Prozess in Bielefeld

Neues Urteil im Pausenbrot-Fall von Schloß Holte-Stukenbrock – Richter verdoppelt geforderte Summe

Ein neues Urteil ist im Pausenbrot-Prozess gefallen: Klaus O. aus Senne, der die Brote seiner Arbeitskollegen vergiftete, muss Schmerzensgeld zahlen. Das Gericht verdoppelte die geforderte Schadenssumme.

  • Im Pausenbrot-Fall von Schloß Holte-Stukenbrock ist ein neues Urteil verkündet worden.
  • Klaus O. muss seinen Opfern ein hohes Schmerzensgeld zahlen.
  • Das Gericht verdoppelte den geforderten Geldbetrag.

Bielefeld/Schloß Holte-Stukenbrock/NRW – Das Arbeitsgericht in Bielefeld hat im sogenannten Pausenbrot-Prozess ein neues Urteil verkündet. Klaus O. aus Senne, der die Pausenbrote von drei seiner Arbeitskollegen in Schloß Holte-Stukenbrock vergiftet hat, muss mehr als eine Million Euro Schmerzensgeld an die Familien von zwei seiner Opfer zahlen. Bereits im März vergangenen Jahres war der Angeklagte in einem Prozess am Bielefelder Landgericht zu lebenslanger Haft bei Feststellung der besonderen Schwere der Schuld und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden.

StadtBielefeld
Fläche257,8 km²
Einwohner333.090 (2016)
BürgermeisterPit Clausen

Pausenbrot-Prozess in Bielefeld: Klage erfolgreich – Richter verdoppelt Schadenssumme

Udo B. und die Familie des Arbeitskollegen Nick N., der durch die Vergiftung der Pausenbrote in Schloß Holte-Stukenbrock nach drei Jahren im Koma Anfang des Jahres verstorben war, hatten geklagt. Sie forderten von Klaus O. eine hohe Schadenssumme. Das Arbeitsgericht in Bielefeld sprach dem Kläger schließlich 500.000 Euro zu. Die Familie des Verstorbenen bekommt 580.000 Euro.

Klaus O. aus Senne hat die Pausenbrote seiner Arbeitskollegen in Schloß Holte-Stukenbrock vergiftet (Symbolbild).

In dem Prozess am Bielefelder Landgericht hatte der Angeklagte die Taten bestritten. Bis heute beteuert er seine Unschuld. „Es gibt in der Justiz keinen vergleichbaren Fall“, erläuterte der Vorsitzende Richter Sebastian Kauschke das Urteil. Die Höhe der Schadenssumme musste das Gericht daher nach eigenen Maßstäben bemessen, berichtete das Westfalen-Blatt am gestrigen Dienstag (28. Juli). Durch die Vergiftung der Pausenbrote haben die Opfer lebenslang mit psychischen und körperlichen Folgen zu kämpfen. Ermittelt wird derweil noch in diesem Fall: Ein Pärchen tötete Kadir A. aus Bielefeld und verscharrte seine Leiche auf einem Friedhof.

Pausenbrot-Prozess in Bielefeld: Stimmen nach der Urteilsverkündung

Das Urteil ist total erfreulich“, kommentierte die Rechtsanwältin der Opfer, Mady Meiners den Richterspruch. Udo B. war bei der Urteilsverkündung nicht im Gerichtssaal. Wegen einer schweren Nierenerkrankung, die durch die Vergiftung der Pausenbrote in Schloß Holte-Stukenbrock verursacht wurde, gehört er während der Corona-Pandemie zur Risikogruppe. Stattdessen nahm seine Mutter die erfreuliche Botschaft in Empfang.

Fraglich ist jedoch, wo das Geld herkommen soll, denn Klaus O. wird im Gefängnis nicht sonderlich viel verdienen können. Das WB zitiert die Anwältin Meiners dazu wie folgt: „Wir sehen jetzt, was wir für Vollstreckungsmöglichkeiten haben. Ich habe da eine gewisse Hoffnung.“ Strafverteidiger Torsten Giesecke, der Klaus O. vor Gericht vertritt, findet die Schadenssumme zu hoch. Möglicherweise wird er das Urteil vom Arbeitsgericht in Bielefeld anfechten und mit seinem Mandanten in Berufung gehen.

Derweil fahndet die Polizei nach einem Räuber: Der Mann soll in Bielefeld ein Paar attackiert und beraubt haben. Es wurde ein Fahndungsfoto veröffentlicht.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/Friso Gentsch

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