Coronavirus

Neuinfektionen steigen wieder an: Politiker zweifeln an 35er Inzidenz

Wird ab einer Inzidenz von 35 gelockert? Und ist dieser Wert überhaupt noch zu erreichen? Die steigenden Neuinfektionen lassen daran Zweifel aufkommen.

Seit einigen Wochen ging es in Deutschland und auch in Ostwestfalen* in die richtige Richtung: Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus wurde von Tag zu Tag kleiner – auch die stetig sinkende 7-Tage-Inzidenz, der Indikator für weitere Lockerungen der Corona-Regeln*, schürte die Hoffnungen der Menschen. Bis jetzt.

Denn seit wenigen Tagen vermeldet das Robert-Koch-Institut (RKI) wieder einen leichten Anstieg der Neuinfektionen. Die Inzidenz ist wieder über 60 geklettert und liegt bundesweit momentan bei 61. Das RKI vermeldete am Montag (22. Februar) 4369 neue Corona-Fälle, nach Recherchen von „Zeit Online“, deren Angaben auf den Zahlen der Landkreise basieren, soll der Wert jedoch bei 6267 liegen. Nun gibt es Seitens der Politik auch Zweifel an der Zielsetzung der Bundesregierung.

VirusCoronavirus Sars-CoV-2
Bestätigte Fälle deutschlandweit2.394.515 (Stand: 22. Februar 2021)
Bestätigte Todesfälle deutschlandweit67.946 2.394.515 (Stand: 22. Februar 2021)

Inzidenz als entscheidender Faktor: Kritik an Bundesregierung

Vertreter von Bund und Ländern hatten beim vergangenen Corona-Gipfel* eine Inzidenz von 35 als Grenze gesetzt, ab der es in Deutschland wieder weitreichende Lockerungen geben soll – zuvor war stets ein Richtwert von 50 anvisiert worden (in Bielefeld* liegt die Inzidenz momentan bei 43,7). Anhand der nun steigenden Neuinfektionen mit dem Coronavirus* bezweifeln einige Politiker von SPD und FDP jedoch, dass der neu gesetzte Maßstab erreicht werden könne und fordern einen anderen Ansatz, der über Lockerungen entscheiden soll.

Johannes Fechner, rechtspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, betont, dass neben der Anzahl freier Intensivbetten in Deutschland auch die Fähigkeit der Gesundheitsämter, Infektionsketten nachzuvollziehen als Indikatoren hinzugezogen werden müssten. Vonseiten der Bundesregierung gilt bislang lediglich die 7-Tage-Inzidenz der entscheidende Faktor für Lockerungen. Auch FDP-Chef Christian Lindner hält diese Vorangehensweise für überholt.

Christian Lindner fordert Lockerungen in Städten mit niedriger Inzidenz

„Die alleinige Orientierung an den Zahlen 35 oder 50 wird dem Pandemie-Geschehen nicht gerecht“. Er fügte an: „Um Maßnahmen verhältnismäßig zu gestalten, müssen auch andere Messgrößen betrachtet werden. Wichtig ist zum Beispiel zu wissen, welche Altersgruppen sich infizieren, wie die Auslastung der Intensivstationen ist und wie tatsächlich die Nachverfolgung von Infektionsketten gelingt.“ Christian Lindner sprach sich zudem dafür aus, dass Städte mit niedrigen Inzidenzen die Maßnahmen lockern sollten.

Trotz Lockdown steigen die Inzidenzen in vielen Kreisen und Städten wieder an.

„Wir haben in Deutschland viele Städte und Landkreise, die schon deutlich unter der Inzidenz von 50 oder 35 sind. Da müsste schon jetzt sehr viel mehr erlaubt werden.“ In Münster* liegt die 7-Tage-Inzidenz schon seit einiger Zeit unter 30. Diskussionen über mögliche Lockerungen hatte es in der Stadt jedoch noch nicht gegeben. (*owl24 und msl24 sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.)

Rubriklistenbild: © Frank Rumpenhorst/dpa

Auch interessant

Kommentare