Ausschreitungen bei Einsatz

Rassismus beim Einsatz am Kesselbrink in Bielefeld? Polizei äußert sich

In Bielefeld kam es auf dem Kesselbrink bei einer Personenkontrolle zu Ausschreitungen. Die Polizeipräsidentin nahm zu den Rassismus-Vorwürfen Stellung.

  • In Bielefeld lief eine Personenkontrolle aus dem Ruder.
  • Die Polizisten wurden eingekesselt und bedroht.
  • Nun äußerte sich Polizeipräsidentin Dr. Katharina Giere zu den Vorwürfen.

Update: 9. Juni. Der viel beachtete Einsatz der Polizei Bielefeld auf dem Kesselbrink am Samstagabend (6. Juni) schlägt hohe Wellen. Nach der Kontrolle, die zu der gewaltsamen Festnahme eines Mannes aus Burkina-Faso führte, muss sich die Polizei nun Rassismus-Vorwürfe gefallen lassen. In einem Interview mit Radio Bielefeld weist die Polizeipräsidentin Dr. Katharina Giere diese Anschuldigungen konsequent zurück.

Polizeipräsidentin Dr. Giere: Kein Racial Profiling bei der Polizei Bielefeld

Zwar seien die Untersuchungen zu dem Einsatz am Kesselbrink noch nicht abgeschlossen, nach bisherigem Stand sei das Vorgehen jedoch gerechtfertigt gewesen. Giere macht deutlich, dass der Vorgang bei Menschen jeder Hautfarbe gleich abgelaufen wäre. Schon länger wird der Polizei Bielefeld vorgeworfen, am Kesselbrink "Racial Profiling" zu betreiben, also Personen ohne konkreten Hintergrund nur anhand ihrer Hautfarbe zu kontrollieren.

Polizeipräsidentin Giere weist diesen Vorwurf entschieden zurück. Grund der vermehrten Kontrollen sei, dass insbesondere die Drogenkriminalität auf dem Kesselbrink in Bielefeld immer mehr zunehme. Deshalb würde viel kontrolliert. Die Hautfarbe spiele dabei keine Rolle. Man wolle verhindern, dass sich dort eine feste Drogenszene etabliert.

Polizisten in Bielefeld Opfer von Anfeindungen

Giere macht in dem Interview ebenfalls deutlich, dass es aufgrund der momentanen Stimmung in der Bevölkerung immer häufiger zu Anfeindungen gegenüber Polizeibeamten käme – auch in Bielefeld. Grund sind die weltweiten Proteste gegen Polizeigewalt nach dem Tod des US-Amerikaners George Floyd. Giere betont, dass es nicht sein könne, dass die Polizei davor zurückweiche, kriminellen Aktivitäten nachzugehen, nur weil der vermeintliche Täter gegebenenfalls einen Migrationshintergrund aufweist.

Es ginge immer darum, nicht erst in der jetzigen Situation, sachgerecht zu handeln und immer so vorzugehen, dass das Verhalten gerechtfertigt ist und man im Nachhinein erklären kann, warum man auf eine bestimmte Weise gehandelt hat. Das ganze Interview von Radio Bielefeld mit Polizeipräsidentin Dr. Katharina Giere (7:08 Minuten) gibt es hier zum Nachhören.

Bielefeld: Kontrolle auf dem Kesselbrink läuft aus dem Ruder

Erstmeldung vom 8. Juni: Bielefeld – Der Vorfall ereignete sich am Samstag (6. Juni) auf dem bekannten Kesselbrink in Bielefeld (NRW). Gegen 23 Uhr fielen einem Team von Polizeibeamten vor einem geschlossenen Lokal eine Gruppe von sechs Männern auf. Diese saßen an den Tischen des Lokals, verhielten sich laut und hinterließen große Mengen Müll auf dem Boden. Da der Kesselbrink in Bielefeld ein bekannter Drogentreff in der Stadt ist, führten die Beamten vor Ort eine Personenkontrolle durch. Wie owl24.de* berichtet, lief diese jedoch schnell aus dem Ruder.

Stadt

Bielefeld*

Bundesland

Nordrhein-Westfalen (NRW)

Einwohner 

339.842

Hochschulen

Universität Bielefeld* / FH Bielefeld

Bielefeld (NRW): Tränengas bei Polizeieinsatz

Zu Beginn des Einsatzes auf dem Kesselbrink in  Bielefeld reagierte ein 23-jähriger Mann aus Burkina-Faso aggressiv. Er beleidigte die Polizisten und unterstellte ihnen rassistische Motive für die Kontrolle. Dem Mann wurde erklärt, dass man ihn nach seinen Papieren durchsuchen werde, sollte er nicht kooperieren. Als dieser daraufhin von einem der Polizisten an den Arm gefasst wurde, wehrte er sich heftig und versuchte, die Einsatzkräfte zu schlagen und zu treten. 

Es kam in der Folge zu einem Gerangel in dessen Verlauf der 23-Jährige auf den Boden gebracht und dort fixiert wurde. Die übrige Gruppe versammelte sich um den Einsatz und begann, die Beamten anzubrüllen und zu bedrohen. Aufgrund der Bedrohung sahen sich die Einsatzkräfte aus Bielefeld gezwungen, Verstärkung anzufordern. Zudem setzten sie Reizgas gegen die Gruppe ein. In den Sozialen Medien gehen die Darstellungen der Vorkommnisse wie zu erwarten weit auseinander: 

Nach dem Tod von George Floyd, der bei einem Polizeieinsatz in den USA starb, sind die Gemüter erhitzt*. In den USA protestieren seit nunmehr zwei Wochen jeden Tag tausende Menschen gegen Polizeigewalt und gegen Rassismus. Mittlerweile finden die Kundgebungen weltweit statt.

Einsatz in Bielefeld eskaliert: Polizist zieht Schusswaffe

Da die Bedrohungen durch die Gruppe immer intensiver wurden und die Männer mit Stühlen bewaffnet auf die Polizisten zugingen, sah sich ein Beamter gezwungen, seine Schusswaffe zu ziehen, um sich zu verteidigen. Daraufhin endeten die Bedrohungen durch die Gruppe. Doch inzwischen hatte sich eine Menge von etwa 50 Personen um den Einsatzort am Kesselbrink in Bielefeld versammelt. Die Menge wetterte lautstark gegen die Polizisten, bis schließlich mehrere Flaschen auf die Einsatzkräfte geworfen wurden, die den 23-Jährigen noch immer festhielten.

Weltweit finden momentan Demos gegen Polizeigewalt und die systematische Unterdrückung von Schwarzen statt – wie hier in Frankfurt.

Auch hier setzte die Polizei Reizgas ein, da mehrere Personen aus der Menge aggressiv auf die Beamten losgingen. In der Zwischenzeit traf die angeforderte Verstärkung in Form von 15 weiteren Streifenwagen am Kesselbrink in Bielefeld ein. So konnte die Lage langsam beruhigt und die Menschenmenge aufgelöst werden. Der Einsatz war gegen 23.30 Uhr beendet und der Festgenommene wurde zur Wache gebracht.

Einsatz in Bielefeld führt zu Demo gegen Polizeigewalt

Den 23-Jährigen aus Burkina-Faso, der bereits wegen kleinerer Drogendelikte in Bielefeld polizeibekannt ist, erwartet ein Strafverfahren wegen Widerstandes. Sowohl der Festgenommene, als auch die Polizeibeamten erlitten durch die Flaschenwürfe mehrere Schnittverletzungen. Ein 20-Jähriger aus Herford wurde wegen Flaschenwürfen in Gewahrsam genommen und wegen Landfriedensbruch angezeigt.

Die weitere Überprüfung und Auswertung des Einsatzes sind noch nicht abgeschlossen. Wegen der Vorfälle wurde noch in der Nacht für Sonntag (7. Juni) eine Kundgebung gegen Polizeigewalt auf dem Kesselbrink in Bielefeld angemeldet. Diese startete um 18 Uhr und verlief laut Angaben der Polizei weitestgehend friedlich und ohne nennenswerte Vorkommnisse.

Der Kesselbrink in Bielefeld ist auch regelmäßig Schauplatz von Corona-Demos*, bei denen sich Menschen gegen die aktuellen Auflagen in der Corona-Krise wehren. Nach einer der letzten Kundgebungen in Bielefeld wurden zwei Männer angegriffen und verletzt*. Die Polizei hat bereits eine Vermutung zu den Tätern.

Am 15. Juni kam es in der Stadt zu einem erneuten Zwischenfall: Auf dem Siegfriedplatz in Bielefeld kam es in einem Imbisswagen zu einer Explosion und bei der Verpuffung wurden mehrere Menschen zum Teil lebensgefährlich verletzt, wie owl24.de* berichtet. 

*Owl24.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes

Rubriklistenbild: © Christoph Soeder/dpa

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