Corona-Pandemie

Biontech aufgebraucht: Aktuell keine Erstimpfungen mehr im Impfzentrum Bielefeld

Bald wird in Deutschland die Impfpriorisierung aufgehoben. Dennoch ist die Chance auf eine Erstimpfung aktuell eher gering. Auch in Bielefeld wird der Impfstoff knapp.

Bielefeld – Am Montag (7. Juni) fällt die Impfpriorisierung in Deutschland komplett weg – sechs Monate nach der ersten Corona-Impfung hierzulande. Doch, was einerseits zu einer großen Entlastung in Form von weniger Papierkram und Bürokratie und einer schnelleren Durchimpfung der Bevölkerung führen soll, wird andererseits zum Problem.

Denn bereits nach dem Wegfall der Impfpriorisierung für Astrazeneca Anfang Mai folgte ein Ansturm auf die Termine in den Arztpraxen und Impfzentren. Der latente Mangel an Impfstoff tut nach wie vor sein Übriges und sorgt für Frust und Ungeduld bei impfwilligen BürgerInnen. Dieser Zustand wird nun noch einmal durch zwei Faktoren verstärkt: Der Wegfall der Impfpriorisierung für alle Vakzine und das Impfangebot für Kinder ab 12 Jahren, welches ebenfalls am 7. Juni beginnt. Schlagartig werden also noch mehr Menschen einen Impftermin wollen, als ohnehin bereits. Einzig die Anzahl des verfügbaren Impfstoffs wird nicht mehr.

Zu wenig Impfstoff: Keine Erstimpfungen mehr im Impfzentrum Bielefeld

Den akuten Impfstoffmangel merken die Verantwortlichen auch in Bielefeld. Im Interview mit Radio Bielefeld sagt Dr. Theo Windhorst, medizinischer Leiter des Bielefelder Impfzentrums, dass die großen Impfstoff-Lieferungen, die für Ende Mai erwartet wurden, ausgeblieben sind. Sie seien also weiterhin „zu knapp“. Demnach gebe es nun einen Erlass, der nur noch Zweitimpfungen erlaube. Für Erstimpfungen sei einfach nicht genug Vakzin vorhanden.

Die versprochenen Lieferungen seien, zumindest von Biontech*, erst Ende Juni zu erwarten. Mindestens in den kommenden zwei Wochen werde überhaupt kein Biontech geliefert. Auch in den Arztpraxen in Bielefeld zeigt sich laut Dr. Windhorst das gleiche Problem. Zwar gebe es hier kein Verbot von Erstimpfungen, dennoch seien die Kontingente viel zu gering. Zu den immer weiteren Gruppen, die von der Politik um Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU)* und NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) das „Go“ für ihre Impfung bekommen, hat Windhorst eine klare Meinung: Er vergleicht die Versprechen mit einer Wurst, die man einem Hund vor die Schnauze hält.

Wir wissen nicht, wie wir diese Versprechen erfüllen sollen.

Dr. Theo Windhorst, Impfzentrum Bielefeld
Im Impfzentrum Bielefeld ist der Biontech-Impfstoff zu knapp.

Dr. Windhorst vom Impfzentrum Bielefeld verteidigt Sonderimpfaktionen in Brennpunkten

Trotz des eklatanten Impfstoff-Mangels in Bielefeld und ganz Deutschland verteidigt der Experte die mobilen Sonderimpfungen in den Brennpunkten von Bielefeld. Diese seien dringend nötig und unglaublich wichtig. Möglich seien diese Aktionen vor allem, weil dafür lange im Vorhinein genug Vakzin eingeplant worden ist. Bei all dem Frust, den die Impfaktion aktuell in mit sich bringe, sei es für Windhorst jedoch positiv, dass es überhaupt so viele impfwillige Menschen gebe. (*Msl24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa | Friso Gentsch

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