Recherche Kollektiv deckt auf

Bielefelder Bundeswehr-Reservisten nehmen an rechtsextremer Demo teil

Wie das Recherche Kollektiv Ostwestfalen kürzlich aufdeckte, nahmen offenbar leitende Bundeswehr-Reservisten an einer Demo der rechtsradikalen Partei „Der Dritte Weg“ teil.

Bielefeld/Berlin – Die Demo fand am 3. Oktober 2020 in Berlin Hohenschönhausen statt. Etwa 300 Personen nahmen an der Veranstaltung der rechten Kleinstpartei „Der Dritte Weg“ teil. Darunter befanden sich offenbar auch zwei Bundeswehr-Reservisten aus Bielefeld. Die beiden traten mit „Division Ostwestfalen“-Kleidung auf, auf der unter anderem das Hermannsdenkmal* vor einer Reichsflagge zu sehen ist.

Bundeswehr-Reservisten bilden in Deutschland quasi das Bindeglied zwischen Zivilisten und Soldaten. Den Mitgliedern des Reservistenverbandes, der zu einem Großteil durch Steuern finanziert wird, steht die Möglichkeit zu, sich militärisch aus- und fortbilden zu lassen. Dazu gehören Schießtrainings und eine Ausbildung im waffenloser Selbstverteidigung, wie owl24.de* berichtet.

StadtBielefeld
Einwohner334.195
BundeslandNRW

Bielefeld: Bundeswehr-Reservisten hetzen im Internet

Bei den beiden Männern, von denen auch Fotos bei der rechten Demo in Berlin geschossen wurden, handelt es sich um zwei Reservisten in leitenden Positionen. Einer von ihnen, Michael R., ist Obergefreiter der Reserve und seit 2019 Vorsitzender der Reservistenkameradschaft RK 36 Alt-Bielefeld, welche innerhalb des Verbandes der Reservisten der Deutschen Bundeswehr organisiert ist.

Sein Begleiter auf der Nazidemo in Berlin war Heinz K., der vor etwa 10 Jahren selbst Vorsitzender der RK 36 Alt-Bielefeld in Ostwestfalen* war. Beide sind auch in den sozialen Netzwerken aktiv, wo sie unter anderem gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Migranten und „Gutmenschen“ hetzen. Bereits im Juni 2020 wurde eine radikale Reservistengruppe ans Licht gebracht, die sich auf einen bewaffneten Rassenkrieg vorbereiten wollte. Der Präsident des Reservistenverbandes versicherte, dass Maßnahmen ergriffen werden würden und Personen mit extrem rechter Gesinnung aus dem Verband ausgeschlossen würden, wie das Recherche Kollektiv Ostwestfalen berichtet. Offenbar ein Lippenbekenntnis.

Eine Kundgebung der rechtsextremen Partei „Der Dritte Weg“ in Berlin-Lichtenberg teil.

Rechte Bundeswehr-Reservisten aus Bielefeld: Verband nimmt Stellung

Nachdem die eindeutigen Verbindungen der beiden Reservisten aus Bielefeld aufgedeckt worden sind, fordert das Recherche Kollektiv, dass sich der Präsident und die Vorsitzenden des Reservistenverbandes nicht nur klar zur Demokratie in Deutschland bekennen, sondern auch, dass RK 36 Alt-Bielefeld aufgelöst wird. Eine „Überprüfung, welche Kenntnisse die anderen Teile der Kreisgruppe Bielefeld von den extrem rechten Zuständen in der RK36 hatten“, müsse sich anschliessen, heißt es auf Twitter.

Derweil nahm der Reservistenverband in Berlin Stellung zu den Vorfällen und zeigte sich schockiert. In einer Stellungnahme gegenüber dem WDR heißt es:

„Es ist traurig und schockierend zugleich, dass einzelne Mitglieder nur vorgeben, für die freiheitlich-demokratische Grundordnung einzustehen und damit tausende Reservistinnen und Reservisten diskreditieren, die sich für unsere offene Gesellschaft engagieren.“ 

Reservistenverband der Bundeswehr in Berlin

Man habe den Sachverhalt rund um die Reservisten aus Bielefeld* an die Bundeswehr weitergeleitet und will diesen auch selbst prüfen. Der Verband behalte sich anschließend „vereinsrechtliche Maßnahmen“ vor. (*Owl24.de und msl24.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes.)

Rubriklistenbild: © Jörg Carstensen/dpa

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