Die Polizei fahndet nach den Tätern

"Wir sind Deutschland!": Übergriffe nach Nazi-Demo in Bielefeld

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Nach den Demonstrationen in Bielefeld kam es abends noch zu Auseinandersetzungen.

In Bielefeld kam es nach den rechten und linken Demonstrationen in der Stadt zu zwei brutalen Übergriffen. Dabei waren beide Lager beteiligt.

  • Schlägereien nach Nazi-Demo in Bielefeld
  • Vier Männer am Boulevard angegriffen
  • Mehrere Personen vor einer Bar ins Gesicht geschlagen 

Bielefeld – Am Samstag (09. November) kam es am Abend zu zwei heftigen Auseinandersetzungen. An diesem Tag marschierte "Die Rechte NRW" durch Bielefeld, um Solidarität mit der inhaftierten Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck zu zeigen. Die Polizei sprach in ihrer Abschlussbilanz davon, dass es alles in allem ein friedlicher Tag war. Dennoch kam es am Abend zu zwei offenbar politisch motivierten Schlägereien in der Stadt.

Vier Männer am Boulevard in Bielefeld angegriffen

Gegen 20.55 Uhr verließen vier Männer aus Berlin ein Restaurant am Boulevard. Zuvor hatten sie an der Demonstration der Rechten in Bielefeld teilgenommen. Als sie ins Freie traten, wurden sie zunächst von zwei Unbekannten angesprochen. Kurz darauf liefen etwa vier weitere Männer auf die Gruppe zu und schlugen und traten auf die Berliner ein. Eines der Opfer wurde mit einem Schirm geschlagen und fiel zu Boden. Daraufhin wurde weiter auf ihn eingetreten.

Der Mann wurde bei der Attacke zwar verletzt, wollte jedoch nicht medizinisch versorgt werden. Die anderen drei Mitglieder der Gruppe wurden offenbar nicht verletzt. Zeugen gaben an, dass sie kurz zuvor beobachtet haben, wie sich mehrere Personen am Boulevard in Bielefeld plötzlich mit Schals und Kapuzen vermummten und dann auf die Gruppe losgingen.

Polizei Bielefeld auf der Suche nach den Tätern

Nachdem die Polizei in Bielefeld erfolglos nach den Tätern gesucht hatte, erbittet sie nun Hinweise aus der Bevölkerung zu dem Vorfall. Wer kann Angaben zu den Tätern machen? Hinweise werden unter der Nummer 0521/54 50 entgegengenommen.

  • Alle Personen waren zwischen 20 und 25 Jahre alt
  • Normale bis schlanke Statur
  • Überwiegend eher geringe Körpergröße
  • Überwiegend dunkel gekleidet
  • Der Haupttäter war besonders klein und trug eine Skimaske mit Totenkopfaufdruck
  • Ein Täter trug eine rote Daunenjacke

"Wir sind Deutschland!" – Weitere Schlägerei nach Nazi-Demo in Bielefeld

Ein zweiter Zwischenfall, der offenkundig politisch motiviert war, geschah vor einem Lokal in der Alfred-Bozi-Straße in Bielefeld. Gegen 22.50 Uhr standen drei Männer (22, 25 und 29 Jahre alt) vor einem Lokal in der Nähe der Klosterstraße. Plötzlich öffnete sich die Tür der Lokalität und etwa 14 Männer kamen heraus. Kleidung und Auftreten ließ darauf schließen, dass sie der rechten Szene angehören. 

Dieser Eindruck bestätigte sich, als einer der Männer aus der Gruppe heraustrat und rief: "Wir sind Deutschland!" Anschließend ging er auf die drei Männer zu und schlug ihnen nacheinander ins Gesicht. Die Brille des 25-jährigen Mannes ging bei dem Schlag zu Bruch. Auch hier wurden alle drei Männer verletzt, verzichteten jedoch auf einen Krankenwagen. Der Täter floh nach der Attacke in Bielefeld unerkannt im Schutz der Gruppe stadtauswärts. In der JVA Bielefeld-Brackwede, in der Ursula Haverbeck ihre Strafe absitzt, wurde nun ein Häftling tot aufgefunden. Offenbar nahm der 60-Jährige sich selbst das Leben.

Rechter Schläger aus Bielefeld gesucht

Auch in diesem Fall hofft die Polizei Bielefeld auf Hinweise von Zeugen. Wer etwas beobachtet hat oder Angaben zu dem Täter machen kann, wird gebeten, sich unter der Nummer 0521/54 50 zu melden. Der Mann wird wie folgt beschrieben:

  • Etwa 30 bis 35 Jahre alt
  • Etwa 1,90 Meter groß
  • Glatze
  • Breite Statur
  • Mehrere Tätowierungen 
  • Dunkle Kleidung

Im Vorfeld der Demo hatte Innenminister Reul die Polizei Bielefeld kritisiert. Seiner Meinung nach sei nicht genug unternommen worden, um den rechten Aufmarsch zu verhindern. Wie schon im vergangenen Jahr legte die rechte Demo, sowie die rund 14 Gegenveranstaltungen, den Verkehr in der Innenstadt größtenteils lahm. Die Verkehrsbetriebe Bielefeld mussten die elektrischen Oberleitungen der Stadtbahnen abstellen, damit es bei dem Einsatz von Wasserwerfern nicht zu Kurzschlüssen kommt.

Wenig später wird bereits erneut in der Stadt in NRW demonstriert: Am 29. November kommt es zu einer Demo von "Fridays for Future" in Bielefeld. Doch neben dem üblichen Protestmarsch durch die Innenstadt haben sich die Aktivisten noch etwas überlegt.

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