Gerichtsverhandlung

Schwestern sollen 700.000 Euro erbeutet haben – Prozess beginnt mit Tränen

Zwei Schwestern aus Bielefeld und Delbrück sowie ihr Komplize aus Verl sollen mehrere Rentner um ihr Geld gebracht haben, indem sie sich als falsche Polizisten ausgaben. Die Rede ist von rund 700.000 Euro. Zum Prozessauftakt flossen Tränen.

Bielefeld – Falsche Polizisten sollen mindestens fünf Personen in und um Hamburg um ihre Ersparnisse gebracht haben. Der entstandene Schaden beläuft sich auf fast 700.000 Euro. Die mutmaßlichen Täter, zwei Schwestern (23 und 25 Jahre) aus Bielefeld und Delbrück und ein Mann (22) aus Verl müssen sich nun in einem Gerichtsverfahren verantworten. In den Betrugsfällen sollen sie als sogenannte Abholer fungiert haben. Zu Beginn des Prozesses brach eine der Angeklagten in Tränen aus.

Die Masche, die sie anwandten, ist allgemein bekannt: Betrüger geben sich als Polizisten aus, um an das Geld ihrer ahnungslosen Opfer, meist ältere Personen, zu gelangen. Den Seniorinnen und Senioren wird meist vorab am Telefon vorgegaukelt, dass ihre Ersparnisse in den Bankschließfächern nicht mehr sicher seien. Anschließend holt ein Team, bestehend aus zwei Personen, das Geld ab, um es an einen vermeintlich sicheren Ort zu bringen.

Stadt:Bielefeld
Einwohner:334.195 (2019)
BundeslandNRW

Bielefeld: Tränenreicher Prozessauftakt – Betrüger sollen 698.000 Euro erhalten haben

Durch ihre kriminellen Machenschaften sollen die mutmaßlichen Betrüger etwa 698.000 Euro erbeutet haben. Sie agierten überwiegend von der Türkei aus und erhielten von ihren Opfern Bargeld sowie Wertsachen, zum Beispiel teuren Schmuck. Nachdem die Justizbeamten die drei angeklagten am Mittwoch (27. Januar) in den Gerichtssaal am Landgericht in Bielefeld geführt hatten, brach die 23-jährige Angeklagte in Tränen aus.

Die Staatsanwaltschaft Bielefeld wirft den drei verdächtigen Personen vor, die Beute von den Opfern, die zwischen 73 und 85 Jahre alt sind, eingesammelt zu haben. Geld, Sparbücher, Gold, Silber und wertvolle Uhren sollen sie zu einem Komplizen nach Herne gebracht haben. Die Beute soll von da aus in die Türkei geschafft worden sein. „Die Bande ist straff organisiert“, hieß es in der Anklageschrift von Staatsanwältin Laura Hinz, wie das Westfalen-Blatt berichtet.

Bielefeld: Dreiste Masche – so hinterhältig agieren „falsche Polizisten“ in Deutschland

Mit Horrorgeschichten setzten die Betrüger ahnungslose und hilflose Menschen in Deutschland unter Druck. Sie rufen sie von türkischen Callcentern aus an und sprechen meist akzentfreies Deutsch. Erst wenn sie ihr Opfer völlig verunsichert haben, kommen die falschen Polizisten ins Spiel. Sie holen dann die Wertsachen ab.

Die Kriminellen sind in der Regel zu zweit und mit einem Mietwagen unterwegs. Einer der beiden sichert den Tatort ab, während der Komplize so schnell wie möglich die Beute der Opfer einsackt. Anschließend suchen die Betrüger ihr Depot auf, um die Wertsachen in die Türkei zu befördern. In der Region Izmir nahm die Polizei im vergangenen Jahr 39 Verdächtige aus den Reihen der Telefonbetrüger-Mafia fest. Auf etwa 105 Millionen Euro soll sich das sichergestellte Vermögen belaufen. Auch aus dem Münsterland* sind Fälle bekannt: In Bocholt haben Betrüger eine Rentnerin mit der gleichen Masche hereingelegt, um an ihr Geld zu gelangen.

In Bielefeld müssen sich drei Personen, die sich als Polizistinnen und Polizisten ausgaben und tausende von Euro ergaunerten, in einem Prozess verantworten.

Bielefeld: Prozess gegen „Falsche Polizisten“ – Urteil Ende Februar erwartet

Die beiden angeklagten Schwestern und ihr Komplize, denen aktuell der Prozess in Bielefeld gemacht wird, sollen ebenfalls im Auftrag der türkischen Bande aus Izmir gehandelt haben. Sie sollen vor allem Rentner in Bielefeld, Werther (Kreis Gütersloh) und Hamburg um ihr Vermögen gebracht haben.

Doch an einer Frau (89) aus dem Raum Paderborn scheiterte das Trio schließlich. Die Rentnerin wurde misstrauisch, kurz nachdem sie ihr komplettes Geld von ihrem Bankkonto abgeholt hatte und wandte sich an die Polizei. So flogen die Betrüger schließlich auf. Die drei Angeklagten wollen im Verlauf des Prozesses in Bielefeld Angaben zur Sache machen. Am 24. Februar soll dann das Urteil am Landgericht Bielefeld fallen.  (*Msl24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.)

Rubriklistenbild: © Martin Gerten/dpa

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