DSC-Coach

Von Memmingen bis auf die große Fußballbühne: Arminia-Trainer Frank Kramer im Portrait

Seine Lehr­gangs­prü­fung zum Fuß­ball­trainer schloss er als Klassenbester ab. Jetzt trainiert er den Bundesligisten Arminia Bielefeld. Wir stellen Frank Kramer vor.

Viele Menschen rieben sich wohl verwundert die Augen, als Anfang März 2021 verkündet wurde: Frank Kramer wird neuer Trainer bei Arminia Bielefeld. Der 48-Jährige löste damit Uwe Neuhaus ab, der den DSC in der Vorsaison zur Zweitliga-Meisterschaft und der ersten Bundesliga-Saison nach neun Jahren geführt hatte.

Es ist bislang noch kein großer Name, den Frank Kramer in der deutschen Trainerriege trägt. Große Spuren hat er bislang noch nicht hinterlassen. Dennoch wird seine bisher geleistete Arbeit von vielen Experten geschätzt. Wer ist der heutige Trainer von Arminia Bielefeld und wo kommt er her? Wir blicken auf die Vita des DSC-Coaches zurück.

NameFrank Kramer
Geboren3. Mai 1972
GeburtsortMemmingen
Größe1,80 Meter

Ausbildung und Familie: Das Leben des Frank Kramer

Am 3. Mai 1972 wurde Frank Kramer im Memmingen (Bayern) geboren. Er ist Sohn von Rosemarie und Kurt Kramer, der in der schwäbischen Stadt als Fußball-Legende gilt. Er ist Ehrenmitglied und Ehrenspielführer des heutigen Regionalligisten FC Memmingen. In den 70er Jahren trainierte der Vater des heutigen Übungsleiters von Arminia Bielefeld den FCM. Später coachte er den Nachwuchsbereich des Vereins und war danach als Funktionär tätig. Im Dezember 2015 verstarb Kurt Kramer im Alter von 76 Jahren.

1991 machte Frank Kramer sein Abitur in seiner Geburtsstadt und besuchte die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Dort studierte er von 1995 bis 2000 Sport und Englisch auf Lehramt. Im Anschluss absolvierte er den zweijährigen Erweiterungsstudiengang „Didaktik des Deutschen“. Schon früh wusste er, welchen beruflichen Weg er einschlagen wolle: „Mein Berufswunsch stand schon früh fest, denn mein Vater war Hauptschullehrer“, sagte der Trainer von Arminia Bielefeld einmal in einem Interview.

Nach seinem Studium war Frank Kramer als Gymnasiallehrer und als Sportdozent an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen tätig. Im Jahr 2013 absolvierte der heute 48-Jährige dann die Ausbildung zum Fußballlehrer an der Hennes-Weisweiler-Akademie. Diese schloss er als Jahrgangsbester ab. Als eine „schöne Aner­ken­nung“ bezeichnete er die Auszeichnung einige Jahre später in einem Interview – es sei jedoch keine Erfolgsgarantie für das Pro­fi­ge­schäft. Der gebürtige Memminger hat zwei Brüder – Jürgen und Markus. Zudem ist er verheiratet und hat zwei Kinder.

Die Fußballkarriere von Frank Kramer

Von 1992 bis 1993 spielte Frank Kramer zunächst für seinen Heimatverein FC Memmingen. Mit 21 Jahren wechselte er zu den Amateuren des FC Bayern München. Dort kam er erstmals in der Verlängerung der 2. Runde des DFB-Pokals am 24. August 1993 gegen den SV Darmstadt 98 zum Einsatz. Das Spiel gewannen die Münchener mit 2:1. Beim FCB kam er insgesamt auf 27 Einsätze und erzielte dabei zwei Tore.

1995, nach nur einem Jahr, wechselte Frank Kramer zum TSV Vestenbergsgreuth – nach erneut nur einem Jahr sowie 39 Einsätzen schloss er sich dem SC Weismain an. Es folgten drei Spielzeiten bei der zweiten Mannschaft des 1. FC Nürnberg (1999 bis 2001) sowie eine Saison bei der Zweitvertretung des fränkischen Rivalen SpVgg Greuther Fürth. Dort kam er auf 27 Spiele und erzielte dabei einen Treffer.

Nach einem kurzen Intermezzo beim SC Feucht (2002 bis 2003) kehrte Frank Kramer zurück nach Fürth. Zwei Jahre dauerte seine letzte Station als Spieler bei den Kleeblättern an, die zu seiner erfolgreichsten gehörte. 54 Einsätze bekam der heutige Coach von Arminia Bielefeld und traf dabei 14 Mal. Mit 33 Jahren beendete er seine Spielerkarriere.

Frank Kramer: Seine Stationen als Trainer

In seiner letzten Saison als Spieler der SpVgg Greuther Fürth II war Frank Kramer auch als Spielertrainer tätig. Nach dem Ende seiner Karriere übernahm er das Amt des U19-Trainers der Kleeblätter, das er vier Jahre lang innehatte. Zwischen 2009 und 2011 zeichnete er sich für dann die zweite Mannschaft der Fürther verantwortlich, ehe der Wechsel nach Sinsheim folgte. Von 2011 bis 2013 coachte er die zweite Mannschaft des Bundesligisten TSG Hoffenheim. In der Zeit durfte er sich dann zwei Spiele auf höchster Bühne beweisen.

Nachdem Markus Babbel in Hoffenheim entlassen wurde, ersetzte ihn Frank Kramer für zwei Spiele an der Seitenlinie. Beide Partien (gegen Borussia Dortmund und den HSV) gingen verloren. Anschließend ging der heutige Trainer von Arminia Bielefeld zurück zur Reserve, bis er 2013 das Amt des Cheftrainers bei seinem ehemaligen Verein SpVgg Greuther Fürth übernahm, der damals Tabellenletzter in der Bundesliga war.

Nach dem Abstieg erreichte Frank Kramer in der anschließenden Zweitligasaison mit seiner Mannschaft den dritten Rang und qualifizierte sich für die Relegation zur Bundesliga. In zwei Spielen traten die Fürther gegen den HSV an, der die Bundesliga als Tabellen-16. beendet hatte. Aufgrund der Auswärtstor-Regel, die Spiele endeten 0:0 und 1:1, verpassten die Franken den Aufstieg ins Oberhaus. „Das war ein Spiegel­bild der Saison: Uns hat die letzte Prä­zision gefehlt. Das ist natürlich brutal schade“, sagte er einige Zeit später über die verpasste Chance.

2015 wurde Frank Kramer in Fürth entlassen und anschließend vom Zweitligisten Fortuna Düsseldorf engagiert. Die Erwartungen an ihn, vor allem in Sachen Jugendförderung, konnte der heute 48-Jährige jedoch nie erfüllen. Nach nur drei Siegen in 15 Ligaspielen wurde der gebürtige Memminger entlassen. Seine Beurlaubung wurde in der Rheinischen Post damals wie folgt kommentiert: „Es ist ein bisschen so wie in einem Physik-Hörsaal. Der Dozent, ein anerkannter Fachmann, hat eine komplizierte und beeindruckende Versuchs-Apparatur aufgebaut, die seine Studenten, die Uni-Leitung und die Fachpresse staunend betrachten. Alles ist bereit und zuversichtlich, dass das Modell Aufsehen erregen und drängende Energieprobleme lösen kann – doch als der Dozent auf den Knopf drückt, fließt kein Strom. Kein Lämpchen brennt, kein Zeiger schlägt aus, am Ende der Apparatur kommt nichts an. Und niemand weiß warum. An diesem Punkt ist das ‚Physik-Modell‘ Fortuna angekommen. Der in der Theorie so vielversprechend aussehende Versuch mit Trainer Frank Kramer, seinem erfahrenen Assistenten Peter Hermann und einigen namhaften, wenn auch zuletzt nicht mehr in der ersten Reihe agierenden Spielerverpflichtungen hat in der Praxis schlichtweg nicht funktioniert.“

Frank Kramer ist nach einigen Trainerstationen 2021 bei Arminia Bielefeld gelandet.

Wechsel zum DFB: Frank Kramer und die Deutschen U-Nationalmannschaften

Nach seiner Entlassung bei der Fortuna wurde Frank Kramer als Nachwuchstrainer beim Deutschen-Fußball-Bund (DFB) engagiert. Zunächst trainierte er die U19-Auswahl. Nachdem das Team in der Gruppenphase der EM 2017 ausgeschieden war, wechselte er zur U20. Nach sieben Einsätzen ging es danach zur U18, wo er ebenfalls sieben Mal als Coach an der Seitenlinie stand.

Frank Kramer bei RB Salzburg

Seinem Engagement als Nachwuchstrainer beim DFB folgte ein Jahr bei der U19 des österreichischen Erstligisten RB Salzburg. Zudem übernahm Frank Kramer die Leitung des Nachwuchsleistungszentrums. Nach nur einem Jahr wurde die Zusammenarbeit jedoch wieder beendet. „Der 48-jährige Deutsche verlässt die Red Bull Fußball Akademie nach einem Jahr und etlichen beachtlichen Erfolgen, wie u. a. dem Einzug in das Viertelfinale der UEFA Youth League“, erklärte der Verein damals in einer Pressemitteilung.

Der Wechsel nach Ostwestfalen: Frank Kramer wird Trainer von Arminia Bielefeld

Nachdem Arminia Bielefeld unter Uwe Neuhaus in die Bundesliga aufgestiegen war, rutsche das Team in der Hinrunde in die Abstiegszone ab. Nach 23 Spieltagen gaben die Ostwestfalen* schließlich die Trennung vom 61-Jährigen bekannt. Nur einen Tag später wurde Frank Kramer beim DSC vorgestellt. Bei seinem neuen Arbeitgeber soll der 48-Jährige die jungen Spieler des Bundesligisten fördern. Seine vorherigen Stationen beim DFB und im Nachwuchs von RB Salzburg hatten die Verantwortlichen der Arminia davon überzeugt, dass er dafür besser prädestiniert sei als sein Vorgänger.

„Wir haben mit Frank Kramer überzeugende Gespräche geführt und freuen uns auf die gemeinsame Aufgabe, unsere Mannschaft in allen Bereichen weiterzuentwickeln. Frank ist ein vielschichtiger Trainer mit reichlichen Erfahrungen im Profi- und Nachwuchsbereich“, kommentierte Samir Arabi, Sportdirektor von Arminia Bielefeld, die Verpflichtung des Trainers. Dessen neuer Stil wurde schon im ersten Spiel für seinen neuen Verein deutlich.

Frank Kramer ließ bei Arminia Bielefeld direkt zu Beginn einen anderen Fußball spielen, der mehr auf Ballbesitz ausgelegt war. Zudem setzte er junge Spieler wie Arne Maier ein, die unter seinem Vorgänger kaum zum Zuge kamen. Nachdem die Ostwestfalen in den ersten beiden Partien unter dem neuen Trainer noch ohne Sieg und Tor geblieben waren, gelang dem Team am 25. Spieltag die Überraschung.

Bei Bayer Leverkusen feierte Frank Kramer seinen ersten Sieg als Trainer von Arminia Bielefeld. Das darauffolgende Spiel gegen RB Leipzig in der SchücoArena verlor der DSC jedoch (0:1). Nach 26 Spieltagen belegt der DSC Rang 17 der Bundesligatabelle – dies würde am Ende der Saison den direkten Abstieg in die Zweite Liga bedeuten. Bis 2023 ist Frank Kramer vertraglich an die Ostwestfalen gebunden – auch bei einem möglichen Abstieg würde der Verein an seinem jetzigen Coach festhalten. (*msl24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa | Friso Gentsch

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