Corona-Pandemie

Häufige Nebenwirkungen bei AstraZeneca – Krankenhäuser stoppen Impfungen

Wegen Nebenwirkungen stoppen mehrere Krankenhäuser die Impfungen des Personals mit dem AstraZeneca-Impfstoff. Experten empfehlen die Impfungen jedoch weiterhin.

Minden-Lübbecke – Gleich mehrere Meldungen dieser Art kursieren derzeit in den Medien: In Braunschweig, Emden und in Minden-Lübbecke meldeten Krankenhäuser vermehrt Impfreaktionen und Nebenwirkungen bei geimpften Klinik-Mitarbeitern, die das AstraZeneca-Vakzin verabreicht bekommen hatten.

In Minden-Lübbecke in Ostwestfalen* (NRW) war vor allem das Rettungsdienst-Personal betroffen. Von 187 Mitarbeitern entwickelten 15 „grippeähnliche Symptome“, wie das Westfalen-Blatt berichtete. Die Personen waren kurzzeitig arbeitsunfähig und mussten sich krankmelden. (Mehr zum Thema Zweitimpfung mit dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca erfahren Sie bei owl24.de.)

Impfstoff mit AstraZeneca – Vermehrte Impfreaktionen bei Klinik-Personal

Auch in Niedersachsen lief es ähnlich ab: So stoppte das Herzogin-Elisabeth-Hospital in Braunschweig vorübergehend die Impfungen des Personals mit dem AstraZeneca-Vakzin. Von 88 geimpften Mitarbeitern hatten sich 37 wegen Impf-Reaktionen krankgemeldet, wie die Welt berichtet. Ähnliche Vorfälle gab es in Emden, sodass der Landkreis Leer die Impfungen der Klinik-Mitarbeiter ebenfalls vorübergehend aussetzte.

Neben NRW und Niedersachsen führte die Impfung mit dem AstraZeneca-Impfstoff auch in weiteren Bundesländern zu vermehrten Impf-Reaktionen bei den Patienten. Auch in Hamburg meldeten sich mehrere medizinische Mitarbeiter nach der Impfung mit AstraZeneca krank, wie 24hamburg.de* berichtet. Im Saarland hatten bei einem „Sondertermin“ am Samstag 50 Prozent der Impfpatienten aus dem medizinischen Bereich sogar ihren Termin platzen lassen, wie die Ärztezeitung berichtet. Die saarländische Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU) führt dies auf die Skepsis gegenüber des Vakzins von AstraZeneca zurück.

Impfstoff von AstraZeneca – Schweden und Südafrika treten von Vakzin zurück

In einem anderen EU-Land sind die Zweifel an der Sicherheit und Wirksamkeit ebenfalls groß: So stoppte die Regierung in Schweden die Impfung mit dem Astra-Zeneca-Impfstoff, wie die Kollegen von merkur.de* berichten. Der Grund sei eine „überraschende Häufung“ von Nebenwirkungen in zwei Kliniken.

Auch die panafrikanische Gesundheitsbehörde Africa CDC rät vom Einsatz des AstraZeneca-Impfstoffs ab, wie die Ärztezeitung berichtet. Diese Empfehlung beziehe sich auf Regionen in Südafrika, in denen die Mutation B.1.351 vorherrsche. Das Vakzin von AstraZeneca weise laut einer Studie nur einen minimalen Schutz vor leichten und moderaten Erkrankungen auf. Laut WHO gebe es jedoch keine Hinweise darauf, dass es keinen Schutz vor schweren Krankheitsverläufen gebe, und empfiehlt weiterhin den Einsatz des Wirkstoffes.

AstraZeneca: Skepsis wächst – welche Nebenwirkungen treten auf?

Häufige Nebenwirkungen beziehungsweise Impf-Reaktionen des AstraZeneca-Impfstoffes sind laut dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) vor allem Reaktionen an der Einstichstelle sowie körperliche Beschwerden. Impf-Reaktionen sind jedoch zunächst völlig normal und klingen in der Regel auch schnell wieder ab. In der Studie seien zudem nur vereinzelt schwere Erkrankungen aufgetreten, dabei habe es keine Unterschiede zwischen den geimpften Personen und der ungeimpften Kontrollgruppe gegeben, heißt es weiter. „Es gibt bisher keine Hinweise darauf, dass es durch die Impfung zu schweren Nebenwirkungen kommt.“ (Auf msl24.de* lesen Sie mehr zu den Nebenwirkungen und Empfehlungen zum mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer*.)

Schmerzen an der Einstichstelle ((Schmerzen, Druckempfindlichkeit, Rötung oder Schwellung)bei 75 Prozent der Probanden
Körperliche Beschwerden (Erschöpfung, Kopfschmerzen, Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit, Muskelschmerzen)bei 73 Prozent der Probanden

Drosten und Lauterbach setzen weiterhin auf Impfungen mit AstraZeneca

Während die Skepsis gegenüber dem Coronavirus*-Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers AstraZeneca wächst, meldeten sich mehrere Experten zu Wort, die sich für Impfungen mit dem Wirkstoff aussprechen. Unter anderem betonte Virologe und Corona-Experte Christian Drosten, dass das Vakzin ein wichtiger Bestandteil im Kampf gegen die Pandemie sei: „Wir haben in Deutschland die Chance, frühzeitig aus dieser Pandemie herauszukommen. Das kann im zweiten Quartal plötzlich Schlag auf Schlag gehen.“ Es müsse nun unbedingt „in der Breite“ geimpft werden. Dabei sollte die Politik auch auf das AstraZeneca-Vakzin setzen und nicht nur auf Biontech/Pfizer, so der Virologe der Berliner Charité. Der Wirkstoff sei besonders für die Corona-Impfung beim Hausarzt* geeignet, da sich dieser besser aufbewahren ließe.

Es gibt immer ein Haar in der Suppe, und manche schauen da mit einem Vergrößerungsglas drauf – das sollte man nicht tun. Man sollte eher überlegen, was man selbst beitragen kann im Kampf gegen die Pandemie.

Christian Drosten, NDR-Podcast „Das Coronavirus-Update“
Laut Christian Drosten sei der Impfstoff von AstraZeneca besser als sein Ruf.

Auch der Epidemiologe und Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (SPD) setzt weiterhin auf den Impfstoff: „Astra Impfstoff kann bei meisten Mutationen schwere Verläufe und Tod verhindern, vielleicht bei allen“, schrieb der SPD-Politiker auf Twitter. Er selbst werde sich mit dem Impfstoff von AstraZeneca impfen lassen: „Ich werde ab Ende Februar auch regelmäßig als Impfarzt in Leverkusen mitarbeiten. Das gesamte Team, auch ich, werden uns mit dem Astra Impfstoff impfen. Wir vertrauen ihm.“ Lauterbach reagierte mit seinen Äußerungen auf eine Meldung des Handelsblattes, wonach der Chef des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, von einer Impfung des medizinischen Personals mit dem AstraZeneca-Vakzins abrate. Dies hatte Montgomery zuvor im Gespräch mit der Rheinischen Post geäußert.

Wie wirksam und sicher ist der Impfstoff von AstraZeneca?

Wer sich mit dem Wirkstoff von AstraZeneca impfen lässt, der reduziert sein Risiko, an Covid-19 zu erkranken, um 60 Prozent. Zudem soll der AstraZeneca-Impstoff die Wahrscheinlichkeit eines schweren Verlaufes reduzieren. Zum Vergleich: Die Wirksamkeit des Vakzins von Biontech/Pfizer liegt bei 95 Prozent, die des Moderna-Impfstoffes bei 94 Prozent.

Trotz der vergleichsweise niedrigeren Wirksamkeit betonen Experten, dass alle Impfstoffe, die durch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) zugelassen wurden, auch dementsprechend wirksam und sicher seien. Dies bestätigte auch Klaus Cichutek, Chef des Paul-Ehrlich-Institutes, bei einem Pressetermin zur Pandemie-Lage mit Jens Spahn. Alle zugelassenen Vakzine würden bei der Bekämpfung der Pandemie helfen. „Im Alltag wird es für die meisten Menschen keinen nennenswerten Unterschied machen, welchen Impfstoff sie bekommen haben“, sagt zudem der Immunologe und Infektiologe Leif Erik Sander gegenüber der Zeit.

Vor allem die Ausbreitung der Coronavirus-Mutationen* wird derzeit in Europa und weltweit mit Sorge beobachtet. Auch in NRW wurden bereits mehrere Fälle der neuen, ansteckenderen Varianten entdeckt. So hatte ein Ausbruch in Hamm für einen Großeinsatz der Polizei gesorgt.* Auch vor dem Hintergrund der Gefahr durch die Mutationen forderte nun Jens Spahn kostenlose Corona-Schnelltests für alle Bürger*.

Am 9. März 2020 ist in einer Stadt in Ostwestfalen ein junger Mensch verstorben. Die Person wurde rund zwölf Tage vorher geimpft. Ein Gutachten der Uni Münster* und der Uni Greifswald ergab nun, dass der Tod der 32-jährigen Frau aus Herford im Zusammenhang mit dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca steht. (*Msl24.de, 24hamburg.de und merkur.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.)

Rubriklistenbild: © Owen Humphreys/dpa/dpa-Bildfunk

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