Kampagne von Fußballprofis

„Ich werde dich finden und dann breche ich dir deine Beine“: Amos Pieper und die Hassnachrichten

Hass im Internet ist kein neues Phänomen. Dennoch wählten jetzt einige Fußballer einen besonderen Weg, um auf das Problem aufmerksam machen. Unter anderem auch ein Spieler von Arminia Bielefeld.

Bielefeld – In der Anonymität des Internets fühlen sich viele Menschen stark. Hass und Cybermobbing sind seit Jahren ein Problem, das das Internet mit sich bringt. Auch Prominente sehen sich diesem Hass ausgesetzt. In einer neuen Kampagne haben nun einige Fußballprofis, darunter Amos Pieper von Arminia Bielefeld, darauf aufmerksam gemacht.

„Cybermobbing ist ein Problem, das unsere gesamte Gesellschaft betrifft. Was sich einige Menschen hinter anonymen Profilen erlauben, ist weit unter der Gürtellinie, manchmal sogar im strafrechtlichen Bereich“, sagte Toni Kroos, Weltmeister und Profi bei Real Madrid. Auch er bekommt solche Nachrichten geschickt. „Ich hoffe, du stirbst in der Hölle“, schrieb ihm jemand. Diese Nachrichten haben nun 14 Profis im Rahmen der Aktion vorgelesen.

VereinArminia Bielefeld
StadionSchücoArena
Gründung1905

Arminia Bielefeld: Profis gegen Hass im Internet

Initiiert hat die Aktion die Agentur Sports360. „Hass ist keine Meinung. Hate Speech und Cybermobbing sind zu einem gravierenden Problem unserer heutigen Gesellschaft geworden. Und es kann jeden treffen, ob jung oder alt“, heißt es zu der Kampagne seitens der Agentur. Fußballprofis würden im Netz, ob auf Instagram, Facebook oder Twitter, ständig mit diesem Hass konfrontiert. „Sie werden beleidigt und bedroht.“ Dies bekam auch Amos Pieper von Arminia Bielefeld zu spüren.

Der Verteidiger der Ostwestfalen* ist in dem fast zweiminütigen Video ebenfalls zu sehen. „Ich werde dich finden und dann breche ich dir deine Beine, sodass du nie wieder Fußball spielen kannst“, schrieb ihm jemand über die sozialen Medien. Besonders schlimm traf es Ron-Robert Zieler von Arminia Bielefelds Konkurrent, dem 1. FC Köln. Ihm wurde in einer Nachricht nahegelegt, es „wie Enke“ zu machen. Der ehemalige Nationaltorwart litt jahrelang an Depressionen und hatte sich 2009 vor einen Zug geworfen.

Kampagne soll auf Problem aufmerksam machen

„Es kann wirklich jeden treffen. Von jung bis alt, Schüler wie Erwachsene. Ich habe gelernt, solche Dinge an mir abprallen zu lassen. Und trotzdem: Diesen Hass noch einmal bewusst vorzulesen, war eine Überwindung für mich“, sagte Zieler dazu. Hass im Internet* sei kein Kavaliersdelikt, betont der 32-Jährige. „Social-Media-Verantwortliche müssen einen Weg finden, die Anonymität im Netz abzuschaffen. Jeder, der ein Profil hat, sollte sein Gesicht zeigen und es sollte erkennbar sein, wer sich dahinter verbirgt. Anonym zu pöbeln sollte nicht mehr möglich sein“, fordert dagegen Real-Profi Toni Kroos.

Auch Arminia-Verteidiger Amos Pieper wird mit Hasskommentaren im Internet konfrontiert.

Im deutschen Fußball wurde das Video mit Bestürzung aufgenommen. „Es ist erschreckend, was da so geschrieben wird - alles unter dem Schutzschild der Anonymität“, sagte zum Beispiel Julian Nagelsmann, Trainer von RB Leipzig. Unter dem Hashtag #UniteAgainstHate fordern die Beteiligten, darunter Amos Pieper, der vergangene Woche sein erstes Bundesligator für Arminia Bielefeld erzielt hatte, dem Hass im Internet ein Ende zu setzen. (*msl24.de und ruhr24.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.)

Rubriklistenbild: © Friso Gentsch/dpa

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