Fall für Bundesgerichtshof

Messerstecherei endet tödlich – Staatsanwaltschaft ficht Urteil gegen 19-Jährigen an

Grabkerze. Symbolbild. 
+
Bei der Messerattacke in Bielefeld starb ein 17-Jähriger (Symbolbild)

Mit einem Messer tötete ein 19-Jähriger einen Jugendlichen. Das Landgericht Bielefeld verurteilte ihn – doch der Staatsanwaltschaft reicht das nicht.

Bielefeld/Karlsruhe – Wegen Totschlags und mehrere anderer Gewalttaten wurde der Angeklagte vom Landgericht Bielefeld zu einer Freiheitsstrafe von achteinhalb Jahren verurteilt. Des Weiteren muss sich der 19-Jährige in eine Entziehungsanstalt wegen Alkohol- und Drogenproblemen begeben. Doch die Staatsanwaltschaft hält diese Entscheidung nicht für Tat und Schuld angemessen.

Die Behörde kündigte an, gegen das Urteil Revision einlegen zu wollen. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft müsse der 19-Jährige, der an einer Stadtbahnhaltestelle in Bielefeld-Baumheide einen Jugendlichen (17) mit einem Messer erstochen hatte, wegen Mordes verurteilt werden. Der Ankläger zieht daher jetzt vor den Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe, um das Urteil auf Rechtsfehler prüfen zu lassen.

Stadt:Bielefeld
Einwohner:334.195 (31. Dezember 2019)
Bundesland:NRW

Bielefeld: Richter am Landgericht erkennen keine Mordmerkmale

Am Dienstag (19. Januar) war der Prozess gegen den Angeklagten zu Ende gegangen. Weil der 19-Jährige einen 17-Jährigen in Bielefeld gewaltsam tötete, muss er für mindestens achteinhalb Jahre ins Gefängnis. Die Große Strafkammer am Landgericht hatte ihn unter anderem für schuldig befunden, in der Nacht zum 1. Mai 2020 nahe seines Wohnortes an der Stadtbahnhaltestelle Schelpmilser Weg den Jugendlichen erstochen zu haben.

Doch das Gericht in Bielefeld verurteilte den Angeklagten wegen Totschlags. Mordmerkmale, wie sie in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft standen, sahen die Richter nicht erfüllt. Die Anklage sah hingegen das Mordmerkmal der Habgier beim 19-Jährigen als erfüllt an, weil er nach dem gescheiterten Raubversuch mit einem Küchenmesser auf sein Opfer eingestochen hatte. Der Jugendliche hatte zuvor die Herausgabe seiner Wertsachen verweigert.

Bielefeld: Staatsanwaltschaft legt vor dem Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe Revision ein

Die Staatsanwaltschaft gibt sich mit dem Urteil in Bielefeld nicht zufrieden. „Es wurde Revision eingelegt“, bestätigte der Sprecher des Landgerichts Guiskard Eisenberg auf Anfrage des Westfalen-Blatts. Die Behörde muss sich allerdings noch etwas gedulden. Bevor ihr der Schuldspruch nicht schriftlich vorliegt, kann sie sich nicht an das BGH in Karlsruhe wenden.

Neben der tödlichen Messerattacke ging es in dem Gerichtsverfahren am Landgericht in Bielefeld noch um weitere Delikte, die der Angeklagte 2019 begangen haben soll. Der damals 17-Jährige soll des Öftern nach Streitopfern gesucht haben, um diese grundlos zu schlagen. Die Richter kamen daher zu dem Entschluss, dass er nie auf die Beute seiner Opfer aus gewesen sei. Da dem 19-Jährigen auch Vergewaltigung einer Minderjährigen vorgeworfen wird, ist ein baldiges Wiedersehen vor Gericht nicht ausgeschlossen.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare