Infektionsgeschehen

Corona-Inzidenz über 200 – trotzdem kein Bewegungsradius für Bielefeld

Die neuen Coronavirus-Regeln treten in Kraft. In Bielefeld stieg der Inzidenzwert auf über 200. Dennoch gibt es keine Beschränkung des Bewegungsradius‘.

Update: 12. Januar. Eine überraschende neue Regel wurde quasi über Nacht in NRW eingeführt: In Städten mit einem Inzidenzwert von über 200 soll der Bewegungsradius von 15 Kilometern eingeführt werden. In der neuen Corona-Regionalverordnung des Landes steht, für welche Kreise dies gilt – Bielefeld ist jedoch nicht dabei.

Am Dienstag liegt der Inzidenzwert in Bielefeld bei 238,8. Damit ist der Inzidenzwert sogar höher als in Höxter, wo aufgrund der Zahlen vom Land NRW der Bewegungsradius eingeführt wurde. Dennoch bleibt Bielefeld von dieser Einschränkung verschont. Darüber hinaus gilt der Bewegungsradius für den Kreis Minden-Lübbecke, Recklinghausen und den Oberbergischen Kreis.

Bielefeld ist nicht die einzige Stadt mit Hotspot-Status, in der der Bewegungsradius nicht eingeführt wurde. Auch in Gelsenkirchen und Bottrop liegt der Inzidenzwert bei über 200. Das Land NRW erklärt, dass die Maßnahme nur dort zum Tragen kommt, wo ein „diffuses Infektionsgeschehen“ beobachtet wurde – also dort, wo nicht klar eingegrenzt werden kann, woher die Infektionen stammen.

„Das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales steht mit den betroffenen Kommunen im direkten Austausch und klärt im Vorfeld, ob es sich um ein flächendeckendes oder ein klar eingrenzbares Infektionsgeschehen handelt“, heißt es zur Erklärung der Regionalverordnung in NRW. In Bielefeld ist die Corona-Situation demnach offenbar eingrenzbar. In diesem Artikel lesen Sie mehr zum Bewegungsradius in NRW.

Corona-Inzidenz über 200 – kommt der Bewegungsradius für Bielefeld?

Erstmeldung: 11. Januar. Bielefeld – Die Zahl der gemeldeten Coronavirus-Fälle hat sich deutlich erhöht. Für die Stadt Bielefeld meldete das Robert Koch Institut (RKI) am Montagmorgen (11. Januar) einen Inzidenzwert von 211,6. Demnach wurden 32 Neuinfektionen registriert. Bundesweit gelten ab jetzt strengere Corona-Maßnahmen. Doch von einer Regel hält Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD) nichts.

StadtBielefeld
Einwohner334.195 (31. Dezember 2019)
BundeslandNRW

Coronavirus in Bielefeld: Melderückstau im Gesundheitsamt – etwa 250 Fälle sind noch offen

Inwiefern die aktuellen Corona-Zahlen das tatsächliche Infektionsgeschehen in Bielefeld widerspiegeln ist derzeit ungewiss. Über die Weihnachtsfeiertage sowie den Jahreswechsel blieben etwa 450 Fälle unbearbeitet. Bis zum Wochenbeginn sollte der Melderückstau am Bielefelder Gesundheitsamt eigentlich abgearbeitet sein. Doch am Samstag (9. Januar) sollen noch rund 250 Fälle offen gewesen sein.

In den vergangenen zwei Tagen wurden bloß 32 Corona-Infektionen registriert. Geht man davon aus, dass auch neue Infektionen in Bielefeld aufgetreten sind, scheint der Abbau des Melderückstaus nicht groß vorangekommen zu sein. Die schärferen Corona-Regeln, die in manchen Bundesländern bereits am Wochenende in Kraft traten, gelten nun auch für Nordrhein-Westfalen. In der neuen Corona-Schutzverordnung des Landes NRW wurde die Einschränkung des Bewegungsradius auf 15 Kilometer jedoch nicht explizit erwähnt. Pit Clausen begrüßt einen Großteil der neuen Maßnahmen, übte aber auch Kritik.

Neue Corona-Regeln in Bielefeld – Pit Clausen gegen Einschränkung des Bewegungsradius‘ auf 15 Kilometer

Seit Beginn der Coronavirus-Pandemie* wurden in Bielefeld bislang 7.898 Corona-Infektionen registriert. Zuletzt war der Corona-Inzidenzwert in der Stadt deutlich gestiegen und deshalb begrüßte Oberbürgermeister Pit Clausen den überwiegenden Teil der neuen Maßnahmen, die Bund und Länder bei der letzten Videokonferenz am Dienstag (5. Januar) verkündet hatten. „Die Verlängerung des Lockdowns bis Ende Januar ist notwendig“, sagte der Oberbürgermeister angesichts der hohen Corona-Neuinfektionen.

„Einen eingeschränkten Bewegungsradius auf 15 Kilometer, wie er zwischen Bund und Ländern verabredet wurde, sieht Clausen kritisch“, wie Radio Bielefeld bereits am Freitag (8. Januar) berichtete. In Bielefeld soll diese Maßnahme nicht umgesetzt werden. Alle anderen Regeln gelten aber nun. Dazu zählt beispielsweise die Kontaktreduzierung auf eine haushaltsfremde Person. Ausnahmen gibt es jedoch bei der Betreuung von Kindern. Die Person, die einen anderen Hausstand besucht, darf die Kinder des eigenen Hausstandes mitbringen. Die „Begleitung und Beaufsichtigung minderjähriger und unterstützungsbedürftiger Personen“ ist in NRW ebenfalls erlaubt.

Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD) aus Bielefeld kritisiert einen Teil der neuen Corona-Regeln.

Coronavirus: Bislang 136 Menschen aus Bielefeld gestorben – Corona-Impfung soll beschleunigt werden

136 Menschen aus Bielefeld sind bisher an beziehungsweise mit dem Virus Sars-CoV-2 gestorben. Etwa 5.700 Bielefelder gelten als genesen. Auch in den Krankenhäusern der Stadt ist die Lage nach wie vor ernst. Aktuell werden 117 Patienten behandelt, 42 davon auf einer Intensivstation und 28 auch unter Beatmung. Die Nachbarstadt Gütersloh hob die Ausgangssperre für die Menschen nun auf, dennoch bleibt die Situation auch hier angespannt. Noch drastischer sieht die Lage jedoch im südöstlichen Teil von OWL aus. Im Kreis Höxter liegt der Inzidenzwert am Montag bei 261,0 – der höchste Wert in ganz NRW. 

Das RKI meldet derzeit bundesweit 12.497 Corona-Neuinfektionen. Vor einer Woche waren es noch 2.650 weniger. Die Corona-Impfungen in Deutschland sollen nun beschleunigt werden. Die EU hat 300 Millionen Impfdosen bei Biontech nachbestellt und reagierte damit auf die zunehmende Kritik. Das Corona-Impfzentrum in Bielefeld ist startklar, hat jedoch, wie alle anderen Institutionen damit zu kämpfen, dass es aktuell noch nicht genügen Impfstoff für alle gibt. Die Coronavirus-Mutationen* sollen die Wirkung des Serums voraussichtlich nicht beeinträchtigen (*Msl24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.)

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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