Coronavirus in NRW

Tönnies-Mitarbeiter aus Bielefeld brechen Quarantäne-Regeln

Auch Arbeiter aus Bielefeld stehen wegen des Coronavirus-Ausbruchs bei Tönnies unter Quarantäne. Aber längst nicht alle halten sich an die Regeln.

  • Bei Tönnies im Kreis Gütersloh haben sich über 1500 Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert.
  • Die auferlegte Quarantäne gilt auch für 168 Angestellte mit Wohnsitz in Bielefeld.
  • Nicht alle scheinen sich jedoch an die Auflagen zu halten.  

Update: 26. Juni 12.15 Uhr. Die Stadt Bielefeld beschäftigt sich weiter mit dem massenhaften Coronavirus-Ausbruch bei Tönnies im Kreis Gütersloh. Aktuell schließt Oberbürgermeister Pit Clausen einen Lockdown für seine Stadt noch aus, da es hier aktuell nur 29 Coronavirus-Infektionen gibt. Die Verantwortlichen haben eine Allgemeinverfügung mit Quarantäne-Auflagen für Tönnies Beschäftigte herausgegeben, berichtete Radio Bielefeld.  

Vereinzelnd dürfen die Arbeiter aus Bielefeld trotz Quarantäne weiterhin zur Arbeit nach Rheda-Wiedenbrück fahren. Allerdings müssen sie einen negativen Test vorweisen können. Die Coronavirus-Situation in den Krisengebieten könnte sich nun allerdings weiter verschärfen: In Gütersloh und Beckum (NRW) sind mehrere Tönnies-Arbeiter offenbar aus der Quarantäne verschwunden und nun wird eine weitere Ausbreitung des Coronavirus befürchtet.

Erstmeldung: 22. Juni. Es ist ein herber Rückschlag in der eigentlich positiven Entwicklung der Corona-Krise in NRW und besonders in der Region OWL: Der Massenausbruch des Coronavirus bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück. Bereits über 1500 Mitarbeiter wurden positiv getestet. Die Belegschaft des Schlachtbetriebs wurde kollektiv unter Quarantäne gesetzt. 

Diese Vorsichtsmaßnahme betrifft insgesamt 168 Tönnies-Mitarbeiter, die in Bielefeld wohnen, ebenso wie alle Personen aus den betroffenen Haushalten. Doch bei einer am Sonntag (21. Juni) durchgeführten Kontrolle zeigte sich, dass offenbar nicht jeder die Lage ernst genug nimmt.

StadtBielefeld
BundeslandNordrhein-Westfalen (NRW)
Einwohner 339.842
HochschulenUniversität Bielefeld / FH Bielefeld

Die Corona-Krise bei Tönnies stellt die Bewohner der Region nun vor ungeahnte Probleme: Viele Urlaubs-Anbieter haben Buchungen von Personen aus dem Kreis Gütersloh wieder storniert.

Bielefeld: Quarantäne-Kontrolle bei Tönnies Mitarbeitern

Insgesamt 36 Beamte des Ordnungsamtes Bielefeld führten am Sonntag (21. Juni) eine Kontrolle durch, um zu überprüfen, ob sich die Tönnies-Mitarbeiter an die Coronavirus-Quarantäne hielten. Von den insgesamt 168 Adressen wurden am Sonntag 121 aufgesucht. Doch waren längst nicht alle davon zu Hause anzutreffen.

Bei 27 der 121 Anschriften standen die Beamten in Bielefeld vor verschlossenen Türen. Hier werden man erneut tätig werden und die Bewohner nochmals über die Dringlichkeit der Corona-Maßnahmen aufklären, heißt es. Derweil zeigte sich ein Großteil der kontrollierten Personen kooperativ und wartete bereits auf die Beamten. In einem Fall musste jedoch die Polizei zur Verstärkung bei der Personenkontrolle hinzugerufen werden. 

Zusätzlich deckte jüngst eine RTL-Reportage auf, unter welchen Bedingungen die Mitarbeiter bei Tönnies leiden. Eine Frau brach vor der Kamera in Tränen aus.

Nur 21 akute Corona-Infektionen in Bielefeld

Die Corona-Situation in Bielefeld bleibt derweil trotz der Tönnies-Krise entspannt. Akut sind nur 21 Personen mit dem Virus infiziert. Bis zum Sonntag (21. Juni) wurden keine Neuinfektionen gemeldet. Die Zahl der Bürger in Quarantäne stieg um 11 auf 89 an. Um den positiven Trend möglichst beibehalten zu können und keinen Ausbruch zu riskieren, muss Bielefeld auf vieles verzichten. 

Dazu gehört unter anderem die Aufstiegsfeier des DSC. Nach einer großartigen Saison gelang Arminia Bielefeld endlich wieder der Aufstieg in die 1. Bundesliga. Eine Einrichtung in der Stadt musste am Mittwoch (8. Juli) wegen Covid-19 geschlossen werden: In Bielefeld-Brackwede wurde in der Kita Brock ein Kind positiv auf das Coronavirus getestet und 77 Betroffene mussten sich in Quarantäne begeben.

Schweren Herzens wandte sich Bielefelds Oberbürgermeister Pit Clausen nun an die Bürger und Fußballfans und blickte auch auf den Fall Tönnies: 

"Corona-Zeit ist keine Party-Zeit! Der Virus ist noch da. Das haben wir gerade gestern in unmittelbarer Nachbarschaft in Rheda-Wiedenbrück drastisch miterlebt. Wir spüren das bis nach Bielefeld und wir müssen weiter vorsichtig sein. Eine Party, bei der zu Tausenden Menschen zusammenkommen, auch aus unseren Nachbarstädten, die passt jetzt einfach nicht in diese Zeit. Das kann ich nicht verantworten und das will ich auch nicht verantworten." Die ganze Videobotschaft des Oberbürgermeisters gibt es auf der Homepage der Stadt zu sehen

Wegen des Corona-Massenausbruchs bei Tönnies, musste die NRW-Landesregierung die Reißleine ziehen: Nachdem der Lockdown für den Kreis Gütersloh verkündet wurde und der Krisenstabsleiter Thomas Kuhlbusch zusammengebrochen war, spitzt sich die Lage in dem Risikogebiet weiter zu.

Ein TV-Star hat, nachdem Coronavirus-Ausbruch in zwei Landkreisen in NRW, mit einer Aktion für Aufregung gesorgt: Comedian Oliver Pocher hat sich für seine RTL-Show "Pocher - gefährlich ehrlich!" in Gütersloh als Clemens Tönnies ausgegeben und den Fleischkonzern auf die Schippe genommen.

Ein Freizeitpark in NRW hat sich eine nie da gewesene Rabatt-Aktion überlegt: Das Safariland Stukenbrock in Schloß Holte-Stukenbrock (Kreis Gütersloh) bedankt sich bei den Corona-Helfern mit einer großzügigen Aktion und lädt einige Berufsgruppen kostenlos in den Wildlife-Zoo ein.

Rubriklistenbild: © picture alliance/David Inderlied/dpa

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