Imageschaden für Projekt aus Bielefeld

"Mein Projekt ist sozial und unpolitisch" – Rollstuhlrampen-Gründerin fühlt sich von AfD instrumentalisiert

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Corina lässt Prince Osei Owusu eine "Arminia Bielefeld" Legorampe für den guten Zweck signieren.

Corina H. ist sauer und traurig. Die "Junge Alternative Bielefeld" startete einen Spendenaufruf für ihr Rollstuhlrampen-Projekt – ohne ihr Einverständnis. Sie distanziert sich klar von der Partei.

  • Projekt "Legorampen Bielefeld"
  • AfD startet Aufruf bei Facebook
  • Gründerin distanziert sich klar

Bielefeld – Corina H. ist selbst Rollstuhlfahrerin. Vor über einem Jahr gründete sie in Bielefeld das Projekt "Legorampen für Rollstuhlfahrer". Die Organisation sammelt Spenden von Legosteinen und baut daraus Rampen, um Häuser und Läden in der Stadt für Rollstuhlfahrer zugänglich zu machen. Ein soziales Projekt ohne finanziellen Hintergrund, welches in der Vergangenheit auch schon durch owl24.de unterstützt wurde.

"Junge Alternative Bielefeld" startet Spendenaufruf 

Zurzeit ist Corina H. leidgeplagt. Vor etwa acht Wochen wurde sie auf offener Straße geschlagen und landete sogar im Krankenhaus (owl24.de berichtete). Jetzt ist sie mit der "Jungen Alternative Bielefeld" aneinander geraten. Die zur AfD gehörende Gruppe machte vor Kurzem bei Facebook auf die Legorampen aufmerksam und rief zu Spenden auf. Corina H. wusste davon nichts. Als sie Wind davon bekam, distanzierte sie sich unmittelbar von der Partei und ihren Inhalten und bat die Betreiber, den Aufruf zu löschen.

Doch offenbar geschah das Gegenteil: Kurz nach ihrem Statement wurde der Spendenaufruf auf mindestens 11 weiteren AfD-zugehörigen Seiten geteilt. Teils auch privat. Der erste Gedanke, dass jegliche Werbung für dieses Projekt gut sei, wird schnell hinfällig, wenn Corina owl24.de gegenüber berichtet, dass ihr Projekt einen spürbaren Imageschaden davon getragen hat. So sind bereits einige Spender und Helfer abgesprungen, ein geplantes Rampenbauen mit Kindern auf dem Stiftsmarkt in Schildesche wurde abgesagt.

Gründerin des Bielefelder Projekts will weitermachen

"Ich war drauf und dran, das Projekt hinzuschmeißen", sagt die Bielefelderin owl24.de gegenüber. Doch sie will die Legorampen, in die sie so viel Energie gesteckt hat, nicht wegen diesem Zwischenfall aufgeben. "Mein Projekt ist sozial und unpolitisch", betont sie immer wieder. "Ich und mein Team fühlen uns von der AfD instrumentalisiert." 

Corina zieht in Betracht, rechtliche Schritte einzuleiten. Sie hofft, dass der Gang an die Öffentlichkeit dazu beiträgt, sie und ihre Organisation ganz klar von der AfD abzugrenzen. In einem Statement auf Facebook erklärt sie, warum es eine Farce ist, dass gerade die AfD ihr Projekt in Bielefeld unterstützt. Bei der Einstellung der Partei gegenüber behinderten Menschen vermutet sie, dass hier nur vordergründig für die gute Sache geworben wird: 

Nach dem starken Ergebnis der AfD in Sachsen und Brandenburg wurde in Bielefeld eine spontane Demo organisiert. Der Umzug gegen den Rechtsruck in der Gesellschaft verlief weitestgehend friedlich.

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