Covid-19

„Nix mit frei“: Bielefelder Gesundheitsamt erklärt Meldestau bei Corona-Zahlen

Kürzlich wurden aus Bielefeld (NRW) 16 neue Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus gemeldet – so viele wie noch nie seit Beginn der Pandemie. Das Gesundheitsamt klärt auf.

Update: 11. Januar. Das Bielefelder Gesundheitsamt hat noch immer mit dem Meldestau der vergangenen Tage zu kämpfen. Am Samstag (9. Januar) waren noch rund 250 Fälle offen, berichtet Radio Bielefeld. Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in der Stadt ist erneut gestiegen. In Bielefeld wurde beim Corona-Inzidenzwert die kritische Marke 200 überschritten*, Oberbürgermeister Pit Clausen entschied sich jedoch gegen die 15-Kilometer-Regel.

Corona in Bielefeld: Hauptgrund für den Meldestau war eine „dünne Personaldecke“

Update: 7. Januar, 10.30 Uhr. Die erschreckend schnell steigenden Corona-Zahlen, die am 6. Januar für Bielefeld gemeldet wurden, gingen auf einen Meldestau* seitens des Gesundheitsamtes zurück. Nun hat sich der stellvertretende Leiter der Institution, Norbert Wörmann, gegenüber Radio Bielefeld zu den Unregelmäßigkeiten geäußert. Demnach war der Hauptgrund für den Meldestau eine „dünne Personaldecke“ in Kombination mit einigen Krankheitsfällen. Im Klartext: Das Gesundheitsamt war unterbesetzt.

Entgegen der ersten Berichte betont Wörmann, dass man sich im Gesundheitsamt Bielefeld nicht einfach freigenommen hätte. Er bricht im gleichen Atemzug eine Lanze für seine Kollegen, die auch über die Feiertage durchgearbeitet hätten, um unter anderem die Corona-Infektionsnachverfolgung aufrechtzuerhalten. Die plötzlich stark angestiegenen Todesfälle hätten jedoch nichts mit dem Meldestau zu tun.

Nix mit frei, sondern wirklich durchgezogen.

Norbert Wörmann, Gesundheitsamt Bielefeld

Vielmehr ließen sich diese damit erklären, dass es viele Todesfälle, besonders in Altenheimen, in Bielefeld gab, bei denen zunächst eine Leichenschau abgewartet werden musste, bevor sie als im Zusammenhang mit dem Coronavirus verstorben deklariert und gemeldet werden konnten. Laut dem RKI werde es noch bis zum 17. Januar dauern, bis die Corona-Zahlen aus Bielefeld aufgearbeitet und wieder repräsentativ sind. Das ganze Interview gibt es bei Radio Bielefeld zu hören.

*Meldestau: Corona-Infektionszahlen müssen vom Gesundheitsamt in ein System eingegeben werden, welches diese an das Robert-Koch-Institut weiterleitet. Wenn dies nicht täglich passiert, verändern sich die veröffentlichten Zahlen und der Inzidenzwert wird niedriger angegeben, als er eigentlich ist.

16 neue Corona-Tote in Bielefeld: Zahlen sind mit Vorsicht zu betrachten

Bielefeld – Seit Beginn der Corona-Pandemie gab es innerhalb von 24 Stunden noch nie so viele im Zusammenhang mit dem Coronavirus verstorbene Personen in Bielefeld wie am Mittwoch (6. Januar). Insgesamt verzeichnet die Stadt damit 120 Todesfälle. Ein trauriger Rekord, der die Bürger den ebenfalls wieder ansteigenden Inzidenzwert noch schwerer verdauen lässt. Aktuell liegt die 7-Tage-Inzidenz in Bielefeld nämlich wieder bei 99,6 (Vortag: 87,1).

Doch die Zahlen stammen entgegen dem bisherigen Prozedere nicht aus den letzten 24 Stunden, sondern den letzten sieben Tagen. Dies hängt mit einem Melderückstau zusammen, der sich über die Feiertage gebildet hat und die Corona-Zahlen in Bielefeld verzerrt, wie owl24.de* berichtet. Die zuvor relativ niedrigen Zahlen wägten die Stadt also nur in einer trügerischen Sicherheit. Es ist damit zu rechnen, dass der Melderückstau im Laufe dieser Woche weiter aufgearbeitet wird, was zu schnell steigenden Fallzahlen führen könnte.

StadtBielefeld
Einwohner334.195
BundeslandNRW

Bielefeld (NRW): Corona-Ausbruch in Seniorenheim

Auch der Corona-Ausbruch in einem Seniorenheim des Johanneswerkes in Bielefeld* lässt die Infektionszahlen steigen. Aktuell sind 30 Bewohner des Dorothee-Sölle-Hauses infiziert. Dies bestätigte eine Sprecherin gegenüber der NW, betonte jedoch auch, dass die infizierten Personen keine Symptome aufweisen. Insgesamt wohnen in dem Haus 100 Menschen. Über ein weiteres Vorgehen wird nun mit der Stadt beraten.

Somit sind nach den momentan vorliegenden Daten 106 Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Bielefeld verzeichnet worden. Seit Beginn der Pandemie sind somit 7403 Personen infiziert worden. Nach runden Schätzungen des Landeszentrums Gesundheit NRW gelten 5300 davon wieder als genesen. Bundesweit meldet das RKI aktuell 21.237 Neuinfektionen und somit 1222 weniger als am Mittwoch vor einer Woche (30. Dezember). Jedoch ist auch hier die geringere Meldeaktivität über die Feiertage zu bedenken.

Coronavirus in Bielefeld (NRW): In einem Seniorenheim kam es zu einem Ausbruch (Symbolbild).

Corona-Zahlen in Bielefeld steigen: Der Impfstoff wird knapp

Zusätzlich zu den steigenden Coronavirus*-Zahlen in Bielefeld steht die Stadt in Ostwestfalen* vor einem weiteren Problem: Der Impfstoff wird knapp. Der Vorrat ist laut Angaben von Radio Bielefeld so gut wie aufgebraucht, nachdem 3600 Bewohner und Mitarbeiter in Alten- und Pflegeheimen geimpft wurden und die gleiche Menge noch einmal für die zweite Impfung benötigt wird.

Abgesehen davon steht der Stadt Bielefeld nur noch eine kleine Reserve für Pflegekräfte zur Verfügung. Doch es scheint Abhilfe in Aussicht zu stehen: Bereits am Freitag (8. Januar) sollen neue Lieferungen mit dem Corona-Impfstoff eintreffen. Die aktuell brenzlige Corona-Lage in NRW und ganz Deutschland hat Bund und Länder dazu veranlasst, am 5. Januar erneut zu tagen. Dabei wurden nicht nur strengere Kontaktbeschränkungen beschlossen, auch der Schul- und Kitastart wurde wegen des Corona-Lockdowns verschoben. (*Owl24.de und msl24.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes.)

Rubriklistenbild: © Emrah Gurel/dpa

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