Vorstoß des Bayern-Bosses

„Ich finde es erbärmlich“: Scharfe Kritik an Rummenigges G15-Gipfel ohne Arminia

Es brodelt in der Bundesliga: Nach einem einberufenen Treffen von Karl-Heinz Rummenigge, zu dem unter anderem Arminia Bielefeld nicht eingeladen war, wird die Kritik am Bayern-Boss laut.

Bielefeld – Auch ohne Bundesliga-Spiele gibt es in Deutschlands höchster Spielklasse derzeit reichlich Diskussionsbedarf. Grund ist der von Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge spontan einberufene „G15-Gipfel“ am Frankfurter Flughafen, bei dem fast alle Klubs über die Verteilung der Fernsehgelder diskutierten. Brisanz erhielt das Treffen dadurch, dass einige Vereine nicht eingeladen wurden – unter anderem Arminia Bielefeld.

Grund: Neben Arminia Bielefeld hatten sich auch der VfB Stuttgart, der FSV Mainz 05 und der FC Augsburg sowie die Zweitligisten in einem Positionspapier für eine Umverteilung der TV-Gelder ab der Saison 2021/2022 ausgesprochen. Dadurch sollten vor allem den finanziell klammeren Vereinen mehr vom Topf zukommen. Für Karl-Heinz Rummenigge glich dies wohl einem Vertrauensbruch, weswegen er auf seine eigene Weise konterte – indem er die besagten Klubs von seinem einberufenen Gipfel ausschloss.

VereinArminia Bielefeld
StadionSchücoArena
TrainerUwe Neuhaus

G15-Gipfel ohne Arminia Bielefeld: Scharfe Kritik an Rummenigge

„Ich glaube, wir sind gut beraten, wenn wir keine Impulspapiere in diese Republik zu anderen Klubs schicken wie das leider bei anderen Klubs in der Vergangenheit passiert ist“, hatte der Vorstandsvorsitzende des Rekordmeisters das Vorgehen unter anderem von Arminia Bielefeld scharf kritisiert. Nun hagelt es jedoch harsche Kritik in Richtung Rummenigge.

Andreas Rettig, ehemaliger Geschäftsführer der Deutschen-Fußball-Liga (DFL), erklärte gegenüber „Sky“: „Sollte ruchbar werden, dass man andere Gedanken hat als der FC Bayern oder Kollegen, dann könnte das ja dazu führen, dass man zukünftig auch Persona non grata wird und von allen anderen Dingen ausgeschlossen wird.“ Den „G15-Gipfel“ des Bayern-Vorstandes in Abwesenheit von Arminia Bielefeld und drei anderen Bundesligavereinen bezeichnete Rettig als „Muskelspiele“.

Karl-Heinz Rummenigge (M), Vorstandsvorsitzender der FC Bayern München AG, gibt im Anschluss an ein Treffen der Fußball-Clubs im Airport Center am Frankfurter Flughafen ein Statement ab.

Ex-Coach von Arminia Bielefeld reiht sich in Kritik ein

Besonders unglaubwürdig mache sich Rummenigge, so Rettig, durch seine Doppelmoral. Schließlich habe der Rekordmeister „in Sachen europäischer Superliga oder in der Kirch-Krise nicht nur geheime Gespräche geführt, sondern auch geheime Verträge abgeschlossen. Also dass jemand mit dieser Vita sich dann so aus dem Fenster lehnt, das muss ich sagen, entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie.“ Auch ein ehemaliger Trainer von Arminia Bielefeld schlägt in die selbe Kerbe.

Ewald Lienen, der als Spieler und Trainer bei den Ostwestfalen* aktiv war, schoss in seinem Podcast „Der Sechzehner“ scharf gegen das Vorgehen von Karl-Heinz Rummenigge. „Es ist doch völlig normal, dass andere auch mal eine andere Meinung haben, damit muss man sich abfinden. Es ist natürlich schwer für Karl-Heinz zu akzeptieren, dass wir uns in einer Demokratie befinden. Wenn ich bei Bayern München bin und mir kommt das Geld aus den Ohren raus“, erklärte Lienen und legte nach: „Ich finde das erbärmlich.“

G15-Gipfel ohne Arminia Bielefeld und Co. auch in den Medien in der Kritik

Auch der Zeitpunkt des „G15-Gipfels“ in Frankfurt stößt bei den Kritikern negativ auf. Aufgrund der Coronavirus-Pandemie* müssen viele Vereine auf wichtige Einnahmen verzichten. Vor allem für Klubs wie Arminia Bielefeld, die nicht auf Rosen gebettet sind, stellt die derzeitige Situation eine echte Herausforderung dar. „Sie können doch in der jetzigen Situation nicht hier das Säbelrasseln machen, wo Leute um ihre Existenz sich Gedanken machen“, äußerte Andreas Rettig sein Unverständnis über das Vorgehen des Bayern-Vorstands.

Auch seitens der deutschen Presse hagelt es Kritik an Rummenigge. Die „Augsburger Allgemeine“ bezeichnete den Vorstandsboss als „arroganten Schnösel“. Das Magazin „11 Freunde“, dessen Chefredakteur Fan von Arminia Bielefeld ist, ging noch weiter und ordnete das geheime Treffen als „eine sicht­bare Macht­de­mons­tra­tion des Bun­des­liga-Estab­lish­ments, vor allem des Bayern-Chefs Rum­me­nigge“ ein. Es sei ein absurd anmu­tender PR-Termin für Karl-Heinz Rum­me­nigge“ gewesen. Die an dem Gipfel beteiligten Bundesligisten hätten zudem „zuge­lassen, dass diese Zusam­men­kunft zahl­reiche Kol­la­te­ral­schäden hin­ter­lässt“.

Rubriklistenbild: © Roland Weihrauch/dpa

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