabei geht es um 1200 Angestellte. Diese seien bereits über ihre Kündigung informiert worden. Sie seien jedoch dazu eingeladen worden, „sich bei der Flaschenpost zu bewerben“, so Martin Neipp gegenüber dem Westfalen-Blatt. Mit neuen Beschäftigungsangeboten solle ein wesentlicher Personalabbau verhindert werden, betonte der Flaschenpost-Sprecher.

Auch Dr. Jörg Schillinger, Sprecher von Dr. Oetker, stellte klar, dass der Mitarbeiter beim Bielefelder Unternehmen „im Mittelpunkt“ stehe. Er sagte jedoch auch, dass innerhalb des Konzerns jedes Unternehmen eigenständig geführt werde und sich den Marktgegebenheiten anpassen müsse. Bei den anderen Standorten, die unter dem Namen Flaschenpost weitergeführt werden, würden hingegen alle Mitarbeiter zu den bisherigen Konditionen weiterbeschäftigt werden.

Hinweis der Redaktion: In dem Text war fälschlicherweise davon die Rede, dass die Mitarbeiter der Standorte, die geschlossen werden, weiterbeschäftigt würden. Der Fehler wurde korrigiert.

Protest gegen Kündigungen bei Durstexpress

Update: 25. Januar. Am Samstag um 14.15 Uhr versammelten sich nach einem Aufruf von Jörg Most (Gewerkschaft NGG) mehrere Durstexpress-Mitarbeiter sowie weitere Unterstützer vor der Produktionsstätte in Leipzig zu einem Protest. Auch die SPD Leipzig war dabei, um ihre Solidarität mit den Angestellten auszudrücken, wie sie unter anderem mit einem Foto auf Twitter unter dem Hashtag #wirsinddurstexpress mitteilte. So forderte unter anderem der Landtagsabgeordnete Holger Mann, dass die Durstexpress-Mitarbeiter bei der Fusion mit Flaschenpost aus Münster vom Konzern Dr. Oetker übernommen und nicht gekündigt werden sollten.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Unternehmen wie Flaschenpost und Durstexpress übernehmen gerade in der derzeitigen Krise eine ungeheuer anspruchsvolle und wichtige Arbeit. Sie versorgen Menschen zu Hause mit Getränken, auch solche, die sich womöglich aus gesundheitlichen Gründen oder weil sie in Quarantäne sind, nicht selbst versorgen können. Sie leisten damit auch einen gesellschaftlich hoch anerkennenswerten Job. Deshalb sollte Ihnen auch in einem solchen Unternehmensübergang der gebührende Respekt durch den Arbeitgeber gezollt werden.

Aus dem Offenen Brief der SPD Sachsen

Auch Politiker der Partei Die Linke waren bei dem Protest vor der Produktionsstätte dabei und äußerten ebenfalls Solidarität mit den Durstexpress-Mitarbeitern, ebenso Politiker von Bündnis 90/Die Grünen und CDU. Die Angestellten sollen laut Leipziger Zeitung im Zuge des Protests am Samstag die Gründung eines Betriebsrates in die Wege geleitet haben. Nach der Übernahme des Start-Ups Flaschenpost aus Münster durch den Konzern Dr. Oetker aus Bielefeld soll der hauseigene und vor allem im Osten ansässige Getränke-Lieferservice Durstexpress in den westfälischen Betrieb mit einfließen – hunderte Arbeitsplätze sollen im Zuge der Umstrukturierung jedoch wegfallen. In der Woche sind weitere Demonstrationen in Leipzig geplant.

Münster: Umstrukturierung nach Flaschenpost-Übernahme: – verlieren hunderte Mitarbeiter ihre Jobs?

Erstmeldung: 22. Januar. Münster/Bielefeld – Es wurde als Milliarden-Deal gefeiert: Ende vergangenen Jahres hatte Dr. Oetker den Getränkelieferanten „Flaschenpost“ aus Münster übernommen. Eine Milliarde Euro ließ sich das Unternehmen aus Bielefeld die Übernahme kosten. Nun werden die ersten negativen Folgen des Deals sichtbar, wie msl24.de* berichtet.

Mit dem Kauf von Flaschenpost wurde das hauseigene Getränkeunternehmen von Dr. Oetker obsolet. Die oft als billige Kopie verschriene Marke „Durstexpress“ soll bald verschwinden und komplett durch das Start-Up aus Münster* ersetzt werden. Dies teilte Flaschenpost am Mittwoch (20. Januar) in einer Pressemitteilung mit.

UnternehmenFlaschenpost
Gründung2016
SitzMünster

„Mitarbeiter sind stinksauer“: Hunderte Jobs durch Flaschenpost-Kauf in Gefahr

Wie die „Rheinische Post“ erfahren hat, soll Flaschenpost dabei jedoch ein gravierendes Detail ausgelassen haben: Im Zuge der Umstrukturierung werden demnächst wohl hunderte Mitarbeiter entlassen. So sollen die Durstexpress-Angestellte an den Standorten in Berlin, Leipzig und Bochum in den vergangenen Tagen über ihre Kündigung bereits informiert worden sein, wie auch ruhr24.de* berichtet.

„Die Mitarbeiter sind stinksauer. Der Umgang ist eine Frechheit“, wird Jörg Most, Geschäftsführer der NGG-Region Leipzig-Halle-Dessau zitiert. Wie viele Mitarbeiter genau um ihre Jobs bangen müssen, ist unklar. Die Berliner Morgenpost spricht gar von 1200 Stellen, die in Gefahr seien. Der Getränkelieferant aus Münster bestreitet jedoch einen Zusammenhang zwischen der Übernahme von Flaschenpost und der Schließung der bald ehemaligen Durstexpress-Standorte. Vielmehr werden die schlechte geografische Lage und die schwache Infrastruktur an den Standorten als Grund genannt.

Flaschenpost aus Münster schreibt negative Schlagzeilen

Das Start-Up hatte bereits vor der Übernahme von Dr. Oetker aus Bielefeld* für Negativschlagzeilen gesorgt. So sollen Mitarbeiter von Flaschenpost in der Vergangenheit massiv unter Druck gesetzt worden sein*. Des Weiteren wurde der Vorwurf laut, das Unternehmen biete seinen Mitarbeitern schlechte Arbeitsbedingungen, zahle Überstunden nicht aus und neige zu vorschnellen Kündigungen.

Flaschenpost expandiert nach der Übernahme von Dr. Oetker seinen Markt.

Mit dem Kauf von Flaschenpost wollte Dr. Oetker seinen Platz im Getränkehandel weiter zementieren – vor allem, nachdem das westfälische Unternehmen die eigene Marke „Durstexpress“ um Längen überholt hatte. Das in Münster entstandene Getränkeunternehmen soll demnächst über 29 Lager in 25 Städten in Deutschland verfügen. (*msl24, owl24 und ruhr24 sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.)

Rubriklistenbild: © Rolf Vennenbernd/dpa

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