Streit in Bielefelder Tierklinik

Todkranker Hund eingeschläfert - Besitzerin zeigt Praxis an

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Nino wurde am 29. Juni in Bielefeld eingeschläfert.

Streit um "Nino": Eine Hundebesitzerin macht einer Bielefelder Tierklinik schwere Vorwürfe. Sie soll dort respektlos behandelt, angeschrien und sogar geschubst worden sein.

  • Hund in Bielefeld eingeschläfert
  • Besitzerin zeigt Praxis an
  • Tierarzt verteidigt Vorgehen

Bielefeld – Dulce S. aus Gütersloh musste sich von ihrem Hund "Nino" trennen. Der Bichon Frisé litt unter unheilbarem Blasen- und Prostatakrebs. Deswegen war es unvermeidlich, das Tier einschläfern zu lassen. Als sich Frau S. zu einer Behandlung an eine Tierklinik in Bielefeld wandte, ahnten beide Parteien wohl nicht, in welchem Chaos die Geschichte enden sollte.

Bielefeld: Der Fall "Nino"

Frau S. wandte sich an die Sozialfelle e.V., einen gemeinnützigen Verein, der unter anderem Tierhalter dabei unterstützt, medizinische Behandlungen zu bezahlen. Ihr wurde eine Praxis in Bielefeld empfohlen. Ein wesentlicher Faktor war aus Sicht von Frau S., dass Nino zu Hause eingeschläfert würde.

Nach einer knapp dreimonatigen Behandlung sollte Nino am Samstag, den 29. Juni eingeschläfert werden. Aus der Bielefelder Praxis hieß es, dass aufgrund der vielen Patienten und mangelnden Personals (eine Ärztin, ein Tiermedizinischer Fachangestellter) kein Hausbesuch möglich sei. Man könne einen Termin um 12 Uhr in der Praxis anbieten.

Frau S. machte sich aus Gütersloh auf den Weg in die Klinik nach Bielefeld. Da Nino zuvor zweimal sein Geschäft verrichtete, kamen sie erst gegen 12.30 Uhr an. Laut Frau S. war der Parkplatz leer. Bereits an der Tür wurde sie unwirsch begrüßt, dass es eine Unverschämtheit sei, jetzt erst zu erscheinen. Im Behandlungszimmer kristallisierte sich heraus, dass der Hund nun eingeschläfert werden müsse. In der Praxis. Ein Hausbesuch wäre definitiv nicht möglich, da noch eine Operation anstand.

Tierarzt aus Bielefeld schildert Situation

Aus Sicht der Tierklinik in Bielefeld liefen die Dinge etwas anders ab. Owl24 gegenüber schilderten sowohl der Chefarzt der Klinik, als auch der involvierte Herr vom Empfang ihre Version. Demnach sei Frau S. Anfang April mit Nino in der Praxis aufgetaucht. Der Arzt hätte zu diesem Zeitpunkt bereits dringend dazu geraten, den Hund einzuschläfern. Eine erfolgreiche Behandlung sei in jenem Stadium nicht mehr möglich und ein weiteres Herauszögern wäre gegen das Tierwohl. 

Frau S. bestand jedoch immer wieder darauf, die finale Injektion herauszuzögern. Aus ihrer Sicht hätte Nino ihr mit seiner Körpersprache mitgeteilt, dass er sich immer noch seines Lebens erfreute. Laut dem Bielefelder Chefarzt sei sie nur dann in der Praxis erschienen, wenn er selbst nicht zugegen war. Ab einem gewissen Zeitpunkt sah er sich gezwungen, jegliche weitere Behandlung zu unterbinden.

Die hohen Kosten (über 1000 Euro) der Behandlung wurden von Sozialfelle e.V. übernommen. Die Absprache, dass die Einschläferung nicht in der Praxis stattfinden sollte, war aus Sicht der Klinik lediglich ein Angebot: Sollte es zeitlich vereinbar sein, wäre es möglich, einen Hausbesuch zu machen.

Eklat in Bielefelder Tierklinik

Als die diensthabende Ärztin in der Praxis in Bielefeld den Venenzugang legen wollte, hielt Frau S. sie auf, da ihre Tochter anrief und fragte, ob sie kommen sollte. Also wurde gewartet. Als die Ärztin den Raum verließ, kam der Herr vom Empfang in den Raum und ging Frau S. an: "Das ist eine Unverschämtheit! Was bilden Sie sich ein?! Jetzt kommt auch noch jemand dazu und wir müssen hier warten!"

Kurz darauf verließ er den Raum, kam dann aber erneut herein und schrie laut Frau S.: "Was bilden Sie sich ein?! Das ist eine Unverschämtheit! Sie sind so unverschämt! Da kommt die um diese Zeit mit dem Hund hier hin! Was sind Sie für eine? Sie sind das aller letzte! Diese Zeit dadrüber erhalten Sie nicht umsonst, Sie werden hierfür eine sehr hohe Rechnung erhalten... Drehen Sie sich gefälligst um, wenn ich mit Ihnen rede...[sic]"

Laut Frau S. kam er danach bedrohlich nah an sie heran, schubste sie und hielt die Faust vor ihr Gesicht. Als er den Raum verließ und wenig später die Ärztin wiederkam, fragte Frau S., ob sie das Geschrei gehört hätte. Diese sagte daraufhin lediglich: "Nein, aber wenn was war, dann sollten wir es am Montag klären." Als ihre Tochter eintraf, wurde Nino die Injektion gesetzt. Um 13.57 Uhr war die Prozedur vorbei.

Bielefeld: Tierklinik erzählt andere Version

Laut Herrn W., dem Mann vom Empfang, sei es an besagtem Samstag nicht möglich gewesen, die Praxis in Bielefeld für einen Hausbesuch zu verlassen. Da die Injektion nicht mehr herausgezögert werden sollte, hätte es keine andere Möglichkeit gegeben, als den Eingriff vor Ort vorzunehmen. Herr W. betrat den Behandlungsraum, um Frau S. darauf hinzuweisen, dass ihre Inanspruchnahme des Notdienstes und ihr kontinuierliches Erscheinen außerhalb der regulären Öffnungszeiten eine hohe Rechnung nach sich ziehen würde und er sich nicht sicher wäre, inwiefern Sozialfelle e.V. dafür noch aufkommen würde. 

Seiner Aussage nach wurde daraufhin Frau S. laut und begann, ihn anzuschreien, worauf er in ähnlicher Weise reagierte. Der Fall scheint noch nicht beendet. Frau S. hat mittlerweile bei der Polizei Bielefeld Anzeige gegen Herrn W. wegen vorsätzlicher einfacher Körperverletzung erstattet. Zwischen beiden Parteien gab es seit dem Vorfall keinen Kontakt. 

Im Bielefelder Tierpark Olderdissen musste ebenfalls ein Tier erlöst werden. Eine kranke Wisent-Kuh wurde während des laufenden Betriebs erschossen. Obwohl dies nicht vor den Augen der Besucher geschah, wurde Kritik an dem Vorgehen laut. Beamte der Polizei Bielefeld fungierten vor Kurzem als Tier-Retter: Sie fanden eine kleine Eule, die völlig entkräftet war und retteten ihr das Leben.

Einen schrecklichen Fund machte ein Förster in Bielefeld: In einem Waldstück oberhalb des Tierparks Olderdissen fand er menschliche Knochen. Die Identität des Toten ist bereits geklärt.

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