Ein kritischer Kommentar zur aktuellen Entwicklung

Bielefeld: Mehrere Coronavirus-Demos in OWL – Mann (30) verhaftet

In Bielefeld und anderen OWL-Städten gab es Corona-Demos. Bei einer Gegenveranstaltung kam es zu Ausschreitungen. Die Polizei nahm eine Person fest. 

  • In Bielefeld wurden weniger Corona-Demos abgehalten, als zunächst angemeldet.
  • Auf einer. Gegen-Demo der "Antinationalen Linken Bielefeld" zeigte ein Störenfried den Hitlergruß.
  • Unser Redakteur sieht das Phänomen der Corona-Demos kritisch.

Update, 18. Mai. Die Polizei Bielefeld ist zufrieden mit dem Verlauf der Corona-Demonstrationen im Stadtgebiet. Anstatt der ursprünglich angemeldeten sieben Veranstaltungen fanden letztlich nur drei statt: Auf dem Jahnplatz, dem Siegfriedplatz und dem Kesselbrink. Auf letzterem wollte ursprünglich auch das Bündnis "Grundrechte OWL" demonstrieren, zog die Anmeldung jedoch zurück, wie die NW berichtet, um nicht mit einer Demonstration der "Antinationalen Linken Bielefeld" zu konkurrieren. 

Die Demo der linken Szene war als Gegenveranstaltung zu den Corona-Demos der vergangenen Wochen in Bielefeld geplant. Unter dem Thema "Gutes Leben für alle statt Verschwörungsideologie und Sterben für den Profit" demonstrierten etwa 120 Menschen friedlich und unter Einhaltung der Hygiene-Auflagen auf dem Kesselbrink.

Gestört wurde die Demo in Bielefeld jedoch von einem mutmaßlich aus dem rechten Lager stammenden Mann (30). Dieser beleidigte die Rednerin und zeigte anschließend den Hitlergruß. Er wurde umgehend abgeführt und festgenommen. Ihn erwartet eine Anzeige wegen des Verwendens von Symbolen verfassungswidriger Organisationen

Bielefeld: Umstrittene Corona-Demos geplant

Erstmeldung vom 15. Mai. Bielefeld – Bereits zum dritten Mal kommt es an diesem Wochenende zu Corona-Demos in der Stadt. Viele Bürger fühlen sich durch die momentanen Auflagen wie Kontaktverbot und Maskenpflicht in ihren Grundrechten eingeschränkt. Dagegen gehen die Menschen nun immer öfter auf die Straße.

Bielefeld: Fünf Corona-Demos am Samstag

Am Samstag (16. Mai) finden fünf Kundgebungen in Bielefeld statt, die von der Polizei besonders beobachtet werden. Darunter die Demos am Kesselbrink, am Jahnplatz und am Siegfriedplatz. Die Demonstrationen sind grundsätzlich erlaubt, vorausgesetzt, der Mindestabstand wird eingehalten und die Anzahl von 50 Teilnehmern wird überschritten. Auch am Sonntag (17. Mai) wollen sich erneut Menschen zu Corona-Demos auf dem Kesselbrink treffen. 

Am vergangenen Wochenende klappte das und die Corona-Demo auf dem Kesselbrink in Bielefeld verlief augenscheinlich friedlich. Die Polizei hielt sich im Hintergrund und musste nicht eingreifen. Bei der ersten Kundgebung vor zwei Wochen sah das anders aus: Da waren statt der angemeldeten 40 am Ende knapp 150 Menschen erschienen. Teilweise wurde keine Maske getragen und der Mindestabstand nicht eingehalten, weshalb Polizei und Ordnungsamt die Versammlung auflösten.

Derweil lösen sich die Auflagen zum Coronavirus in Bielefeld: Bald dürfen die Freibäder wieder öffnen. Wir sagen, was Besucher beim Schwimmbadbesuch beachten müssen. Die Öffnung der Freibäder in Bielefeld ist Teil der kürzlich beschlossenen weiteren Lockerungen der Corona-Auflagen in NRW, die Bund und Länder jüngst bekannt gaben.

Corona-Demos: Schulterschluss mit Rechten? Ein Kommentar

Viele Demonstranten, die im Zuge der Corona-Demos, wie die in Bielefeld, für ihre Grundrechte auf die Straße gehen, tun dies aus nachvollziehbaren Gründen und haben ein Recht dazu, gegen Zustände zu demonstrieren, die sie nicht hinnehmen wollen. Gefährlich wird es jedoch, wenn Neonazis und Verschwörungstheoretiker diese Gruppierungen unterwandern. Populisten und Demokratie-Gegner nutzen die allgemeine Unsicherheit der Bevölkerung aus und locken mit kruden Theorien.

Denn diese Theorien liefern immerhin einen Schuldigen: Sei es China, das Judentum, Bill Gates oder sonst wer. Hauptsache, man hat ein Feindbild, auf das man sauer sein kann. Die logische Begründung für die aktuelle Situation, nämlich, dass das Coronavirus auf den Menschen übergesprungen ist und sich nun im Zuge einer Pandemie ausbreitet, bietet kaum Angriffsfläche für jedermanns Wut über die Situation. Deshalb werden Feindbilder aufgebaut, da angeprangert werden können. Ein hochgefährliches und leider allzu bekanntes Phänomen.

Abstand? Fehlanzeige. Eine Corona-Demo in Stuttgart.

Nun gibt es viele Menschen, die auch auf den Demos ihre Maske tragen und den Abstand wahren. Diese wollen lediglich ihren Unmut über die Umsetzung und die Verhältnismäßigkeit der Corona-Maßnahmen ausdrücken. Doch dass sie, wie am letzten Wochenende in Dortmund, Schulter an Schulter mit polizeibekannten Rechtsextremen demonstrieren, wissen viele nicht. Es ist grundsätzlich immer gut, Dinge zu hinterfragen und sich zu informieren, aber:

In einer Situation wie dieser, in der Wissenschaftler fast täglich ihre Erkenntnisse zum Coronavirus mit der breiten Öffentlichkeit teilen, ist es sinnvoll, auf diese Leute zu vertrauen. Sie haben über Jahre hinweg eine Expertise aufgebaut, die uns allen nun nützt. Auch, wenn uns viele Ergebnisse der Forschung nicht gefallen und die daraus resultierenden Maßnahmen noch weniger. 

Es gilt, auf Menschen zu hören, die sich auf seriöse Quellen beziehen und selbst zum Thema forschen. Ein YouTube Video eines vermeintlichen Experten zu schauen oder sich auf Facebook zu "informieren" reicht bei solch komplexen Themen wie dem Coronavirus nicht aus. Also: Bleibt wachsam, hört auf die Experten, nehmt Rücksicht aufeinander. Nehmt euch kein Beispiel an einer Gruppe von Männern, die nach einer Corona-Demo in Bielefeld zwei Teilnehmer angriffen und verletzten.

Rubriklistenbild: © picture alliance/Boris Roessler/dpa

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